The Witcher 3: Wild Hunt

Genre
Rollenspiele
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Bandai Namco Entertainment
Erscheinungsjahr
2015.05
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Detailiert ausgearbeitetes Rollenspiel, das kritische Faktoren explizit inszeniert
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Erwachsene
Sprache
Grafik
realistisch, 3D
Sound

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Mehrspielermodus
Spielforderungen
Zusatzkosten
Problematische Aspekte
Redaktion
Alexander Hundenborn
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Ein Land, von Krieg gebeutelt und in Hunger und Armut versinkend, reiche Fürsten und Könige, die mit allen Mitteln ihre Macht und Stellung verteidigen und ein Held, der sich auf der Suche nach seiner Ziehtochter durch die Irrungen und Wirrungen einer mittelalterlichen Welt kämpfen muss. Zunächst klingt diese Beschreibung nach einer typischen Fantasygeschichte, die aus Romanen bekannt zu sein scheint. Beim vorerst letzten Teil der Hexer-Spielereihe trifft diese Beschreibung auch zu, da die polnische Originalvorlage von Andréj Sapkowski eine Reihe von Kurzgeschichten und Romanen über die Heldengeschichten und Monsterjagden des Hexers Geralt von Rivia enthält.
"The Witcher 3: Wild Hunt" inszeniert die aus den Romanen bekannten Geschichten als Rollenspiel mit einer spannenden Haupthandlung und nicht minder interessanten Nebenhandlungen. Charaktere wie der Blutigen Baron, der Bettlerkönig und die verfeindeten Parteien der nördlichen Königreiche und dem Kaiserreich Nilfgaard sowie die Rahmenhandlung, dass ein Heer von Geisterreitern die Ziehtochter des Protagonisten jagen, schaffen eine fesselnde Atmosphäre und bleiben in Erinnerung. Grafisch opulent dargestellte Landschaften mit wehenden Gräsern und wankenden Bäumen bringen viele Computer und auch die aktuellen Konsolen an ihre hardwareseitigen Grenzen. Jedoch verhilft die detailreiche Darstellung eine glaubwürdige Spielwelt zu erschaffen.

Pädaogische Beurteilung:
Als Hexer kommt selten Langeweile auf
Der Protagonist Geralt von Riva, von Beruf Hexer und Monsterjäger, bereist auf seiner Reise die drei großen Gebiete Weißgarten, Velen und Skellige im Land Temerien. Hier begegnen ihm vielerlei Monster, Deserteure, Banditen, Könige, Magierinnen, Kräuterkundler, Geister und nicht zuletzt auch die düsteren Ritter der Wilden Jagd. Das namensgebende Heer der Wilden Jagd ist ein alter europäischer Mythos einer berittenen Ritterschaft, die eine Waldfrau jagt. Hier ergeben sich die Parallelen zum Spiel. Die Wilde Jagd ist auf der Suche nach Cirilla Riannon (im Spiel Ciri genannt), die in der Buchvorlage eine halsbrecherische Vergangenheit hinter sich hat. Im Spiel jedoch wird hiervon wenig dargestellt. Ciris Wege durch Velen, die große Stadt Novigrad und die Skellige Inseln werden durch erstmals spielbare Kapitel in die Haupthandlung mit eingeflochten. Somit werden die Passagen, in welchen der Protagonist Informationen für seine Suche erhält, nicht nur durch bloße Filmsequenzen präsentiert, sondern der/ die Spieler/in erhält die Möglichkeit, diese selbst spielend zu erleben.

Viele Nebenaufgaben und schwierige Entscheidungen
"The Witcher 3: Wild Hunt" ist geprägt durch seine offene Spielwelt. Wenn der/ die Spielende einer Aufgabe nachgeht, warten auf dem Weg gleichzeitig viele neue Aufgaben. Die Aufträge holt sich Geralt an Anschlagbrettern in nahezu jedem Dorf. Hier können die Bewohner oder auch Soldaten Monsterjagden, Schatzsuchen oder kleinere Nebenaufgaben in Form von Zetteln angepinnt haben. Diese Aufgaben sind fast durchweg mit durchdachten Geschichten verbunden und verweisen andere Genre-Vertreter, die die Nebenaufgaben als eintönige Sammelaktion von Wolfspelzen usw. konstruieren, auf die Ersatzbank.
Zudem werden dem Spieler immer wieder Entscheidungen abverlangt, die zwar nicht immer eine direkte, aber im weiteren Verlauf eine deutliche Auswirkung auf den Spielverlauf haben. Beispielsweise wird der Hexer in einer Schänke an einer Wegkreuzung von Soldaten angegangen. Man hat nun die Wahl, die Situation durch einen Kampf oder Überredungskünste zu lösen. Je nach Lösungsansatz wird der Hexer nicht sofort zum Blutigen Baron durchgelassen und muss einen versteckten Eingang nutzen. Solche Entscheidungsmöglichkeiten, die zunächst nicht offensichtlich ihre Auswirkungen für den späteren Spielverlauf offenlegen, bieten eine besondere Spannung. Die Spieler befinden sich immer im Konflikt zwischen eher gutmütigen oder harten Entscheidungen. Der Ausgang für die Handlung bleibt ungewiss. So kann es vorkommen, dass ganze Questreihen durch eine einzige Entscheidung wegfallen können.
Die ungefähr 50 Stunden andauernde Haupthandlung wird durch die spannenden Nebenaufgaben mit ungefähr 100 Stunden Spielzeit erweitert. Durch 16 weitere kostenlose Zusatzinhalte werden neue optische Anpassungsmöglichkeiten von Charakteren und bislang zusätzliche Nebenaufgaben hinzugefügt. Es werden jedoch auch kostenpflichtige Zusatzinhalte käuflich zu erwerben sein, die das Spiel um jeweils 10-20 Stunden und eine neue Region erweitern.

Monsterjagden sind nichts für Kinder...
Wie schon angedeutet ist der Titel ausschließlich als Erwachsenenunterhaltung zu bezeichnen. Die Charaktere und die Kommunikation untereinander ist durchweg von einem rauen Ton gezeichnet. So wird man als Mutant betitelt, der sich je nach Landstrich “verpissen” soll und hier nichts zu suchen hat. An solchen beiläufigen Anfeindungen von Spielfiguren am Wegesrand wird die Ablehnung von sogenannten “Anderlingen”, also Elfen, Zwerge, Hexer, Magier usw., deutlich. Im Krieg zwischen Nilfgaard und König Radovid werden magische und nicht menschliche Wesen höchstens geduldet, bis hin dazu, dass Sie von Hexenjägern und einer religiösen Vereinigung “Das Ewige Feuer” gejagt und getötet werden.
Da als Monsterjäger nicht wenig gekämpft wird, ist der Gewaltgrad des Spiels besonders hoch. Die Gewalt ist in den Kontext der Spielwelt eingebettet, jedoch tauchen in Darstellung der sogenannten “Finishing-Moves” Enthauptungen oder Spaltungen der Gegner in Zeitlupe mit viel spritzendem Blut auf. Einige Hexer-Aufträge, die sich häufig um verschwundene NPCs (nicht spielbare Charaktere) drehen, sind geprägt durch Spurensuchen, auf welchen man nicht selten auf zerfledderte Leichen trifft. Die Darstellung von Tod und Mord ist in "The Witcher 3" allgegenwärtig. Erhängte Deserteure oder ehemalige Kriegsgefangene baumeln grausam, aber stimmungsvoll von Bäumen oder stecken auf Pfählen entlang des Weges und auch die einsamen Schauplätze verschiedener Schlachten zeugen von der Grausamkeit des Kriegs. Die bedrückende Stimmung kann durch viele Beispiele verdeutlicht werden: Hexenverbrennungen werden in einer Zwischensequenz vollständig dargestellt, hungernde Bauern und Kriegsflüchtlinge scharen sich an den Toren der Hauptstadt Novigrad und die vordergründig räuberischen Banditen sichern mit ihren Raubzügen das Überleben ihrer Familien. Die Darstellung von Gegnern, wie Monstern, Geistern oder Dämonen, muss sich nicht hinter Horrorspielen verstecken. Selbst kleinere Gegner, wie Ertrunkene oder Nekker, werden mit angsteinflößenden Geräuschen untermalt, so dass auch hier kurze Schreckensmomente aufkommen können.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt…
Dass "The Witcher 3: Wild Hunt" durch seine eindrucksvolle Grafik, spannende Handlungen und interessanten Charaktere sowie eine scheinbar endlose Welt ein unterhaltsames Spiel ist, da bleibt wenig Zweifel. Jedoch kann man auch einige Kritikpunkte anführen. Die Darstellung und Entwicklung des Hexers kann der Spieler durch die Entscheidungsfreiheit ein wenig beeinflussen, die grundsätzliche Übermacht Geralts ist jedoch unbestritten und bekommt an einigen Stellen unsinnige Kratzer. Das Stehlen von Gegenständen wird nicht bestraft, solange es keine Wachen mitbekommen. Wenn diese den Hexer dabei jedoch erwischen, wird man ohne Alternative in einen Kampf verwickelt, den Geralt nur selten überleben kann, da die Wachen viel stärker sind. Jegliche Monster, seien sie noch so groß, mächtig und verzaubert oder verflucht, stellen für den Hexer selten ein Problem dar. Ein Paar Burgwachen werden jedoch schnell zum Verhängnis, wenn man mal einen Apfel oder eine Wasserflasche mitgehen lässt. Hier ist die Kontiunität nicht zu jederzeit gegeben. Ebenso bei den Kämpfen mit Monstern. Diese sind in manchen Nebenquests deutlich stärker als ihre Kollegen in der Haupthandlung.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die, auch in der Fachpresse seit einigen Monaten diskutierte, Darstellung von Frauen im Videospiel. Die Videospielreihe um den Hexer ist seit dem ersten Spiel geprägt von einer expliziten Darstellung sexueller Handlungen. Auch der letzte Teil ändert daran wenig. Die Protagonistin Ciri wird durchweg mit offener Bluse dargestellt, viele der weiblichen Charaktere der Haupthandlung bieten je nach vorherigen Entscheidungen die Möglichkeit zumindest einmal einem Tête-á-Tête nachzugehen und auch die grundsätzliche Entscheidung Frauen offenherzig und wenig different darzustellen, ist keine zeitgemäße Darstellung. So finden sich weniger alte Frauen als alte Männer in der Spielwelt und auch die Differenz der Körperformen ist bei den männlichen Spielfiguren deutlich variabler als bei den weiblichen Spielfiguren.

Fazit:
Das Rollenspiel schafft ein nahezu glaubwürdiges Spielerlebnis. Da die Vorlage und das grundsätzlich gedankliche Vorbild des mitteleuropäischen Mittelalters von Gewalt, Krieg, Verfolgung von Minderheiten, Prostitution und ominösen Sekten geprägt ist, finden sich viele dieser Themen auch im Videospiel wieder. Die Darstellung ist selten kritisch und als Unterhaltung für Erwachsene anzusehen.
Trotz Kontextualisierung von Sex und Gewalt sind die gezeigten Bilder nicht für Minderjährige geeignet. Die sehr expliziten Darstellungen von Blut, Zerstückelung, Folter und Ähnlichem sind nicht nur Teil passiver Zwischensequenzen, sondern ein Kernelement des Gameplays. Weiterhin herrscht ein sehr rauer sprachlicher Umgang zwischen den Charakteren. Dieser ist geprägt von (Fantasy)Rassismus und vulgärer Sprache. Einprägsame Hexenverbrennungen sowie durchaus deviante Sexpraktiken könnten verstörend wirken.
Insgesamt ist der "The Witcher 3: Wild Hunt" ein sehr detailiert ausgearbeiteter Titel, der teilweise sehr fordernd ist. Die schönen Grafiken und die spannende Geschichten bieten kurzweilige Unterhaltung, jedoch nur für Erwachsene.