Data Dealer

Genre
Simulation
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Cuteacute
Erscheinungsjahr
2013.12
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Satire-Game, um das Bewusstsein für Internetsicherheit & Datenmissbrauch zu schärfen
Redaktion
Milena Remus
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Ein Onlinespiel, das sich gesellschaftskritisch mit Fragen der Internetsicherheit und dem Schutz persönlicher Daten im Netz auseinandersetzt - gibt es nicht? Gibt es doch! Das bissig-ironische Spiel über Privatsphäre und Überwachung im Word Wide Web macht auf die zahlreichen Tricks und Kniffe der Datenerfassung und -speicherung großer Internet-Konzerne aufmerksam. Dies geschieht, indem die Spieler selbst in die Rolle von skrupellosen Daten-Dieben und -Händlern schlüpfen, suspekte Online-Plattformen wie ‚Smoogle‘ oder ‚Tracebook‘ sowie Gewinnspiel- oder Partnerbörsen betreiben und selbstverständlich all die so gesammelten intimen Daten an Personalabteilungen, Versicherungen oder staatliche Behörden weiterverkaufen. Der Spieler kann sich in "Data Dealer" nicht nur durch eine Welt von dubiosen Kontakten auf dem kommerziellen Daten-Schwarzmarkt klicken und so sein Imperium levelweise aufbauen, sondern profitiert ebenso von einem geschärften Bewusstsein für Datenhandel und Datenschutz im realen Lebensalltag.
Charakteristisch für die spielerische Wirtschaftssimulation sind dabei der lineare Ablauf und die narrativen Kontexte, in die man durch die Vorstellung verschiedener Kontaktfiguren und deren Lebenshintergründe eingesponnen wird. Die ironisch überzeichneten Charaktere, die buchstäblich mit Spielgeld ‚gefüttert‘ werden müssen, um für den Spieler als Firmenboss kontinuierlich private Datenprofile und nützliche Informationen ‚auszuspucken‘, dienen dabei mit als größter Spaßfaktor. Das konkrete Ziel des Onlinespiels besteht neben dem Aufbau eines mächtigen Internetkonzerns mithilfe (il)legaler Datensammlung darin, die konzerneigene Datenbank stetig zu erweitern. Durch das Abarbeiten verschiedener Missionen, die es mithilfe diverser Investitionen und Werbestrategien zu erfüllen gilt, erhält der Spieler Belohnungen in Form von virtuellem Geld, Erfahrungspunkten (XP) und Energie für weitere Aktionen.

Pädagogische Beurteilung:
Aktuelle Thematik
Das Spannendste an "Data Dealer" ist die satirische Heranführung der Spieler an leider äußerst aktuelle und auch lebensnahe Internetphänomene, wie den kommerziellen Datenmissbrauch und -handel, allgemeine Sicherheitslücken im Datenschutz sowie versteckte Überwachungsprogramme in sozialen Netzwerken. Auf sarkastisch-ironische Weise und mithilfe von Anspielungen auf aktuelle Ereignisse und reale Internetplattformen - wie ‚Tracebook‘, ‚Smoogle‘ oder die politische Affäre um Edward Snowden - verfolgen die Spielemacher die Intention, Jugendlichen über die präsenten Risiken und Konsequenzen der Preisgabe persönlicher Daten im Netz aufzuklären.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass all die kostenlosen Internet-Dienste eben nicht wirklich umsonst sind, denn meistens bezahlen wir mit unseren Daten, welche durch Datenspeicherung, -verknüpfung und -verkauf, kurz Data-Mining, unbemerkt zu vollständigen Persönlichkeitsprofilen erweitert werden. Indem der Spieler selbst die Rolle eines profitorientierten und rücksichtlosen Konzernführers übernimmt, wird er praxisnah an das stark diskutierte Thema des Datenschutzes herangeführt, aufgrund dessen dem unkommerziellen Crowdfunding-Spiel auch der ‚Games for Change Award‘ in der Rubrik ‚Most Significant Impact Game‘ verliehen wurde.

Leichter Einstieg
Die Steuerung des comichaften Browser-Games ist sehr simpel gehalten und auf bloße Maussteuerung beschränkt. Die Anforderungen an den Spieler sind daher relativ gering gehalten, wenn auch bereits im anfänglichen Tutorial auffällt, dass viele Erklärungen und Handlungsanweisung in Form eines Textdialogs gelesen werden müssen. Der durchaus leichte und begleitete Einstieg in "Data Dealer" fordert demnach die Lesekompetenz der Spieler. Damit das strategische Planen von Projektinvestitionen, Werbe-Kampagnen, Teamerweiterungen, Imageverbesserungen und der Ausbau eigener Einnahmekonzepte gelingt, muss sich der Spieler sowohl in seiner Geduld und Frustrationstoleranz als auch in seinem logischen Denken und seiner Kombinationsgabe erproben. Nach Ausführung bestimmter Aktionen oder Aufträge gibt es nämlich stets wachsende Wartezeiten (zu Beginn nur wenige Minuten, mit ansteigendem Level bis hin zu mehreren Stunden), bevor die nächste Aktion gestartet werden kann. Zudem muss taktisch klug mit Geldmitteln gehaushaltet werden, um in möglichst kurzer Zeit erdenklich großen Einfluss auf dem Daten-Schwarzmarkt zu erlangen.

Weitere Inhalte
Die bis dato erschiene Beta-Version enthält weder eine Hintergrundgeschichte noch einen Mehrspielermodus oder Soundfunktionen. Laut dem Produzententeam sind diese Funktionen jedoch bereits in Arbeit. Eine automatische Speicherfunktion und ein individualisierter Login sind dagegen im Vergleich zur ersten Demo-Version bereits vorhanden. Die grafische Umsetzung des Spiels liefert nicht nur cartoonhafte, satirisch überzeichnete Spielfiguren, sondern auch eine klare Übersicht und Orientierung der diversen Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten. Die Anordnung und Verschiebung der Spielsymbole sind jedoch freigestellt und können individuell angepasst werden. Aufgrund des unkommerziellen Produktionshintergrund des Crowndfunding-Spiels wird jedem Einzelnen ermöglicht, sich der strategischen Herausforderung kostenfrei zu stellen. Einzige Voraussetzung dafür: Ein funktionstüchtiger Internetzugang sowie das Interesse, einmal die Seiten zu wechseln und selbst aus Millionen von Daten Bares zu machen.

Abwechslung wird vermisst
Trotz der spieleigenen Aufklärungsintention ist eine widersprüchliche Anmeldepflicht für die Beta-Version erforderlich. Email- und Passwortangabe sind Voraussetzung für den Spielstart. Des Weiteren ist der wiederkehrende ordinäre Sprachgebrauch, der bereits im Untertitel „Legal, illegal, scheißegal!“ durchschimmert, nur für Kinder und Jugendliche geeignet, die in der Lage sind, die angestrebte Satire des deutschen, datenbasierten Wirtschaftssystems ausreichend zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen.
Nachdem sich die Spieler in die Steuerung sowie Aufgaben eingefunden haben, gibt es nur noch wenig thematische und spielerische Abwechslung. Dies kann schnell zu Eintönigkeit innerhalb der Spielroutine führen und Langeweile begünstigen. Zwar wird jeder Spieler in seiner eigenen Spielgeschwindigkeit und -intensität entsprechend an Themen rund um individualisierte Risiken, Kontrollverluste persönlicher Daten oder Verletzung der Privatsphäre aufgrund von Werbeinteressen herangeführt; das auf längere Zeit hin ausgelegte Spielerlebnis bleibt jedoch aufgrund ähnlicher Features und sich wiederholender Missionen auf demselben Level narrativer Spielanforderungen.

Fazit:
Will man Jugendliche oder auch Erwachsene auf ironisch-satirische Art und Weise auf die meist unbekannten, ökonomischen Machenschaften großer Werbe- und Internetunternehmen aufmerksam machen sowie über deren Intentionen aufklären, ist man bei "Data Dealer" genau richtig. In der Rolle eines skrupellosen Datendiebs und Firmenchefs gilt es nicht nur sein Kalkulationstalent sowie seine Geduld- und Koordinationsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Der Spieler wird zugleich für den eigenen Datenschutz im Netz sensibilisiert - ganz gleich ob Social Media Plattformen, Anmeldungen für Online-Dienste, Gewinnspiel- oder Partnerbörsen. Allerdings sind die Spielmechaniken nicht sehr abwechslungsreich und auch die Missionen wiederholen sich mit fortlaufender Spielzeit. Die etwas andere Wirtschaftssimulation fordert ein gewisses Maß an mentaler Reife, um die skurrilen Charaktere und satirischen Anspielungen auf aktuelle Ereignisse zu durchschauen und nicht allzu ernst zu nehmen.