Port Royale 3

Genre
Simulation
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Kalypso Media
Erscheinungsjahr
2012.05
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Ökonomie-Simulation für Einsteiger
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Strategie-Fans, die Spaß an detaillierten Handlungsmöglichkeiten haben
Sprache
Grafik
Sound

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Mehrspielermodus
Kompetitiver Mehrspieler-Modus für bis zu vier Spieler
Spielforderungen
logisches Denken
Zusatzkosten
Problematische Aspekte
Gruppenleiter
Dirk Poerschke
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Die ersten Handels- und Wirtschaftssimulationen kamen bereits in den 80iger-Jahren als Computerspiele in den Handel. Meistens waren sie aufgrund stark vereinfachter wirtschaftlicher Zusammenhänge eher zur Unterhaltung gedacht, in der Regel konnten sie aber immer schon viele Parameter echter ökonomischer Prozesse abbilden. "Port Royale 3" packt eine solche Handelssimulation in eine Seefahrergeschichte.
Sie beginnt 1562 in Cadiz an der spanischen Atlantikküste. Ein junger Mann macht sich auf, um sein Glück in Richtung Amerika zu suchen. Doch sein Schiff gerät in einen Sturm und er wird über Bord gespült. Völlig entkräftet kann er von einem Handelsschiff auf der Route zwischen St. Augustin und Port Royal in der Karibik aufgegriffen und gerettet werden. Der Zufall macht ihn an Bord des Schiffes mit einem Landsmann aus Cadiz bekannt. Dieser ist der Handelsattaché des Vizekönigs der Neuen Welt und nimmt sich dem jungen Mann an. So startet der Weg vom mittellosen Schiffsbrüchigen zum Handels-und Flottenadmiral.

Pädagogische Beurteilung:
Buchhalter vs. Fernfahrer
Zu Beginn entscheiden sich die Tester für die Kampagne, die die einleitende Geschichte fortführt, und somit gegen das freie Spiel. Das hat den Vorteil, dass sie immer mit Zielvorgaben konfrontiert werden, was den Zugang zum Spiel erleichtert. Zudem kann zwischen einem Händler, Abenteurer oder Piraten-Modus entschieden werden.
Die ersten Aufgaben im Spiel sind ernüchternd: „Steigere durch Handel dein Vermögen auf 200.000 Taler und den Gesamtladeraum deiner Schiffe um 400 Fass, um den Rang Matrose zu erreichen.“ „Liefere 300 Nahrungsmittel nach Cayman. Dazu zählen Weizen, Früchte, Mais, Fleisch und Backwaren.“ Durch diese und ähnliche Aufgaben lernen die Tester das Spiel durch die Ratschläge des Handelsattachés kennen, der die wirtschaftlichen Abläufe langsam und anschaulich erklärt und nachvollziehbare Zusammenhänge zieht.

Der Alltag eines Handelsadmirals
Im Grunde genommen geht es immer wieder darum, Waren billig einzukaufen und nach Abzug von Kosten wieder teuer zu verkaufen. Gibt es auf einer Insel beispielsweise keinen Zucker, um Rum herzustellen, steigt der Preis für Zucker und wir liefern. Wenn eine Insel genügend Lebensmittel zu Verfügung hat, kaufen wir dort ordentlich ein, um diese teuer an eine Insel zu verkaufen, die Hunger leidet. Beide Inseln sind letztlich ziemlich dankbar und wir steigern unseren Beliebtheitsgrad bei der jeweiligen Bevölkerung. Das geht soweit, dass die Spieler die Genehmigung bekommen, auf den jeweiligen Inseln eigene Unternehmungen zu gründen. Eine Plantage für Zucker, eine Raffinerie für Rum oder Weizenfelder anzulegen sind sicher gute Ideen. Dazu benötigt man allerdings noch Arbeiter, Lagerverwalter und Produktionsanlagen. Mit dem umgesetzten Geld werden dann neue Schiffe gebaut und von Hafenmeistern zu Konvois zusammengelegt. Alte Schiffe müssen repariert werden und wir kaufen und verkaufen alles, was die Karibik so braucht - Rum geht am besten.
Mit immer mehr Schiffen können dann feste Handelsrouten zwischen den Inseln eingerichtet werden. Man kann bis zu 100 Konvois befehligen und in allen Städten eine eigene Produktion aufbauen. Mit genügend Gold können auch Betriebe anderer Händler aufgekauft werden, um ein Produktionsmonopol für die gesamte Karibik zu errichten. 

Piraterie
Im Jahr 1560 lagen auch die Anfänge der Piraterie in der Karibik, welche unser Bild von Piraten in Film und Belletristik maßgeblich bestimmen. Auch die Spieler können angegriffen werden, selber Schiffe angreifen oder sogar versuchen, andere Städte zu erobern. Dieser Faktor war für die Tester allerdings nicht wirklich interessant, da man ihrer Meinung nach mit Handel mehr verdient. Das muss nicht unbedingt stimmen, denn die Komplexität des Titels lässt viel Spielraum und Handlungsalternativen, was auch den Wiederspielwert ausmacht und Fragen aufwirft: Wie würde sich das Spiel als Abenteurer oder gar als Pirat darstellen? Wie wirken sich die See-Schlachten im kompetitiven Mehrspieler-Modus auf das Spiel aus?

Karibisches Flair
Der Handelsraum mit 60 unterschiedlichen Städten von Port-au-Prince bis Tortuga wird auf einer recht übersichtlichen Karte angezeigt. Die einzelnen Städte und Inseln werden durch Aktivitäten und Fahrten nacheinander erweitert, ohne dass man die Orientierung verliert. Durch kleine Items neben den Städten lässt sich auf den ersten Blick erkennen, was in der jeweiligen Stadt benötigt wird oder abzugeben ist.
Die Handelstätigkeiten werden in gewissen Abständen durch handgemalte Zwischensequenzen - entfernt an die Renaissance erinnernde Aquarellbilder – unterbrochen, um die Geschichte weiter zu erzählen. Auch bei den Städten, Inseln und den Schlachten auf See wirkt das Design stimmig.
Die Sprecherstimmen für die Zwischensequenzen sind passend gewählt und die Texte gut verständlich. Ansonsten setzt der Titel auf eine diskrete Musikuntermalung, damit man sich ganz auf den Handel konzentrieren kann. Ein wenig Meeresrauschen, die Glocke beim Abschluss eines Geschäfts und ein paar Streicher im Hintergrund reichen völlig aus, um eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen. Lediglich die Zwischensequenzen sind mit filmreifer Musik unterlegt.

Fazit:
"Port Royale 3" legt durch seine Verbindung zwischen der populären Geschichte der Karibik, der Piraterie, dem Neuentdecken einer Welt und einem überschaubaren Wirtschaftskreislauf eine Handels-Simulationen vor, die auch Einsteiger und Skeptiker dieses Genres durchaus begeistern kann. Wenn man die nötige Ruhe und eine Vorliebe für Detailfragen mitbringt, trägt das Spiel zum Verständnis des kleinen Einmaleins der Ökonomie bei. Weiterführende Themen wie Bedarf und Nachfrage oder Brutto- und Nettogewinn werden im Spiel nicht müssen nicht explizit ausgearbeitet, eine Ahnung davon wird aber durchaus vermittelt.
"Port Royale 3" ist in erster Linie ein sehr gutes und durchaus spannendes Spiel, das auf seine Weise Lust auf mehr Ökonomie macht. Für meine Tester war es die erste Handels- und Wirtschaftssimulation. Diejenigen unter ihnen, die immer schon Spaß am Sortieren, Sammeln und an detaillierten Handlungsmöglichkeiten hatten, fanden die Karten, Tabellen und Umsatzanzeigen wirklich spannend.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass

„Wenn man sich erstmal reinfuchst, macht das wirklich Spaß!“ (Zitat Tester)