Anno Online

Genre
Onlinespiele
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2013.02
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Ein Klassiker in neuem Gewand
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Spielbeschreibung:
Das Strategiespiel "Anno Online" wurde erstmalig 2012 auf der GamesCom vorgestellt und gewann im Sommer 2014 den „Deutschen Computerspielpreis“ in der Kategorie Bestes Browsergame. Browsergames können Plattform-unabhängig gespielt werden, da eine Installation oft nicht notwendig ist - schnell können interessierte Spieler einsteigen und loslegen. Bei "Anno Online" können sich Spieler/-Innen mittels Facebook- oder Googlekonto anmelden, eine Spielwelt aussuchen und sofort spielen. Dabei bleibt das Spiel als „Free 2 Play“-Vertreter stets kostenfrei - zumindest, wenn man die Geduld dafür aufbringt.
Spielziel ist der langfristige Aufbau einer Siedlung bzw. Kolonie sowie einer funktionierenden Produktionskette. Zunächst fängt das Spiel auf einer Haupt-Insel an, auf welcher erste Grundlagen der Produktion und Besiedlung erlernt werden. Dabei mischt das Spiel verschiedene Spielelemente gekonnt miteinander, ohne jedoch jeweils zu sehr in die Tiefe zu gehen. So kann man zwar wie in einer Wirtschaftssimulation Waren produzieren und weiterverarbeiten, ein echtes Wirtschaftssystem mit dynamischen Preisen ist aber nicht vorhanden. Auch kann man sich Rollenspiel-typisch einen Avatar zusammenstellen, Aussehen und Kleidung bestimmen sowie Level-Aufstieg über das Sammeln von XP-Punkten erreichen, um weiterer Bestandteile des Spiels freizuschalten - echte Charaktereigenschaften oder Fähigkeiten entwickeln sich aber nicht. Auch Strategieelemente, wie z.B. der recht früh vorgestellte Kampf gegen Piraten, werden zwar angedeutet, wirken sich aber im laufenden Spiel kaum aus. Eine Story gibt es nicht, man folgt einer Reihe von Aufträgen und baut seine Siedlung weiter aus. Die Strategie erschöpft sich daher in der sinnvollen Ausrichtung von Produktionsketten und geplantem Aufbau der Siedlungen.

Pädagogische Beurteilung:
Kolonisierung in 1000 Schritten
Die Steuerung ist schnell erklärt und erlernt: so ziemlich alles geht mit der Maus. Klicken mit links aktiviert Funktionen, mit rechts wechselt man von der aktiven Auswahl in den Hauptbildschirm. Die Pfeil-Tasten oder die gedrückte rechte Maustaste werden für Scrollen/Panning auf der Landkarte benötigt, das Mausrad regelt den Zoom in die Landschaft.
So waren schnell die ersten Holzfäller gebaut, schnell ein paar Bauernhäuser gesetzt und der Grundstock für eine mächtige Siedlung war gelegt. Anschließend wurden Fischerhütte gebaut, damit die Bauern was zu kauen haben, weitere Produktionsbetriebe kamen dazu und nach einer Weile auch die ersten Verbesserungen für die eigene Siedlung. Denn Bauern - später Handwerker, Kaufleute oder Adlige - wollen versorgt sein: mit passender Infrastruktur wie Kapellen, Tavernen oder Waren wie z.B. Lebensmitteln, Kleidung und Luxusgütern. Und auch diese müssen erst einmal gebaut und produziert werden. Dabei hilft, dass "Anno Online" weitere Inhalte Schritt für Schritt über Aufträge erklärend einführt und so vermeidet, alle Möglichkeiten auf einmal anzubieten. So geht zumindest die Übersicht über aktuell notwendige Aufgaben nie verloren. Auch die Oberfläche ist gut gelungen, Funktionen sind übersichtlich strukturiert und die Symbole selbsterklärend. Viele Gebäude haben einen Einflussradius und dieser wird über einen gelbgrünen Bereich angezeigt. Geschickte Planung beim Aufbau ist im Spiel immer notwendig, um Einflusszonen so gut wie es gerade geht auszunutzen und um Produktionsabläufe schnell zu halten - besonders, da nicht großzügig geplant werden kann, denn die Insel ist nicht von Anfang an voll zugänglich.

„Gut Ding will Weile haben“
So liegt ein Aspekt des Spiels darin, mit dem auszukommen, was gerade möglich bzw. freigeschaltet ist. Zur Erforschung und Freischaltung weiterer Gebiete muss man zunächst Voraussetzungen erfüllen und danach festgelegte Kosten bezahlen. Erst dann kann die Siedlung erweitert oder können neue Rohstoffe genutzt werden. Es gibt dabei kleine, mittlere oder große Inseln mit verschiedenen Rohstoff-Vorkommen. Die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung dieser Inseln wird über den Bau von verschieden großen Schiffen geregelt.
Der Aufbau der Siedlung geht dennoch zunächst zügig voran. Das meiste lässt sich über die drei grundlegenden Ressourcen Gold, Stein oder Holz bauen oder upgraden - für die spezielleren Dinge werden Rubine fällig. Diese werden zum Teil auch bei Levelaufstiegen vergeben. Sind Bedürfnisse nach Waren und Infrastruktur der Bewohnerschaft erfüllt, dann wird ein möglicher Aufstieg in die nächste Stufe angezeigt. So werden aus Bauern nach Upgrade Handwerker, aus diesen Kaufleuten und zu guter Letzt Adlige. Und was wäre ein Kolonialreich ohne Marine. "Anno Online" bietet verschiedene Schiffstypen mit verschiedenen Funktionen und Stärken an, so z.B. Transport-, Schatzsuch- Handels- und Forscherschiffe.
Das Spiel hat seit Veröffentlichung auch ein paar neue Inhalte spendiert bekommen. Zu nennen wäre da die Hatz auf Piraten sowie der Bau von imposanten Monumenten. Ersteres wird über den Bau von Kriegsschiffen und deren Einsatz in Aufträgen gegen Piratenschiffe eingeführt. Im Kampf selbst lässt man die eigenen Schiffe gegen Gruppen von Piratenschiffen kämpfen und kann lediglich die Position der Aufstellung variieren. Taktik = Fehlanzeige! So laufen die Kämpfe in Runden nach dem „Stein-Schere-Papier“-Prinzip ab, gewonnen hat der, der mindestens noch ein Schiff hat, das noch nicht gesunken ist. Man muss aber zum Glück nicht zum Piratenjäger werden, denn dieser Aspekt des Spiels lässt sich bewusst ausblenden. Der Ausbau der Monumente hingegen kostet Unmengen an Zeit und Ressourcen verschiedenster Art. Außerdem müssen Bauteile in Monument-Ruinen oder bei Schatzsuchen gefunden bzw. in der eigenen Siedlung produziert werden bevor das Monument in die nächste Bauphase geht. Die verschiedenen Bauten wachsen mit der jeweiligen Bauphase mit und wurden mit Liebe zum Detail gestaltet.

Interaktion light
Interaktion ist nicht gerade die Stärke des Spiels. Was zunächst nicht negativ sein muss - "Anno Online" ist halt eher ein Spiel für Solisten. Die Frage blieb jedoch in der Gruppe: „Warum so und nicht anders?“ Oder: „Warum überhaupt wenn nur so halbherzig?“ Kurz zusammengefasst kann man sagen:

  • Man kann einer Gilde beitreten (Der Sinn dafür ist nicht ganz klar geworden).
  • Es gibt weder (Wett-)Kämpfe noch Eroberungen mit anderen Spieler/-Innen. Die Interaktion beschränkt sich auf das Anschauen anderer Siedlungen und minimale kooperative Elemente wie die Hilfeleistung durch Ressourcen-Übergabe oder Hilfe durch sogenannte „Buffs“.
  • Es kann ab einer bestimmten Anzahl von Kaufleuten in der eigenen Siedlung Handel betrieben werden. Die Frage bleibt: warum überhaupt? Und mit wem? (Die Preise der KI sind bei den sehnlichst benötigten aber nicht selbst produzierbaren Gütern Indigo und Gewürz stets günstiger).
  • Es gibt ein Chat-Fenster (welches sich aber zum Glück minimieren lässt).
  • Man hat die Wahl der Spielwelt (Auch hier: der Sinn dafür ist nicht ganz klar geworden, da keine direkte Interaktion möglich).

Puh, das dauert aber! Zumindest kostet es ja nix…
Tatsächlich läuft das Spiel gemächlich und aufregungsfrei seinen Gang. Fast schon von selbst regeln sich sehr viele Sachen und neue Elemente werden nur schrittweise eingeführt. "Anno Online" kostet jedoch viel Zeit, weil die Produktion von Gütern und der Aufbau von Infrastruktur Echtzeit kostet. Das heißt, das Spiel läuft auch weiter, wenn man gerade nicht online spielt. Was sich zunächst nach einem Vorteil anhört, wird im Spiel oft genug und schnell zur Last. Es ergeben sich nämlich recht schnell sogenannte „Bottlenecks“, d.h. Versorgungsengpässe bei bestimmten Ressourcen und Wartezeiten beim notwendigen Auf- und Ausbau von Gebäuden oder der Erforschung weiterer Territorien, um überhaupt Platz zu haben, diese zu errichten.
Womit man zu einem zentralen Punkt vieler sogenannter „Free 2 Play“-Spiele käme. Denn diese sind zwar, wie der Begriff selber schon sagt, grundsätzlich kostenfrei zu spielen, aber allzu oft werden künstliche Engpässe erzeugt oder Spielelemente eingebaut, die auf ein zentrales Manko für den Spieler/die Spielerin hinauslaufen: Zeit ist Geld! So gibt es auch bei "Anno Online" eine „Super-Ressource“, welche hilft, Wartezeit abzukürzen, Spiel-Hindernisse zu umgehen oder schicke oder hilfreiche zusätzliche Inhalte zu kaufen: Rubine! Diese können gegen echte Euros im Ingame-Shop gekauft werden - Mengen-Rabatt inklusive. An Hinweisen zur Nutzung dieser Rubine als „Medizin bei Geduldsproblemen“ im Spiel mangelt es nicht: fast alles kann beschleunigt oder erkauft werden, sollte es mal zu Engpässen kommen oder zu lang dauern.

Und macht das Spaß?
Die Spielwelt wirkt stimmig und lebendig. Warenträger und Passanten laufen über die Wege der wachsenden Metropole, Tiere streunen durch den Wald, Wellen schlagen ans Ufer. In den Siedlungen herrscht lebendige Betriebsamkeit, in der Natur idyllische Ruhe. Abstriche muss man aber auch hier machen, denn "Anno Online" sieht einfach wirklich gut aus, beansprucht den Rechner bei maximalen Einstellungen aber doch ganz ordentlich. Der Detailreichtum kann zwar sinnigerweise in den Einstellungen runtergestellt werden, dies hat aber nur geringe Auswirkungen, denn selbst auf guten Mittelklasse-PCs ruckelt es mit fortschreitendem Spiel und immer größer werdenden Siedlungen daher auch immer mehr.
"Anno Online" führt seine Spieler/-Innen langsam und behutsam in den beachtlichen Umfang seiner Spielwelt ein und spielt sich einsteigerfreundlich. Dies hat aber nicht nur Gutes an sich: Es spielt sich nämlich nicht nur einfach, sondern wie in Zeitlupe - man kann anfangs schon einige Stunden Spielzeit investieren und sich dennoch nicht dem Gefühl erwehren, sich immer noch in einem sehr umfangreichen Tutorial zu befinden.
Der Aufbau der Siedlungen und Warenproduktion macht Spaß. Aber diese „Tutorial“-mäßige, künstlich gering gehaltene Spielgeschwindigkeit sowie der latente Zwang zum Kaufen von Ressourcen für die Verkürzung von Wartezeiten wirken störend. Man kann nicht lange spielen, bevor die grundlegenden Ressourcen „Holz“, „Stein“, „Gold“ und später „Werkzeug“ nach ein paar zwingend erforderlichen Ausgaben (um z.B. aktuelle Aufgaben zu erfüllen), meist direkt verbraucht sind. Die Reichweite der angesparten Ressourcen ist sehr begrenzt, ein bis zwei Neu- oder Ausbauten, dann war’s das wieder an Spielerfahrung für den Rest des Tages. Da helfen selbst die regelmäßigen auftauchenden blauen Schatz-Popups nicht, welche geringe Mengen Holz, Stein oder Werkzeug sowie XP-Punkte aufs Konto schaufeln.
Das Spiel verläuft sehr gleichförmig und ohne große Überraschungen, es erwartet vom Spieler keine besondere Aufmerksamkeit und Reaktion auf Ereignisse wie bei vielen anderen Online-Browsergames mit Community. Insbesondere auch, weil weder direkte Interaktion mit Mitspieler/-Innen auf derselben Spielwelt noch (Wett-)Kämpfe möglich sind. Lediglich ein Check der eingelagerten Ressourcen und Feintuning der Produktionsketten ist ab und zu nötig - aber bei Engpässen ergeben sich dennoch keine akuten kritischen Probleme.
Da das Spiel unabhängig von der Wahl der Spielwelt zudem noch für alle gleich auf derselben Hauptinsel mit denselben Vorbedingungen startet und eine Spezialisierung kaum möglich ist, liefert "Anno Online" eine sehr lineare Spielerfahrung durch Mangel an Alternativen. Eigene Entscheidungen über Strategie und über ein „wann & wie“ der Erforschung und Kolonisierung sind nur begrenzt möglich. Das Testen in unserer Gruppe gestaltete sich daher teils recht schwierig, da nach einer Weile alle verschieden weit waren - es ergab sich somit keine gemeinsame Spielerfahrung.

„Free 2 Play“
Man muss nicht, kann aber! Das Motto der „Free 2 Play“ Spiele lockt Spieler/-Innen an. Mal kurz ein Game für zwischendurch zocken, aber möglichst nix dafür ausgeben. Man kann sogar mittlerweile Gutscheine erwerben, z.B. als Geschenk bei Gamestop, Mediamarkt oder Saturn.
Wer Zeit oder Geduld mitbringt, den belohnt ein Spiel wie "Anno Online" mit durchdachtem Spielaufbau, schicker Grafik und Langzeitbeschäftigung. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wer diese nicht abkann, den mag das Spiel schnell langweilen, insbesondere da interaktive Elemente kaum vorhanden sind. Dafür kann man das Spiel spontan und ohne Druck spielen, immer im Wissen, dass die Spielwelt in Abwesenheit schon dafür sorgt, dass sich Rohstoffe und Güter am Ende eines Tages wieder angefüllt haben. Also ein ideales Spiel für Gelegenheitsspieler/-Innen, welche diszipliniert und geduldig genug sind, kein Echtgeld für Zeitvorteile zu investieren.

Fazit:
"Anno Online" ist nicht nur für Fans der Serie ein interessanter Zeitvertreib. Im Spiel sieht man überall die Liebe zum Detail, denn wirklich gut sieht das aus und macht auch viel Spaß. Zumindest, wenn man sich darauf einlassen kann, lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Der Aufbau und die permanente Optimierung der Siedlung sowie das Freischalten neuer Spielelemente sind sehr motivierende Aspekte. Einmal im Internet gesucht, wird man zahllose Beispiele finden, wie eigene Siedlungen optimal ausgerichtet werden und maximale Einwohnerzahlen zu erreichen sind. Man sollte jedoch diszipliniert im Umgang mit seinem „Taschengeld“ sein, um nicht der Versuchung zu verfallen, teure Euros für den Erwerb von virtueller Verschönerung, Verbesserung oder Beschleunigung des Spiels zu erkaufen. Denn jeder Winkel des Spiels riecht sehr nach künstlicher Verlangsamung, um jungen Spieler/-Innen das Geld aus der Tasche zu locken.
Gewalt ist in "Anno Online" kein Thema. Abseits der optionalen Scharmützel gegen Piraten sind Kämpfe oder Eroberungen nicht vorgesehen. Interaktion mit anderen Spieler/-Innen findet nur über Hilfeleistung statt. Der Spielfluss ist langsam und beruhigend. Aufregende Elemente findet man so gut wie gar nicht. Man muss nicht „schnell noch eben auf dies und jenes reagieren“, sondern kann sich Zeit nehmen. Morgens mal reinschauen und abends nochmal, um schnell noch was zu bauen, macht "Anno Online" dennoch zu einiger täglichen Beschäftigung. Diese Kontinuität der Aufmerksamt durch die Spieler/-Innen wird auch vom Spiel selber mit besonderen Gütern „belohnt“. 
Um zu spielen muss man sich über Google oder Facebook einloggen, ein „Ausloggen“-Button auf dem Spielbildschirm wurde von der Testergruppe aber nicht entdeckt. Man muss schon im Browser eine Seite zurückgehen, um sich abzumelden, bleibt aber nach wie vor in Google etc. eingeloggt, wenn man nicht daran denkt. Gerade für jüngerer Spieler/-Innen und vor allem an öffentlichen PCs (Schule, Internetshop) ist dies als problematisch zu betrachten.
Für jüngere Spieler erscheinen der Aufbau und die Spieloberfläche zu kompliziert, gerade da gute Lesekenntnisse vorausgesetzt werden. Einiges wird selbst im sehr langen Tutorial nicht erklärt, was für Fragezeichen über den Köpfen der Spieletester sorgte. Da Emailkonten wie Googlemail oder auch Facebook eine offizielle Mindestaltersgrenze von 13 Jahren für die Nutzung ihrer Dienste vorgeben, bedarf die Einrichtung eines Facebook- oder Googlekontos also im Regelfall der Zustimmung eines Erziehungsberechtigten.