Tiny & Big – Grandpa’s Leftovers

Genre
Jump&Run
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Black Pants Game Studio
Erscheinungsjahr
2012.07
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Gelungenes Independent Spiel mit Spaßfaktor
Gruppenleiter
Dirk Poerschke
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Die Geschichte des Spiels ist so absurd wie witzig. Man versucht, in der Rolle des Helden Tiny einem Gegenspieler namens Big die geklaute Unterhose des eigenen Großvaters wieder abzujagen. Die Unterhose verleiht übernatürliche Kräfte. Um Big das wertvolle Stück Unterwäsche wieder zu entreißen, muss man sich mit Hilfe eines Laserstrahls, eines Greifhakens und von Raketen in Jump & Run-Einlagen durch knifflige Rätsel hangeln.
Dass "Tiny & Big – Grandpa’s Leftovers" nicht nur von der skurrilen Story lebt, zeigt der pädagogische Interaktiv-Preis vom SIN-Studio im Netz in der Kategorie „Multimediale Produkte für Jugendliche“. Die Macher des Spiels, Black Pants Game Studio aus Kassel in Deutschland, begeisterten nicht nur die Kinderjury des SIN-Studios in München.

Pädagogische Beurteilung:
Warum schwierig, wenn es auch einfach geht
In einem in Retro-Game Boy-Grün gehaltenen Tutorial lernen wir den Umgang mit unseren drei Hilfsmitteln. Zuerst haben sich meine Tester etwas erschrocken: „Das sieht ja komisch aus.“ Da stehen einige Blöcke in einer Matrix herum und können mithilfe eines Greifhakens von ihren Podesten gezogen werden. Die Podeste wiederum kann man verschieben und so einen Parcours bauen, um an eine höher gelegene schwebende Unterhose zu gelangen und diese einzusammeln. Der Laser schneidet durch fast alle Level-Bausteine, die anschließend entweder auseinanderrutschen oder von uns mit dem Greifhaken auseinandergezogen werden. Hier gibt es übrigens keine festgelegten Schnittstellen und wir werden im Tutorial daran erinnert, erst zu denken und dann zu schneiden. Denn einmal gemachte Schnitte führen nicht immer zum erwünschten Ergebnis. Die zerschnittenen Blöcke und Podeste kann man nämlich anschließend nicht wieder aufrichten oder hochziehen.
Mit Raketen kann man den Blöcken einen Geschossantrieb ankleben. Mit einem zweiten Klick zünden wir dann den Antrieb, damit die Rakete samt Steinklotz davonfliegt. Hat man einen Fehler gemacht, kommt man mit der Taste O wieder auf den letzten Speicherpunkt zurück. Die gesamte Steuerung kommt mit der Maus und den Tasten WASD zur Fortbewegung aus.
Nach dem Tutorial landen wir im richtigen Spiel.

Ein Hauch von Wilder Westen
Und hier entfaltet sich der ganze Spaß des an sich einfachen Spiels. Wir befinden uns in einer Wüste und zerlegen erst einmal sämtliche Steine und Kakteen, die im ersten Level rumstehen. Die Freiheit, alles zerlegen zu dürfen, lässt genügend Raum für Experimente, um in den nächsten Level zu kommen. Die Tester schneiden Treppen in den Felsen, bugsieren riesige Steine übereinander oder schießen sich, auf einem Trümmerteil stehend, mit Hilfe der Raketen durch die Gegend. Nach einer Weile musste ich die Tester daran erinnern, doch bitte dieses eine Level abzuschließen und den Weg in das nächste freizumachen. Spiel- und Experimentierfreude auf hohem Niveau bei meiner Testergruppe. Im nächsten Level befinden wir uns in einer riesigen, südamerikanisch anmutenden Pyramide, in die sich unser Gegenspieler Big mit der geklauten Unterhose geflüchtet hat. Mit Hilfe der drei Hilfsmittel bahnen wir uns einen Weg durch das Gebäude. Wir bauen Brücken, stoßen Gesteinsbrocken in den Abgrund und wenn wir mal selber mit abstürzen, landet man mit einem „Try Again“-Hinweis am letzten automatischen Speicherpunkt. Zwischendurch gibt es kleinere Kämpfe mit Big, der Dank der Kräfte der Unterhose Felsbrocken nach uns werfen kann. Bevor die uns treffen, zerschneiden wir die Brocken mit dem Laser oder bauen uns schnell einen Schutzwall aus herumliegenden Pyramidentrümmern. Das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Der Laser zerstört nämlich bei großzügigem Einsatz auch die Umgebung und verbaute uns so manches Mal den Weg. „So muss ein Spiel sein – cool und knifflig“ (Tester, 11 Jahre).

Als die Comics laufen lernten
Auffällig sind die stilistischen Mittel des Spiels. Die zwei handgezeichneten, schrägen Charaktere im Comiclook, die tolle Himmelsgestaltung und ein insgesamt rundes Grafik-Konzept fesselten die Testergruppe. Der Einsatz der Zwischensequenzen und sowohl die Spielumgebung als auch die Farben hinterlassen beim Spieler fast einen cineastischen Eindruck.
Alle Dialoge im Spiel werden über Sprechblasen geführt. Grundlegende Lesefähigkeit wird also vorausgesetzt. Zusätzlich werden die in Comics gängigen, geschriebenen Soundworte („Bang“, „Boing“ etc.) als Objekte in die Welt integriert. So erhält der Spieler neben einem akustischen auch ein visuelles Feedback zu seinen Aktionen. Das verstärkt nochmal das Gefühl eines spielbaren Comics.
Auf die musikalische Untermalung und andere Sounds möchten wir hier natürlich ebenfalls eingehen. Durchweg gelungene Effekte von in sich zusammenfallenden Trümmern oder Laufgeräuschen einer Spielfigur werden von einem Soundtrack aus 18 Songs unterschiedlicher Musiker aus dem Independent-Bereich begleitet. Diese waren meinen Testern aber meistens zu unbekannt. Die einzelnen Musiktitel kann man mit der N-Taste einfach weiterschalten und so die gewünschte Musik an die jeweilige Situation anpassen.

Fazit:
"Tiny&Big – Grandpa’s Leftovers" hat seine Auszeichnungen zu Recht erhalten und ist wieder mal ein Beweis dafür, dass kleine Independent-Spiele die millionenschwere Konkurrenz nicht zu fürchten brauchen.
Bis zum letzten Kampf gegen Big hatten meine Tester unglaublich viel Spaß am Zerlegen der Spielumgebung und den teils kniffligen Anforderungen im Spiel. Die Optik, die aus liebevoll handgezeichneten Levels besteht, der Humor, das Gameplay und die sehr gute Musikauswahl bestechen auf der ganzen Linie. Der Verzicht auf unnötige Brutalität, wenn man einmal als Tiny unter herabstürzende Trümmer gerät, macht diesen Titel durchaus auch für jüngere Spieler spielbar.

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Spieletester
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass