Zooloretto - Jetzt wird's wild!

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 4 Jahre
Vertrieb
dtp Entertainment AG
Erscheinungsjahr
2011.06
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Misslungene Brettspielumsetzung
Gruppenleiter
Dirk Poerschke
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Mit "Zooloretto – Jetzt wird’s wild!" spielt man die digitale Umsetzung des gleichnamigen „Brettspiel des Jahres 2007“ von Michael Schacht. Es geht in "Zooloretto" darum, einen eigenen Zoo mit Tieren zu füllen, diesen zusätzlich auszubauen und gegen die Mitspieler am Schluss des Spiels mit den meisten Punkten den Sieg davonzutragen. Das Computerspiel basiert dabei auf den Regeln der Brettspielvorlage und enthält zusätzliche Erweiterungen. Eingerahmt von einer Hintergrundgeschichte wird rundenbasiert entweder gegen bis zu fünf Mitspieler oder gegen Computergegner gespielt.

Pädagogische Beurteilung:
Die Regeln
Einfach frei nach dem Motto „Lernen durch Tun“ losspielen geht bei "Zooloretto" nicht. Meine Tester wollten, wie aus anderen Computerspielen gewohnt, ohne das Tutorial einfach loslegen und verloren eine Runde nach der anderen.
Das Spiel bleibt ohne Erläuterung völlig unverständlich. Also klicken wir uns erstmal durch die integrierte Spielanleitung und da gibt es eine Menge zu lesen. Entweder in drei Kapiteln einfach beschrieben oder durch ein zusätzliches Tutorial zusätzlich graphisch umgesetzt, bekommen wir einen ersten Eindruck davon, wie das Spiel funktioniert.
Leider gibt es für die Spielanleitung keine Sprachausgabe und die musikalische Untermalung nervte die Tester schnell. Also den Ton abschalten und die Lesekompetenzen bemühen. Die Texte können leider auch nicht ausgedruckt werden. Hier gibt es für sehr junge Spieler die erste wirkliche Hürde. „Was soll das denn, wie bekomme ich jetzt Punkte? Wann gibt es Punktabzug?“ (Tester 10 Jahre). Wenn man das Brettspiel nicht kennt, gibt es Fragen über Fragen. Legen wir also trotzdem einfach los.

Spielablauf
Zu Beginn jeder Spielrunde wird automatisch eine Reihenfolge der Mitspieler festgelegt. Im Einzelspielermodus haben wir die Möglichkeit, verschiedene Spielstärken für die Mitspieler von leicht bis schwer einzustellen. Anschließend hat jeder der Mitspieler drei Gehege, in denen jeweils nur eine Tierart platziert werden kann. Werden die Gehege gefüllt, bekommt man Punkte gutgeschrieben. Werden die Gehege nicht ganz gefüllt, kann man mit einer Geldaktion den Zoo mit Verkaufsständen ausbauen und bekommt dadurch ebenfalls Punkte. Die Tiere werden nach dem Zufallsprinzip in Kisten angeliefert. Der Spieler, der an der Reihe ist, kann zwischen drei Optionen wählen: Eine Kiste auf einen Transporter ablegen, Kisten auf einem der Transporter öffnen und das Tier in seinem Gehege oder seinem Stall platzieren, oder eine Geldaktion durchführen. Bei einer Geldaktion können wir mit Hilfe von Münzen ein weiteres Gehege bauen oder im Spielverlauf ein Tier aus dem Stall eines Kontrahenten kaufen. Die Tiere, die wir nicht im eigenen Zoo unterbringen konnten und die im Stall landen, werden als Minuspunkte angerechnet. Nach jeder Partie, also je öfter man "Zooloretto" spielt, erhält man zusätzliche Münzen, ein Belohnungssystem, mit dem man das Spiel durch Erweiterungen und neue Charaktere individueller gestalten kann. Dieses System beinhaltet ebenfalls Bonusziele für bestimmte Aufgaben, die aber nichts mit dem Spiel an sich zu tun haben.
Da die angelieferten Tierkisten begrenzt sind, kommt hier ein taktisches Element ins Spiel. Natürlich versuchen wir, den Mitspielern nicht die richtigen Tiere auf den Transportern zu überlassen und wir müssen uns genau überlegen, welche der drei möglichen Optionen uns der höchsten Punktzahl am nächsten bringt. Wir haben jedoch nicht ein Spiel gewonnen und sind darüber bald verzweifelt. Das Zufallsprinzip in der Anlieferung der Tiere hat bei uns immer den Eindruck hinterlassen, die Kontrahenten zu bevorteilen - zumindest im Einzelspielermodus. Ein echtes Manko, das zu Lasten der strategischen Planung geht. Mit jeder weiteren Spielrunde im Kampagnenmodus steigt zudem der Schwierigkeitsgrad. Irgendwann haben meine Tester aufgegeben. 

Die Hintergrundgeschichte
Die Hintergrundgeschichte berichtet von einer weltweiten Krise der Tierpark-Kultur, in der skrupellose Manager den Tieren mit falschem Futter und nicht „artgerechter“ Haltung das Leben schwer machen. Wir werden als Assistent eines netten Zoodirektors mit der Aufgabe betraut, gegen die Besitzer der anderen Tierparks "Zooloretto" zu spielen. Jedes Mal, wenn wir ein Spiel gewinnen, übernehmen wir den Zoo und können diese unhaltbaren Zustände damit endlich ändern. 36 Gegner auf einer Reise rund um den Globus warten hier im jeweiligen Lokalkolorit auf uns. Das komplette Spiel ist dabei im Comic-Stil und durchweg kindgerecht gehalten. Die Spieldauer pro Runde dauerte etwa 20 Minuten.
Wenn man für ein Brettspiel wie "Zooloretto" und damit einem durch die Spielmechanik dominierten Ansatz zusätzlich ein Thema finden muss, um daraus ein erzählendes Computerspiel zu machen, sollte man sich wirklich Mühe geben.
Die Frage nach der Immersion im Spiel wird dadurch auf eine neue Ebene gehoben. Gerade für "Zooloretto" - Anfänger wie uns ist es wichtig, sich nicht nach jeder misslungenen Runde als Verlierer zu fühlen.
Zudem sollte ein Spiel auch bis zum Schluss spannend bleiben. Hatten wir schon erwähnt, dass wir nicht eine Runde gewonnen haben? Wir hatten in keiner Spielrunde einen anderen als den letzten Platz. Dafür entschädigten uns auch nicht die Münzen für Bonusziele, die wir für jede Runde bekamen.
Entweder wir haben die Regeln wirklich nicht verstanden oder die Balance zwischen Glück und Strategie ist nicht austariert. Hatten wir einfach nur permanent Pech? Hier zeigt sich auch der größte Kritikpunkt meiner Tester an dem Spiel: „Beim Brettspiel kann man den anderen mal fragen, was man falsch macht oder seine Taktik beobachten. Das funktioniert hier am Rechner überhaupt nicht!“ (Tester 10 Jahre).
Hatten wir außerdem erwähnt, dass wir die Musik, die wir am Anfang beim Lesen als störend empfunden haben, auch nicht wieder angemacht haben?

Fazit:
Die meisten Brettspiele erscheinen mittlerweile auch als Computerspiel mit unterschiedlichem Erfolg. "Zooloretto – Jetzt wird‘s wild!" hat als Computerspiel leider nicht überzeugt. Dem Spiel könnte man hier noch die grafische Umsetzung oder den Preis zugutehalten. Und auch ob man nun alleine oder gegen andere spielt ist einem selber überlassen. Leider geht hier vom ursprünglichen Gesellschafts- und Familienspiel zu viel verloren. So sorgen Spieleabende in familiärer Runde für gemeinsame Erlebnisse, welche die Kommunikation, den Zusammenhalt und das Wir-Gefühl stärken. Gesellschaftsspiele fördern dabei nicht nur den Zusammenhalt innerhalb der Familie, sie trainieren auch die sozialen Kompetenzen. Als Brettspiel kann ich mir in diesem Sinne "Zooloretto" sehr gut vorstellen und die Auszeichnung als „Brettspiel des Jahres 2007“ hat das Spiel sicher auch nicht zu Unrecht gewonnen.

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Spieletester
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass