The Order 1886

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Sony Computer Entertainment
Erscheinungsjahr
2015.02
Systeme
Playstation 4
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Hübscher, aber nicht sehr tiefgehender Third-Person-Shooter
Redaktion
Kevin Huynh
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
"The Order 1886" ist ein Third-Person-Shooter, der ganz im Stile eines Hollywoodfilms inszeniert ist. Pflicht, Ehre, Liebe, Mord, Verrat und Rache sind Motive des Protagonisten und natürlich wird die Menschheit von einem übernatürlichen Bösen bedroht.
Spielort ist ein fiktives London im Jahre 1886. Als müder Ritter eines uralten Ordens muss der Spieler das Böse - in Form von Werwölfen und Vampiren - niederschlagen. Gleichzeitig bedroht ein Aufstand des Proletariats die Ordnung Londons. Ob allein die Industrialisierung und die immer größer werdende Schlucht zwischen Arm und Reich daran schuld sind oder doch viel mehr dahinter steckt, gilt es herauszufinden.

Pädagogische Beurteilung:
Historizität: Was sind tatsächliche Fakten?
Das Spiel findet in einem alternativen London des späten 19. Jahrhunderts statt. Realhistorische Elemente wie der „Stromkrieg“ (Gleichspannung vs. Wechselspannung) und die Morde von Jack the Ripper begleiten das Spielgeschehen und ziehen Parallelen zum realen London von 1886. Neben zahlreichen Erwähnungen durch Dialoge geben fiktive Zeitungsartikel einen historischen Kontext. Orte wie der Glaspalast im Hyde Park, Westminster und die typischen Londoner Underground Schächte sind Spielorte des Geschehens. 
Doch erwartet den Spieler auch die ein oder andere Veränderung: Zum Beispiel fliegen ca. 30 Jahre vor ihrer Erfindung Zeppeline über London und vollautomatische tragbare Schusswaffen sind bereits ca. 50 Jahre vor ihrer eigentlichen Etablierung weitgehend verbreitet. In der Regel versucht der Spieler sich mit diesen und weitaus futuristischeren Waffen durch eine Meute von Rebellen und (gelegentlich) Monstern zu kämpfen. Friedliche Optionen gibt es keine, denn für die „Order of her Majesty“ gilt nur eines: Das englische Imperium zu schützen. Kollateralschaden ist nicht zu vermeiden, sondern wird erwartet.
Ein zusätzlicher mystischer Hintergrund wird durch die Anlehnung an die Artussage geliefert, welche als Namensgeber für die Protagonisten agiert, wie beispielsweise Galahad, Igraine und Perceval. Mit Hilfe des heiligen Grals führt der von König Artus gegründete Orden seit Jahrhunderten einen unerbittlichen Krieg gegen sogenannte „Halbblüter“. Der Krieg scheint stillzustehen, gar verloren. Dies ändert sich mit der industriellen Revolution und den damit einhergehenden technischen Entwicklungen. Neue und weitaus effizientere Methoden der systematischen Jagd nach Halbblütern wurden möglich, sodass sich das Blatt wenden soll. In dieser sozial und politisch unruhigen Zeit übernimmt der Spieler die Rolle des Sir Galahad, welcher sich dieser neuen Probleme und der Bedrohung durch die Halbblüter stellen muss.

Spielerische Einbindung
Auffällig ist die sehr eingängige Steuerung, die sich an den beliebten Third-Person-Shooter-Spielen von vor etwa fünf Jahren orientiert, wodurch der geübte Spieler keinerlei Schwierigkeiten hat, sich zurechtzufinden. Zum größten Teil bewegen sich der Protagonist und seine Kumpanen durch sehr gradlinige Level, in denen es nur wenig zu entdecken gibt. Eindeutiger Fokus liegt auf der beworbenen cineastischen Story. Neben einigen Dialogen in den Spielphasen gibt es viele Zwischensequenzen, welche die Handlung vorantreiben. Nicht selten wird der Spieler mit Quick-Time-Events (Situationen, in denen der Spieler zeitnah auf bestimmte Befehle reagieren und entsprechende Tasten drücken muss) in diese integriert. Ein Nichtbestehen dieser führt aber zu einem sofortigen Spielende.
Insgesamt zeichnet sich das Spiel durch einen Mangel an Entscheidungsmöglichkeiten aus. Die Gegner müssen getötet werden, um den Fortschritt der Handlung zu ermöglichen. Der Spieler wird durch die kreative Gestaltung der Waffen dazu motiviert, neuartige Kampfgeräte zu erproben. Der enorme Munitionsüberschuss und die simple Intelligenz der Gegner führen allerdings dazu, dass das Spiel sogar auf höchstem Schwierigkeitsgrad nicht sehr fordernd ist.

Faszinationskraft von Mythen und Legende
Trotz des gewöhnlichen Spielprinzips fesselt das Spiel durch die Einbindung der mythischen Elemente: Was sind die Halbblüter, woher kommen sie und was wollen sie? Und was haben die Ritter des Ordens mit all dem zu tun? Wer sind die anderen Ritter eigentlich?
Wider des Alters dieser Artusgeschichten und dessen unendlichen Rezipierens in anderen Medien, kommt eine kindliche Neugier auf. Diese führt dazu, sich wieder mit den Rittern der Tafelrunde und der Suche nach dem heiligen Gral auseinanderzusetzen zu wollen. Leider liefert der etwa 6-8 stündige Titel nicht sehr viele Antworten und wirkt dadurch unvollständig, sodass die Neugier leider nicht belohnt wird.

Fazit:
Der grafisch sehr ansprechende Titel entpuppt sich als ein sehr cineastisches Spiel, welches jedem Hollywood-Filmfan gefallen könnte. Es sei jedoch darauf hinzuweisen, dass es ohne Multiplayer Modus oder Wahlmöglichkeiten in der Story kaum einen Wiederspielwert gibt, da die Geschichte in sich selbst nicht sehr ausgereift wirkt.
Die extrem plastischen Gewaltdarstellungen, im Besonderen die Folterszenen (z.B. Waterboarding), machen das Spiel für Kinder und Jugendliche ungeeignet. Erwachsene, die ein cineastisches Spielerlebnis suchen, können an "The Order 1886" aber ihre Freude haben.