Fallout 4

Genre
Rollenspiele
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Bethesda
Erscheinungsjahr
2015.11
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Gewalthaltiges, dreidimensionales, umfangreiches Endzeit-Rollenspiel
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Erwachsene
Sprache
deutsch, viel Text, Dialoge vertont
Grafik
realistisch, 3D, detailreich
Sound
stimmungsvoll

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Spielfigur kann individuell gestaltet werden, Geschlecht wählbar
Mehrspielermodus
nein
Spielforderungen
Taktik, Zeit, Reaktion
Zusatzkosten
nein
Problematische Aspekte
explizite Gewaltdarstellung, moralisch fragwürdige Handlungen möglich
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4Screenshot 5Screenshot 6Screenshot 7

Spielbeschreibung:
Wie bereits bei den Vorgängerteilen handelt es sich hierbei um ein umfangreiches, endzeitliches Rollenspielabenteuer mit einer freiheitlichen Gestaltung und zahlreichen Erkundungsreizen.
Das Spiel beginnt im Oktober des Jahres 2077. Die wahlweise männliche oder weibliche Hauptfigur lebt mit der Familie in einem hübschen Einfamilienhaus in einem Vorort von Boston. Der Sohn liegt in der Wiege, der schwebende Hausroboter erledigt den Abwasch, das Elektroauto steht im Carport, die Sonne scheint – eine (scheinbar) heile Welt. Bis ein Vertreter der Firma Vault Tec an der Tür schellt und der Familie einen sicheren Unterschlupf im Atomschutzbunker anbietet. Dies hat auch einen Grund, denn die Großmächte drohen einander mit Atomschlägen. Dieses Bedrohungsszenario wird wenige Augenblicke später zur Realität. Begleitet von heulenden Sirenen und schallenden Lautsprecherdurchsagen flüchtet die Familie in den besagten Bunker und wird in einen 200-jährigen Tiefschlaf versetzt. Als die Hauptfigur plötzlich erwacht muss sie mit ansehen, wie das eigene Baby entführt und der Ehemann / die Ehefrau kaltblütig ermordet wird.
Kaum aus dem Atombunker geklettert, erwartet den Spieler ein riesiges, frei erkundbares Gebiet rund um Boston. Der Haken: Alles ist deutlich von der atomaren Katastrophe gezeichnet. Von dem idyllischen Örtchen ist nicht viel übrig geblieben. Lediglich der eigene Hausroboter ist noch am Werk und merklich überfordert vom Beseitigen des nuklearen Abfalls.
Von Rache und Verzweiflung getrieben gilt es fortan, die verwüstete Ödnis zu erkunden und Hinweise auf den Verbleib des eigenen Sohns zu suchen. Doch zunächst steht das nackte Überleben im Vordergrund. Um dies zu sichern besteht die Möglichkeit, sich verschiedenen Fraktionen anzuschließen und Verbündete zu gewinnen, schützende Siedlungen auszubauen, Krempel einzusammeln, auseinanderzunehmen, wieder neu zusammenzufügen und allerlei andere kleine und große Probleme zu lösen. Bei all diesen Betätigungsfeldern kann die Suche nach dem Sohn schon mal in den Hintergrund geraten.

Pädagogische Beurteilung:
Freiheit
Das eigene Spielerlebnis freiheitlich gestalten zu können ist ein wesentlicher Motivationsanreiz. Dies beginnt bei der Erstellung der eigenen Spielfigur. Ob man als männlicher, weiblicher, großer, kleiner, bärtiger, glatzköpfiger oder langhaariger Held ins Abenteuer zieht kann ebenso bestimmt werden wie dessen Fähigkeiten und Attribute.
Je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad hat man es als Neuling im Ödland zunächst schwer. Denn die meisten hier ansässigen Gegner sind zunächst recht schwierig zu besiegen. Zudem steht man ohne entsprechende Fähigkeit vor verschlossenen Türen, bleibt in Gesprächen erfolglos oder kann wichtige Computerterminals nicht hacken. Aus diesem omnipräsenten Mangelgefühl ergibt sich automatisch der Wunsch, sich stetig verbessern zu wollen. Durch das Erledigen von Aufträgen oder das Besiegen von Gegnern steigt die eigene Figur auf und der Spieler kann freiheitlich wählen, wie er sie spezialisieren möchte. Je nachdem ob man als heimlicher, redegewandter Schütze aus der Distanz oder schlagkräftiger Nahkämpfer mit Hackerfähigkeit agieren will, ändert sich auch die Herangehensweise und das Spielerlebnis. Dies schafft Bindung zur Spielfigur und macht das Spiel auch für einen erneuten Anlauf interessant.

Für jeden etwas dabei
Durch die zahlreichen Betätigungsfelder finden unterschiedliche Spielertypen ihre ganz eigenen Herausforderungen. Wer gerne verstohlen vorgeht, kann mit entsprechender Fähigkeit Taschendiebstähle begehen, durch Häuser schleichen und alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die gefundenen Gegenstände können auseinandergenommen und die Einzelteile nutzbringend verwertet werden. So lassen sich Waffen modifizieren, Rüstungen aufwerten und die eigene Siedlung gestalten. In einem bestimmten Radius können z.B. Häuser, Zäune oder Wachtürme gebaut und Betten für zukünftige Siedler aufgestellt werden.
Fans von Erkundungen können sich einfach im Ödland treiben lassen und schauen, welches Abenteuer sie hinter dem nächsten Häuserblock erwartet. Überall findet man Truhen mit wertvollem Inhalt, Computerterminals, die in Textform kleine Geschichten aus der Spielwelt erzählen oder skurrile Bewohner, die den Spieler mit interessanten und spannenden Aufträgen versorgen. Durch diese kleinen Episoden baut der Spieler eine gewisse Bindung zur Umgebung auf.

Gespräche, Entscheidungen und Beziehungen
Auch die Dialoge sind offen ausgelegt. So stehen in der Regel verschiedene Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, die nicht nur den Verlauf des Gesprächs, sondern auch den weiteren Umgang mit dieser Person bestimmen können. Auf diese Weise entstehen Sympathien und Feindschaften. Überhaupt sind im gesamten Spiel immer wieder moralische Entscheidungen zu treffen; Aufgaben lassen sich fast immer auf verschiedene Arten lösen und ziehen so auch unterschiedliche Konsequenzen nach sich.
Im Laufe der Handlung begegnet man zahlreichen Personen (und auch Robotern und einem Hund), die sich der Spielfigur anschließen möchten. Auf dem Abenteuer kann man immer einen Begleiter auswählen.

Stimmige und interessante Spielwelt
Die Darstellung des atomaren Ödlandes fängt die Endzeitatmosphäre passend ein und bietet einen Interessanten Flair, den Fans der Reihe bereits aus anderen Serienablegern kennen. Das endzeitliche Zukunfts-Szenario wird durch Kleidung, Musik, Plakate und Gegenstände, die dem Amerika der 50er Jahre nachempfunden sind, gebrochen. Dies wirkt skurril – und stellenweise sogar witzig. Vor allem, wenn der seltsame Moderator des hiesigen Radiosenders über Szenen berichtet, die vom Spieler hervorgerufen wurden. Dies sorgt dafür, dass längere Reisen nicht so schnell langweilig werden.
Interessant ist auch die Verzahnung verschiedener Spielinhalte. So lässt sich der Betreiber des Radiosenders tatsächlich auch in der Welt entdecken. Und die gefundenen Seiten eines Comics stammen aus einem in Boston ansässigen Laden. Solche Gimmicks zu entdecken führt zu dem Eindruck einer in sich geschlossenen und stimmigen Spielwelt. 

Kampf
In Kampfsituationen spielt sich "Fallout 4" zunächst wie ein gewöhnlicher Ego-Shooter. Aus der Ich-Perspektive schießt man mit unterschiedlichsten Waffen, wie Pistolen, Gewehren oder auch ungewöhnlicheren Dingen, wie einem Mini-Atombomben-Werfer, auf seine Feinde. Das Geschehen lässt sich jedoch auch auf Knopfdruck verlangsamen und in einen Modus schalten, in dem man seine Feinde in Ruhe anvisieren und gezielt auf einzelne Körperteile schießen kann. Hier kommt eine taktische Komponente hinzu, denn Treffer ins Bein verlangsamen Gegner, Armtreffer verschlechtern ihren Waffeneinsatz und Kopfschüsse richten weitaus mehr Schaden an. Außerdem sind einige Gegner auch nur durch gezielte Schüsse zu besiegen, da sie beispielsweise am ganzen Körper mit Ausnahme des Kopfes schwer gepanzert sind.

Darstellung von Gewalt
Bei den Gegnern handelt es sich um Menschen und menschenähnliche Geschöpfe sowie zahlreiche mutierte Tiere und Monster. Die Gewaltdarstellungen sind recht explizit und beinhalten sogenannte Splatter-Effekte. In Zeitlupenaufnahmen explodieren Köpfe, Gliedmaßen werden abgetrennt und es spritzt viel Blut. Diese Darstellungen können noch durch eine Spezialfähigkeit (Perk) ausgeweitet werden. Kinder und Jugendliche könnten durch die Wucht dieser Bilder und dem gewalthaltigen Spielkonzept verunsichert oder geängstigt werden. Hinzu kommt eine stellenweise recht gruselige Atmosphäre. In engen Räumen von Gegnern attackiert zu werden kann enorm spannend sein – und bei jüngeren Spielern ggf. zu einer Übererregung führen.
Zudem besteht die Möglichkeit, ethisch-moralisch fragwürdige Handlungen auszuführen. Der Spieler kann recht frei agieren und z.B. sämtliche Bewohner einer friedlichen Siedlung willentlich ermorden. Zudem wird der Spieler in verschiedenen Aufgaben (Quests) immer wieder vor die Wahl gestellt, ob er freundlich und friedvoll oder egoistisch und kaltblütig agieren möchte. Die Einordnung eines solchen Geschehens erfordert eine gewisse soziale Reife, Abstraktions- und Distanzierungsfähigkeit, die bei Minderjährigen nicht vorausgesetzt werden kann.
Den recht brutalen Darstellungen und den moralisch fragwürdigen Handlungsmöglichkeiten steht das deutlich erkennbare fiktionale Setting gegenüber. 

Fazit:
Das Endzeit-Rollenspiel bietet eine weitläufige und stimmungsvolle Landschaft mit zahlreichen Erkundungsreizen. Der Spieler kann freizügig bestimmen, wie er die eigene Figur ausgestalten und vorgehen möchte. Vielfach gilt es, Entscheidungen mit erkennbaren Konsequenzen zu treffen, was zur Spannung und Motivation beiträgt.
Ausdrücklich erwähnt seien die recht expliziten Gewaltdarstellungen. Zudem geht das Spiel mit seinen Inhalten teilweise so zynisch um, dass Kindern und Jugendlichen unter Umständen das Verständnis fehlt, die Ironie zu durchschauen. Reife Spieler mit Fähigkeit und Bereitschaft zur Abstraktion erwartet hingegen ein umfangreiches Spielerlebnis.