Pandoras Tower

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2012.04
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Schöne Spielwelt mit morbiden Inhalten
Gruppenleiter
Christopher Wandel
Games4Kalk
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Wenn die Spieletester der Stadtbibliothek Köln Kalk gefragt werden, was ein Japanisches Rollenspiel zu einem japanischen Rollenspiel macht, so antworten viele: „Es ist fast alles so wie bei anderen RPG's auch, nur irgendwie alles ein bisschen übertriebener" (Janik, 15). Tatsächlich passt dieses Zitat zum aktuellen Spiel "Pandoras Tower". Die ansonsten recht Manga-affine Spieletestergruppe testete erst kürzlich das Spiel „Xenoblade Chronicles" und erfreute sich nicht nur einer guten Geschichte als auch einer angemessenen Grafik und weitestgehend guter Steuerung. Ob "Pandoras Tower" diesem Standard gerecht wurde, zeigt die folgende Beurteilung.

Pädagogische Beurteilung:
Ein verhängnisvoller Fluch!
Ein unscheinbares Mädchen namens Helena wurde mit einem Fluch belegt. Wie es nun einmal um solch einen Fluch bestellt ist, steht ihr ein grausames Schicksal bevor. Selbstverständlich gibt es ein Heilmittel und genauso selbstverständlich ist die Tatsache, dass es schwer zu beschaffen ist. Dieses Heilmittel bewahrt vor der Verwandlung in ein tödliches Monster. Dabei handelt es sich um das sogenannte Meisterfleisch, das Herz eines Hüters der dreizehn Türme.
In der Rolle von Aeron, einem jungen Abenteurer und Krieger, machen wir uns also auf die Suche nach jenen Türmen. Ziel ist es die Hüter jener mysteriösen Türme zu bezwingen, das Fleisch zu erringen und es der holden Helena zu verabreichen. Der dungeon-lastige Rollenspieltitel führt uns hierbei durch verwitterte Ruinen alter Tage. Bewaffnet mit seinem Nunchuck-Stick schlagen wir uns durch düstere Gänge und hohe Hallen. Auch Waffen wie ein Schwert, eine Sichel sowie eine Doppelklinge stehen Aeron zur Verfügung. Dies verspricht ebenfalls eine gehörige Portion Action, schließlich gilt es unseren Helden episch aussehen zu lassen.

„Indy...!"
Unser Weg ist gepflastert von schaurigen Gegner und kniffeligen Rätseln. Mit Hilfe unserer „Orakloskette" sind die meisten Rätsel gut zu lösen. Diese erhalten wir am Anfang des Spiels. Das Wiimote-Fadenkreuz dient der Orientierung und wird mit einem Kettensymbol dargestellt, welches wie eine Peitsche ausgeworfen und befestigt werden kann. Wie könnten wir da nicht an Indiana Jones denken? Mit der Kette betätigen wir ebenfalls Hebel und Schalter, die etwa Aufzügen oder dem Öffnen verschlossener Türen dient. Auch weit entfernte Gegenstände lassen sich auf diese Weise einsammeln (ein Schelm, wer unserem Helden da nicht den Hang zur Faulheit unterstellt).

Super Kette, schlechte Kamerafahrten
Die virtuosen Kettenszenen machen der Kamera allerdings schwer zu schaffen. So episch die Idee der Kette auch sein mag, so lausig ist ihre Umsetzung. Sobald Aeron versucht das Ende der Kette an einem Knauf oder ähnlichem zu befestigen, müssen wir uns so positionieren, dass unser Held kurzerhand im Boden verschwindet. Ebenfalls gibt es, je nach Winkel, den ein oder anderen Grafikfehler. Diese Komplikationen nehmen mitunter viel zusätzliche Spielzeit in Anspruch, da wir immer noch einmal die ein- oder andere Felspalte zusätzlich inspizieren müssen. An einigen wertvollen Gegenständen oder Geheimtüren sind wir sicherlich vorbeigelaufen. Sollte dies zu viel Zeit in Anspruch nehmen, wird Helena vom Fluch besiegt und wir müssen erneut den letzten Turm und seine düsteren Bewohner bezwingen.

Grafik & Steuerung – Begeisterung nicht für jedermann!
Die Grafik von "Pandoras Tower" stellt neben den ungünstigen Kamerafahrten die zweite Schwachstelle des Spiels dar. Da die Spieletester erst kürzlich den genre-verwandten Titel Xenoblade Chronicles spielten, waren die Ansprüche deutlich höher - zum Nachteil des aktuellen Spiels. Die verwaschenen Texturen, nerviges Kantenflimmern und die teils klobig wirkenden Animationen können mit den derzeitigen Konsolenstandards nicht mithalten. Auch die Steuerung wirkt oftmals veraltet und unpräzise, sodass es gelegentlich schwierig ist den Wiimote-Cursor genau zu platzieren oder den Gegner für einen Kettenkampf anzuvisieren. Ein automatisches Anvisieren wie bei Risen (Beurteilung zu Risen 3: http://www.spieleratgeber-nrw.de/site.4148.de.1.html) und Co. wäre hier sehr hilfreich gewesen. Ein weiterer Zeitfresser!

Blutiges Gemetzel und kostbare Innereien
Das Herz eines Hüters essen, um vom Fluch befreit zu werden ist für ein Spiel wie "Pandoras Tower" schon recht gewagt – doch damit nicht genug. Sobald herkömmliche Feinde rot schimmernd erstrahlen können wir mit Hilfe unserer Orakloskette dem Gegner diverse Ressourcen wie beispielsweise Nymphenbeeren oder Metallstücke aus dem Torso reißen. Die erstandenen Innereien lassen sich bei der fahrenden Händlerin Mawda verkaufen. Vom Erlös lassen sich Ausrüstungsgegenstände verbessern und sogar neue Gegenstände herstellen. Eine makabre Angelegenheit.
Sollte Aeron gerade einmal nicht in den Gängen der mysteriösen Türme unterwegs sein, besteht die Möglichkeit sich ins ehemalige Observatorium zurückzuziehen, um sich neu auszurüsten oder das Inventar auszusortieren. Sollten wir bestimmte Gegenstände wie Tränke oder Waffen vorerst nicht benötigen steht uns eine Truhe zur Verfügung, in der wir die Objekte verwahren können. Wertvolle Dinge können Helena in Form eines Geschenks vermacht werden, dies sorgt für Sympathie und wirkt sich mitunter auf den Spielverlauf sowie das epische Ende aus.
Nachdem ein Hüter getötet wurde finden wir uns ebenfalls automatisch im Observatorium ein. Dies erspart uns den mitunter langen Rückweg und verschont uns vor erneuten Kämpfen. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, die Verzögerungen durch die Kamerafahrten wieder auszugleichen.

Fazit:
"Pandoras Tower" bescherte „The Game Connection" ein lachendes und ein weinendes Auge. Die weitläufige und zudem sehr abwechslungsreiche Spielwelt beinhaltet eine spannende und zugleich dramatische Geschichte, der sich alle Tester sehr gut annehmen konnten. Die theoretisch epischen Kampfszenen tragen ebenfalls zum Spielspaß bei. Die vielseitigen Herausforderungen verschafften den Testern stets die Möglichkeit sich an der Geschichte und ihrer Umsetzung zu erfreuen. Dies wird allerdings durch die veraltete Grafik sowie eine in hektischen Szenen recht unpräzise Steuerung stark beeinträchtigt. Bestimmte Ziele, wie das Essen eines Herzens und das Entreißen von Innereien wirkten streckenweise ein wenig zu dick aufgetragen und morbide. Die erst kürzlich abgeschlossene Testreihe zu „Xenoblade Chronicles" setzte "Pandoras Tower" ebenfalls zu. Den aktuellen Standards verlangen dem Titel streckenweise zu viel ab, dennoch „war viel schönes dabei..." (Selim, 15).

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Spieletester
Games4Kalk
Köln
Bewertung Spielspass