Alien: Isolation

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Sega
Erscheinungsjahr
2014.10
Systeme
PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One, Mac
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Ungemein spannendes Gruselabenteuer, das die Stimmung der Filmvorlage gekonnt einfängt
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans der Filme, Horrorfans
Sprache
Deutsch
Grafik
Realistisch, düster, futuristisch
Sound
Spannend, düster

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Weibliche Protagonistin Amanda Ripley
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Umgang mit Gamepad, schnelle Reaktionen
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
Extrem spannend und unheimlich, viele Schockmomente
Autor
Kadir Yilanci
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4Screenshot 5Screenshot 6Screenshot 7

Spielbeschreibung
Fünfzehn Jahre nach den Ereignissen auf dem verschwundenen Frachtraumschiff Nostromo bekommt Amanda Ripley Hinweise auf den Verbleib Ihrer Mutter Ellen, die auf der Nostromo als 3. Offizier tätig war. Der Sprachrekorder von der Nostromo wurde gefunden und soll sich nun auf der riesigen Raumstation Sevastopol befinden. Dort eingetroffen findet Amanda Ripley eine beschädigte Raumstation vor, auf der eine Katastrophe stattgefunden haben muss. Sie versucht den Geschehnissen auf die Spur zu kommen. Schritt für Schritt sammelt Amanda Hinweise, liest Logbücher, hört Tonbandaufnahmen und spricht mit den wenigen Überlebenden und merkt sehr bald, dass sich noch etwas anderes auf der Raumstation befindet.

Pädagogische Beurteilung
Das Prinzip Überleben
"Alien: Isolation" gehört zur Unterkategorie Survival-Horror des Action-Adventure Genres, also Spielen, die Elemente aus Abenteuerspielen - wie Hinweisen nachgehen, Rätsel lösen, Gegner bekämpfen - mit Grusel- und Überlebenselementen kombinieren. Hilfsmittel, Gesundheitspakete und Munition sind dabei rar gesät. Außerdem wird ein besonderer Fokus auf Schockmomente mit Licht- und Soundeffekten sowie schrecklichen Monstern gelegt. Anders als beim Genre-Primus „Resident Evil“ (Test zu Resident Evil 4) werden die Geschehnisse in "Alien: Isolation" dabei aus der Ich-Perspektive der Protagonistin erzählt, wodurch das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, zusätzlich verstärkt wird. Trotz Waffen und First-Person-Perspektive ist "Alien: Isolation" aber mitnichten ein Shooter. Leises und behutsames Vorgehen sind Kernelemente des Spiels, zudem die meisten Waffen schlicht wirkungslos gegen das übermächtige Alien sind. Sobald das außerirdische Wesen die Spur aufgenommen hat, gilt es sich in Luftschächten, unter Bürotischen oder in Spinden zu verstecken. Danach heißt es sich in Geduld zu üben, ruhig zu bleiben und sogar die Luft anzuhalten, bis das Alien oder die bösartigen künstlichen Personen wieder verschwinden. Das ist ungemein spannend inszeniert und kann es an vielen Stellen mit dem titelgebenden und wegweisenden Klassiker „Alien“ aus dem Jahr 1979 aufnehmen. Durch den Grusel- und Überlebensfokus ist das Spiel dadurch nichts für ungeduldige oder nervenarme Spielende. Trotz einer zuschaltbaren Karte, ist zudem der Orientierungssinn der Spieler gefragt, da die Raumstation riesig und sehr verzweigt ist. Das Gewaltniveau hält sich in Grenzen, daher ist die Einstufung ab 16 Jahren der USK vollkommen angemessen.

Film und Videospiel
Zwar werden Videospiele oft mit Filmen als eine Art interaktives Pendant verglichen, doch fast ausschließlich gehen Videospielverfilmungen oder respektive Filmumsetzungen gehörig in die Hose und enttäuschen Fans. Natürlich sind es zumeist wirtschaftliche Gründe, erfolgreiche Filme mit einem Videospiel zu beglücken oder umgekehrt. Doch auf der künstlerischen Seite gelingt es meist einfach nicht, Handlung, Stimmung oder die Emotionalität der Darsteller und die von Fans entwickelte Zuneigung zu ihnen in ein anderes Medium zu übertragen. Aus guten Filmen gute Videospiele zu machen, schlägt meist ebenso fehl, wie aus guten Videospielen gute Filme machen zu wollen. Beispiele aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Als wenige Positivbeispiele sind die Lego Spiele zu unter anderem „Indiana Jones“, „Star Wars“ und „Batman“ (Test Lego Batman 3) zu nennen, die jedoch eher Persiflagen der jeweiligen Filme sind. (Siehe hierzu auch unser Dossier über Filme und Videospiele)
Auch bei der Alien-Reihe, die sich augenscheinlich perfekt für Videospiele eignen sollte, sorgten die bisherigen Umsetzungen eher für gruselig schlechte Spiele, bis auf den actionreichen First-Person-Shooter „Aliens vs. Predators“ aus dem Jahr 1999. Abseits davon konnte die dunkel-düstere Horrorstimmung, um ein unheimliches Wesen, das erst als Parasit in einem Wirt zu einem Monster heranwächst, bisher nicht eingefangen werden.

Gegen den Strom
Völlig anders macht es "Alien: Isolation", indem es sich von gängigen Action-Mustern verabschiedet und der Spieler dem Alien (und anderen Gegnern) möglichst aus dem Weg gehen muss. Diverse Hilfsmittel wie Molotowcocktails, Geräuschmacher, Spreng-, Rauch- und Blendgranaten, deren Komponenten erst gefunden und zusammengebaut werden müssen, helfen dabei, das Alien kurzzeitig abzulenken oder den Raum abzusichern, in dem die Protagonistin gerade versucht, Logbücher zu lesen oder unter Zeitdruck den Computer zu hacken. Später kommen zwar Schusswaffen hinzu, der Waffeneinsatz sollte jedoch wohl überlegt sein. Gegen das Alien sind sie schlicht wirkungslos. Bei Menschen und Robotergegner eingesetzt, machen sie zudem Krach und locken das Monster eher an. Im Laufe des Spiels bekommt Ripley allerdings einen Flammenwerfer, mit dem sie das Alien wenigstens kurzzeitig verscheuchen kann. Doch (sehr) oft kommt es vor, dass das Alien einen überrascht und mit gefletschten Zähnen den Garaus macht. Spielende müssen sich bei "Alien: Isolation" umstellen, denn das Monster widersetzt sich gängigen Mustern und weigert sich beharrlich, an der selben Stelle aufzutauchen. Dadurch und durch ungeduldiges Vorpreschen passieren häufige Bildschirmtote, was zu Frust führen kann. Spielerisch ist die unberechenbare künstliche Intelligenz des Aliens eine Herausforderung für sich, selbst für erfahrene Spielende.
Um diese Herausforderung zu meistern, gibt es ein besonderes Hilfsmittel im Spiel (wie auch in den Filmen): der Motion-Tracker, ein Bewegungsmelder als Handscanner, den Ripley im Laufe des Spiels findet. Durch Drücken der rechten oberen Schultertaste wird er aktiviert und meldet dem Spieler in einem begrenzten Radius auf dem Display Lebewesen, die als Punkte angezeigt werden. Zudem wird die ungefähre Richtung des Missionsziels abgelesen. Tolle Gimmicks übrigens: Der Sound des Trackers kommt aus dem Joypad und beim Aktivieren wird eine Schärfentiefe wie bei Filmen erzeugt und der Hintergrund wird leicht unscharf, kann aber mit der L2-Taste kurzfristig scharf gestellt werden. Zudem blinkt die Joypadbeleuchtung bei Kontakt, ein interessanter Effekt beim Spielen im Dunkeln. Ungemein spannend wird es, wenn Spielende trotz Punkt auf dem Motion-Tracker nichts sehen, aber kraxelnde Geräusche zu hören sind. Dann ist das Alien im Luftschacht über oder unter einem, was sehr nervenaufreibend ist, insbesondere bei der Tonausgabe mit einem Mehrkanalsystem.

Ästhetik eines Videospiels
Der Science-Fiction Thriller „Alien“ aus dem Jahr 1979 lebte von dem unheimlichen titelgebenden Monster, der dunklen Einsamkeit des Weltraumes und der klaustrophobischen Enge eines industriell geprägten Raumschiffes, gepaart mit intensiv eingesetzten Licht-, Sound- und Schockelementen. Daneben wurde mit Sigourney Weaver als Ellen Ripley erstmals eine weibliche Heldin in dem bis dato von Männern dominierten Action- und Science-Fiction-Genre besetzt, deren gesellschaftlicher Einfluß bei der Gleichstellung der Frau kaum zu bemessen ist und viele Nachahmer bei Filmen und Videospielen hatte.
Vor allem aber fällt die ungewöhnlich detaillierte Ausstattung des Spiels ins Auge, das den Retro-Science-Fiction-Flair und die Atmosphäre des Films von 1979 sehr schön einfängt. Obwohl das Setting über 100 Jahre in der Zukunft angesiedelt ist, sind (wie im Film) Monitore aus gewöhnlichen Glasröhren hergestellt. Computer sehen aus wie eine Urversion des Commodore 64 mit Grünmonitor. Knöpfe und Schalter werden analog, teilweise ruppig, aktiviert. Kapazitive Eingabeterminals Fehlanzeige. Die Architektur der Raumstation mit Laboren, Fertigungshallen, Wohnräumen etc. ist besonders stimmig und detailreich entworfen worden. Daneben nutzt das Spiel sehr eindrucksvoll Sound-, Licht-, und Raucheffekte, um die ohnehin schon intensive Atmosphäre zu verstärken. Sogar an scheinbare Winzigkeiten, wie Staubpartikel, die in der Luft schweben, haben die Entwickler von Creative Assembly gedacht. All diese Elemente verschmelzen zu einer besonders gelungenen Videospielästhetik.

Fazit
"Alien: Isolation" ist ein ungemein spannender Titel, der die dichte Atmosphäre der Filme sehr gut einfängt und Spielende mit dem Überlebensprinzip regelrecht fordert. Die Handlung hätte an einigen Stellen etwas ausgefeilter sein können und nicht immer ist sie schlüssig und zieht sich am Ende etwas, unterhält aber für ein Videospiel ganz gut. Das Spiel ist für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Trotzdem sollten Spielende umdenken und Geduld für das action-arme Spiel sowie eine Affinität zu filmischen Gruselabenteuern mitbringen.