Game Party in Motion

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Warner Interactive
Erscheinungsjahr
2010.10
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Hinweis(e)
Erfordert Kinect-Sensor
Kurzbewertung
Wenig interessante Minispiele, aber viele technische Probleme
Gruppenleiter
Christopher Wandel
Games4Kalk
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Als der Titel den Spieletestern der Stadtbibliothek Köln Kalk vorgestellt wurde, freuten sich alle riesig über den Test einer neuen Spielesammlung. Für gewöhnlich heißt das nämlich, dass für jeden mindestens ein Mini Spiel dabei ist, die Darstellung hell und farbenfroh erscheint und man einfach das digital nachspielen kann, was beispielsweise in der Grundschulzeit auf dem Pausenhof oder nachmittags auf der Straße so angesagt ist.
Doch was wir bei näherer Betrachtung vorfanden konnte nicht mit den Erwartungen der Tester mithalten. 16 Minispiele in Kirmes- und Kneipenstil, darunter Klassiker wie Hufeisen werfen, Billard und Bierkrüge fangen, die über den Tresen herangesaust kommen. Zum Glück gibt es auch den Airhockey Tisch, Puck Bowling und eine verhältnismäßig abwechslungsreiche Squash Variante. Alle Spiele sind hierbei allein oder zu zweit spielbar – sofern die Technik nicht verrücktspielt.

Pädagogische Beurteilung:
Die Frage nach altersgerechten Spielen
Das Spiel an sich dient für Heranwachsende als Quelle vieler wichtiger Lernprozesse. Nachahmung und Identifikation von Prozessen und Inhalten gelten mitunter als signifikant für das Erlernen neuer Fähigkeiten und das Überprüfen bereits erworbener Inhalte und Kompetenzen. Doch welche Bedeutung haben Bildungs- und Erziehungsaufträge, wenn Spiele den Eindruck vermitteln, es sei „cool“ in einer ausgelassenen Kneipenatmosphäre heranrutschende, volle Bierkrüge (also Glas mit Inhalt) aufzufangen? Hätten das nicht auch Gläser mit altersgerechten Getränken sein können? Immerhin gibt es genug farbige Softdrinks, die auf zwölfjährige genauso ansprechend wirken. Natürlich kann an dieser Stelle die zu strenge Sicht des Pädagogen hochgehalten werden – doch was machen, wenn die Kids diese Irritation selbst ansprechen: „Warum ist da Bier drin? Ich dachte das sei schlecht?“

Kinect macht’s möglich, oder nicht?
Gesteuert werden die verschiedenen Minispiele durch die Bewegungserfassung des Kinect-Sensors, der für das Spiel zwingend erforderlich ist. Das heißt, dass die Spieler die Minispiele durch den Einsatz des eigenen Körpers und Bewegungen bzw. Gesten steuern. Diese Steuervariante hat in der Testergruppe jedoch bei nahezu allen Spielen versagt – starke Verzögerungen und Fehlermeldungen waren das Resultat. Neben den vielen nicht altersgerechten Minispielen gab es zwar einige, die für die Tester ansprechend waren, umso ärgerlicher war es jedoch, dass gerade diese Spiele schwerwiegende, technische Probleme mit sich brachten. ZU gute halten kann man dem Spiel jedoch an der Stelle, dass sowohl die Grafik als auch der Spielsound stimmig und ansprechend gestaltet sind.

Lust, Frust und Flow
Spiele, die zu zweit, dritt oder viert zu spielen sind, eignen sich hervorragend für gruppendynamische Prozesse. Wie agieren oder interagieren die Spieler oder Wettbewerber? Welche Konsequenzen bringen Sieg oder Niederlage auf interaktiver Ebene mit sich? Macht das Spielen in der Gruppen mehr Spaß als alleine? Alles wichtige und spannende Fragen, die in anderen pädagogischen Beurteilungen nachgelesen und belegt werden können. In diesem Fall gilt es die Frage zu stellen, wie all diese Punkte bearbeitet und beantwortet werden können, wenn das Spiel derart viele Fehler beinhaltet, sodass es schlichtweg nicht überprüft werden kann. Stattdessen begünstigt der Titel die Kurzvorstellung der Lust-Frust und Flow Theorie, wobei der Frust-Aspekt besonders dargelegt wird.
Es ist ganz einfach: Ist das Spiel zu leicht, macht es keinen Spaß = Frust! Ist das Spiel zu schwer, macht es auch keinen Spaß = Frust! Gewährleistet ein Spiel hingegen Erfolgsmomente, da das individuelle Können unter Beweis gestellt wird, der Spieler aber auch die Möglichkeit hat, sich an Herausforderungen zu reiben und sich auch anstrengen zu müssen, spricht man von einem „Flow“. Bestätigung und Herausforderung schaffen ein angenehmes Gleichgewicht und gewährleisten, dass der Spieler sich auch langfristig an ein und demselben Spiel erfreuen kann.

Fazit:
Sicherlich lag es nicht an der Wahl der Konsole oder gar an der Steuerung über die Kinect. Viele namenhafte Spielesammlungen wurden bereits für diese Technik veröffentlicht und liefen einwandfrei. Titel werden vor dem offiziellen Release einer Qualitätskontrolle unterzogen und auf Schwachstellen hin überprüft, deshalb ist es sehr schade, dass sich dem Gesamtwerk nicht noch einmal angenommen wurde. Natürlich kann man (geschmacklich) darüber streiten, ob Minispiele wie Tic Tac Toe oder Hufeisen werfen nötig sind, wenn es doch genügend andere Spiele gibt, die hätten nachempfunden werden können. Ebenso schade, dass die interessanten Spiele nur bedingt zu bedienen waren. Aufgrund dieser schwerwiegenden technischen Mängel kann die Game Connection der Stadtbibliothek Köln Kalk diesen Titel nicht empfehlen. Die Testphase wurde aufgrund genannter Schwachstellen frühzeitig abgebrochen.

 

Anmerkung aus der Testergruppe Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
"Game Party in Motion" ist eine recht umfangreiche, audiovisuell solide Minispielsammlung. Leider kommt die Party, wenn überhaupt, doch nur ganz, ganz träge in Bewegung. Spielspaß kommt durch erhebliche Mängel in der Bewegungserfassung durch den Kinectsensor kaum auf. 

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Spieletester
Games4Kalk
Köln
Bewertung Spielspass