Fahrenheit: Indigo Prophecy Remastered

Genre
Apps
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Quantic Dream
Erscheinungsjahr
2015.01 (2005 PS2)
Systeme
PC, Playstation 2, Mac, iOS
System im Test
iOS
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Spannender, mysteriöser und entscheidungskritischer Spiel-Film
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4
Siehe auch

Spielbeschreibung:
Das mysteriöse Krimi-Spiel wurde erstmals 2005 veröffentlicht (Link zur damaligen Beurteilung) und überraschte mit einem innovativen Ansatz des Geschichtenerzählens. War es sonst in Adventures üblich, Gegenstände einzusammeln und miteinander zu kombinieren, wurden hier Dialoge unter Zeitdruck geführt und Action-Szenen in zeitkritischen Reaktionstests bewältigt, um weiterzukommen. Diese Aufmachung erinnerte eher an einen interaktiven Film, der sich durch die Spielhandlungen unterschiedlich gestalten kann. Seither wurde dieses Konzept vielfach kopiert. Das spannende und beklemmend düstere Heavy Rain vom gleichen Entwickler sowie Episoden-Abenteuer wie The Walking Dead oder Life is Strange sind hier exemplarisch zu nennen. Nun wurde "Fahrenheit" für PC/Mac und für das iPad in einer überarbeiteten Version mit HD-Grafik neu veröffentlicht.
Eine Filmsequenz führt den Spieler in die Handlung ein. Gezeigt wird ein brutaler Mord in der Toilette eines heruntergekommenen Restaurants in New York. Man sieht den Täter Lucas Kane, der wie in Trance auf einen älteren Mann einsticht, bis dieser zusammenbricht und stirbt. Unterbrochen wird die Szene immer wieder von mystisch wirkenden Videosequenzen, die einen Mann mit schwarzem Umhang zeigen, der in einem Meer von Kerzen steht. Nach der Tat scheint der Mörder wie aus einem bösen Traum zu erwachen. Er kann nicht fassen, was er gerade getan zu haben scheint.
An dieser Stelle übernimmt der Spieler die Handlung. Er steuert Kane und muss zunächst Indizien sowie die Leiche verstecken, und flüchtet anschließend vor einem Polizisten. Im weiteren Verlauf entwickelt sich das Spiel wie ein Kriminalfilm, in dem der Spieler die Rolle verschiedener Hauptdarsteller übernimmt. Er lenkt abwechselnd den Verdächtigen Kane, sowie die mit der Aufklärung des Falles beauftragte Inspektorin Carla Valenti und deren Helfer Tyler Myles durch die einzelnen Kapitel der Story. So findet der Spieler immer mehr über die Umstände des mysteriösen Mordfalles heraus. Mit den unterschiedlichen Charakteren gilt es nun verschiedene Aufgaben zu erfüllen und Geheimnisse zu lösen.

Pädagogische Beurteilung:
Aller Anfang…
In einem Tutorial können sich Spieler mit der grundlegenden Steuerung vertraut machen. Der Clou: Als Lehrer tritt ein virtuelles Abbild des Produzenten David Cage auf. Und die eigene Figur ist ein Crash-Test-Dummy. Das ist nicht nur witzig, sondern auch sinnvoll. Denn im späteren Spiel hat jede Handlung eine Konsequenz und so lassen sich Unsicherheiten hinsichtlich der Bedienung vermeiden.
Auf dem iPad geht die Steuerung überraschend leicht von der Hand. Mittels eines virtuellen Steuerkreuzes an der linken Seite des Displays navigiert man die Figur, ändert die Perspektive und erkundet mit ihr die Umgebung. Mit Wischgesten der anderen Hand lassen sich am oberen Bildschirmrand angezeigte Aktionen durchführen. Tauchen farbige Symbole auf dem Display auf, müssen diese zeitkritisch ausgeführt werden. Gemütlich auf dem Sofa liegen geht also kaum, da immer wieder reaktionsschnell und beidhändig in den Verlauf eingegriffen werden muss.

Zeit- und entscheidungskritische Aktionen
Hauptaufgabe des Spielers ist zu entscheiden, wer was wann tut oder lässt. Eine Anzeige im Spiel informiert zudem, an welcher Stelle er im laufenden Kapitel zwischen den Akteuren wechseln kann. In Gesprächen oder bei anstehenden Aktionen wird die verbliebene Zeit durch einen roten Balken visualisiert. So ist der Spieler gezwungen, schnell zu reagieren. Durch dieses Vorgehen setzt er selbst Prioritäten und schreibt sein eigenes individuelles Drehbuch. Jede Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf die Handlung. So erstellt Tyler zum Beispiel mit Hilfe einer Zeugin ein Fahndungsfoto. Der Spieler kann frei wählen, wie stark das Phantombild dem Täter ähnlich sehen soll und den Ermittlungsverlauf dadurch beeinflussen. Er hat durch seine Aktionen ebenfalls Kontrolle über die Emotionen seiner Darsteller. Stellt er zum Beispiel Musik in einer Wohnung an oder trinkt Wasser, so verhilft dies den Protagonisten sich zu entspannen und Kraft zu tanken. Scheitert er bei Reaktionstests, hat dies hingegen negative Konsequenzen auf den Gemütszustand – bis hin zum Selbstmord eines Hauptdarstellers.

Nachteile
Die Grafik ist trotz Verbesserungen sichtlich in die Jahre gekommen und kann mit aktuellen Spielen nicht mithalten. Und auch die Kameraführung ist stellenweise etwas irritierend. So führen z.B. automatisch wechselnde Perspektiven dazu, dass sich die Darsteller in unterschiedliche Richtungen bewegen oder vor Wände laufen. Vor allem in zeitkritischen Situationen wird der Spielverlauf hierdurch durchaus nachteilig beeinflusst. Ein weiteres Manko sind die sogenannten „Quick Time Events“. Wie oben beschrieben, tauchen auf dem Bildschirm Farben auf, die es zeitkritisch zu berühren gilt. So muss Kane zum Beispiel ein Kind vor dem Ertrinken retten, wobei Reaktionsschnelligkeit und Geschicklichkeit im Umgang mit unterschiedlichen Befehlen gefragt sind. Diese Sequenzen nehmen allerdings im fortgeschrittenen Verlauf immer mehr Raum ein und können den Spieler auf eine Geduldsprobe stellen. Spieler, die nur die Geschichte genießen wollen, können den Schwierigkeitsgrad herunterstellen und somit einigen frustrierenden Situationen entgehen.

Forderungen
Stellenweise erfordert das Nehmen bestimmter Hürden im Spiel Übung, Konzentration und Reaktionsschnelligkeit. Die Fähigkeit zur Kombination von Sachzusammenhängen, analytischem Gespür und dem Bewahren des Überblicks über die Handlung ist eine obligatorische Grundvoraussetzung, um im Spielverlauf erfolgreich voranzuschreiten. Außerdem müssen Spieler in der Lage sein, Distanz zu der stellenweise bedrückenden Handlung wahren zu können, was nach unseren Erfahrungen beim Einsatz des Vorgängers den Jugendlichen ab 16 Jahren gelingt.

Spannung
Trotz dieser Mankos kommt dank stimmungsvoller Musik und zahlreichen filmischen Zwischensequenzen eine düstere Stimmung auf. Viele Fragen durchweben den Handlungsstrang im voranschreitenden Spielverlauf und motivieren den Spieler immer wieder aufs Neue, die Umstände des rätselhaften Verbrechens aufzudecken. Mehrmaliges Spielen bietet durchaus die Option, völlig unterschiedliche Handlungsstränge zu verfolgen. Das Abspeichern funktioniert automatisch. Einmal durchgespielte Kapitel können wiederholt durchgespielt und in Form verschiedener Profile gesichert werden. 

Fazit:
Jugendliche ab 16 Jahren, die bereit und befähigt sind, sich auf die komplexe Story einzulassen, können hier einen spannenden und mysteriösen Kriminalfall erleben und mitgestalten. Die Möglichkeit, als "omnipotenter" Regisseur selbst die Kontrolle über das Spielgeschehen zu übernehmen, kann die kleinen technischen Fehler schnell vergessen lassen. Auf dem iPad sollte allerdings ausreichend Speicherplatz vorhanden sein. 4 GB benötigt das Spiel, 2 weitere GB die deutschen Sprachdateien.