The Amazing Spider-Man 2

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Activision
Erscheinungsjahr
2014.05
Systeme
PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One, Wii U, Nintendo 3DS
System im Test
Xbox One
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Bedingt gelungene Weiterentwicklung des Vorgängers
Gruppenleiter
Christopher Wandel
Games4Kalk
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Nachdem bereits im Januar der erste Teil von "The Amazing Spider-Man" von den Spieletestern der Stadtbibliothek Köln Kalk beurteilt wurde, widmet sich die Gruppe nun der Fortsetzung, die zeitgleich zum Kinostart des Films erschien. Wie bereits im ersten Teil findet die Geschichte des Spiels jedoch unabhängig von den Ereignissen der Filme statt. Obwohl ein parallel erscheinendes Spiel genügend Raum für weitere Abenteuer geboten hätte, wird wie bereits im ersten Teil das zur Verfügung stehende Potenzial nicht ausreichend genutzt. Die insgesamt 14 Kampagnenabschnitte stehen für sich und schaffen es nicht, ein in sich schlüssiges Gesamtbild zu erzeugen. Somit konnten die etwa 10 bis 12 Spielstunden keine tieferen Einblicke in die leider sehr oberflächlich gehaltene Spielwelt geben. Nach geraumer Zeit fingen die Spieletester an, die verschiedenen Bösewichte mitzuzählen. Fast fühlt es sich an, als würde das Spiel eine imaginäre Liste aller „Marvel-Schurken“ abarbeiten, ohne diese ernstzunehmend in die Geschichte einzubetten.

Pädagogische Beurteilung:
Aus vergangenen Fehlern nicht gelernt
Bedauerlicherweise stellt sich relativ schnell heraus, dass die Entwickler aus den Schwächen des ersten Teils nicht sonderlich gelernt zu haben scheinen. Wieder einmal spielt die Geschichte in Manhattan und wieder einmal handelt es sich um einen frei erkundbaren Großstadtdschungel, der grafisch aufgrund der vielen Details ganz schön an seine Grenzen stößt. „Solche Spielereien machen nur Spaß, wenn die Konsole das packt. Ansonsten ist mir das Bild auf Dauer zu anstrengend“ (Felix, 12 Jahre).
Immerhin schaffen es die akrobatisch rasanten Berg- und Talfahrten diesmal noch spektakulärer auszusehen. Jenseits der Spielgeschichte sorgt das Schwingen von Wolkenkratzer zu riesengroßer Werbeanzeige für ordentlichen Spaß und wird aufgrund der fehlenden Übersicht innerhalb der Spielgeschichte entsprechend genutzt. Eine weitere Veränderung ist, dass im zweiten Teil sogenannte Ankerpunkte benötigt werden, um das Abseilen und Schwingen zu ermöglichen. Dies steigert die Spannung und den Nervenkitzel und sorgt oftmals für schallendes Gelächter, wenn es mal wieder jemand nicht schafft, auf die Schnelle einen geeigneten Ankerpunkt zu finden.

Man bleibt der Linie treu
Im Laufe des Spiels werden wir des Öfteren anhand kleiner Markierungen auf der Mini-Karte darauf aufmerksam gemacht, dass ganz in der Nähe eine weitere Ungerechtigkeit gestoppt werden muss. Wie auch im Vorgänger handelt es sich um Autodiebstähle oder irgendeinen schmutzigen Drogendeal. Doch auch neue Aufgaben wurden in das Sortiment aufgenommen, hier dürfen Fans sich auf Bombenattentate, wilde Feuergefechte und waghalsige Rettungsaktionen freuen. Nach erfolgreichem Abschluss erfolgen in der Regel ein kurzer Einspieler sowie die Neupositionierung auf der Heldenskala. Diese dient der Veranschaulichung, wie es derzeit um das Ansehen Spider-Mans innerhalb der Bevölkerung bestellt ist. Scheitern wir oft bei angetretenen Missionen oder sorgen wir uns nicht ausreichend um das Wohl der Bürger, werden diese im Laufe der Zeit ungehalten und wenden sich von uns ab.
Auch im zweiten Teil gibt es einen Comicladen, der sogar vom Schöpfer der Spinne, Stan Lee, höchstpersönlich betrieben wird. Hier können die gesammelten Comicseiten wie im ersten Teil gesichtet werden Auch ein Spielautomat steht zur Verfügung, an dem wir anhand kleiner Minispiele diverse Kämpfe bestreiten können. Außerdem gibt es hier noch einmal die Möglichkeit, ein wenig mehr über die teilnehmenden Protagonisten des Spiels zu erfahren.

Helden-Stress oder doch nur Zeitschinderei?
Ganz egal wieviel wir bereits erledigt haben, die ständig auftauchenden Nebenmissionen vermitteln den Eindruck, als gäbe es in Manhattan immer etwas zu tun. Das hohe Maß an sozialer Erwünschtheit seitens der Einwohner erhöht noch einmal den Druck auf die schwindelfreie Spinne. Andererseits entsteht gerade dadurch der unangenehme Beigeschmack, dass die Entwickler das Ende des Spiels auf perfide Art und Weise einfach nur hinauszögern wollten. Zu dieser Annahme kommt es ausschließlich deshalb, da die vielen verschiedenen Möglichkeiten nebeneinander existierten, anstatt miteinander zu funktionieren. Ebenfalls kommt hinzu, dass es im gesamten Spiel immer wieder zu Wiederholungen kommt, sei es hinsichtlich der Texturen, der Einspieler oder auch der streckenweise eintönig wirkenden Innenstadt.

So langsam wird’s stumpf …
Einen der bisher größten Kritikpunkte stellte im Rahmen der ersten Bewertung das Kampfsystem dar. Nach zweijähriger Entwicklungsphase warten die Fans auch dieses Mal vergeblich auf die Weiterentwicklung des sehr grobschlächtigen Kampfsystems. Nach wie vor dreschen wir auf unsere Gegner ein, ohne dass es den ansonsten so filigranen und akrobatischen Bewegungsmustern der Spinne gerecht werden würde. Zwar tauchen im späteren Verlauf des Spiels immer wieder Gegner auf, die sich durch ein leicht verändertes Kampfverhalten auszeichnen, dennoch reicht es nicht aus, um der allseits empfundenen Enttäuschung etwas entgegenzusetzen. Im Großen und Ganzen gilt dies leider auch für die Duelle mit den schweren Jungs.

Du bist, was du trägst
Eine interessante Neuerung ist jedoch die Auswahl von verschiedenen Heldenoutfits. Sie verpassen unserem Protagonisten nicht nur ein neues Äußeres, vielmehr lassen sich dadurch die verschiedenen Fähigkeiten wie das Schleichen oder der Nahkampf aufwerten, um in den verschiedenen Situationen zu bestehen. Um die Garderobe zu wechseln bedarf es zwar stets einer lästigen Metrofahrt, in Anbetracht der Wirkung nimmt die Gruppe die Anreise dennoch gerne in Kauf. Ein weiterer Vorteil ist, dass mit jedem Level-Up die Skills der verschiedenen Anzüge zusätzlich mitsteigen, sodass der Machtzugewinn immer im Verhältnis zum tatsächlichen Spielstand steht.

Fazit:
"The Amazing Spider-Man 2" schafft es sich insgesamt besser zu behaupten als sein Vorgänger. Auch wenn wesentliche Kritikpunkte am ersten Teil nicht gänzlich berücksichtigt wurden, schaffen es die einzelnen neuen Spielelemente das Gesamtwerk aufzuwerten. Das frei begehbare beziehungsweise „beschwingbare“ Manhattan stellt nach wie vor einen wesentlichen Anreiz für die Spieletester dar. Da die einzelnen Teilbereiche des Spiels mehr für sich stehen anstatt ineinanderzugreifen, sank die Motivation im Spiel weiterzukommen gelegentlich auf ein Bummel-Niveau herab. Was kann man da schon anderes machen als die Seele, pardon, die Spinne einfach mal baumeln zu lassen?
Das Kampfsystem ist auch in diesem Teil eine herbe Enttäuschung. Das ewige Draufgehaue passt weder ästhetisch ins Bild, noch macht es bei einer verhältnismäßig kurzen Spielzeit von etwa 10 Stunden wirklich Spaß. Die Nebenmissionen in Spider-Mans Alltag erfahren eine Erweiterung, die einem unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad unterliegen. Dennoch drängt sich gelegentlich der Verdacht auf, dass diese nur dazu dienen, um die diffuse Kampagne noch ein wenig üppiger zu gestalten. Der Comicladen stellt mit seinen vielen Originalcomics und weiteren Mini-Games eine weitaus größere Bereicherung dar.
Somit kann abschließend zusammengefasst werden, dass sich der zweite Teil der "The Amazing Spider-Man"-Reihe ebenfalls an eingefleischte Fans richtet, die fernab von der Kinoleinwand ihr ganz eigenes Abenteuer spielerisch erleben wollen.

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Spieletester
Games4Kalk
Köln
Bewertung Spielspass