Deus Ex: Mankind Divided

Genre
Rollenspiele
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Square Enix
Erscheinungsjahr
2016.08
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Actionreiches Cyberpunk-Rollenspiel mit ernster Thematik
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Actionfans, Schleichfans
Sprache
Deutsch, Dialoge vertont
Grafik
Stimmungsvoll, detailreich
Sound
ansprechend

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Spielheld wird positiv inszeniert
Mehrspielermodus
vorhanden
Spielforderungen
Reaktionsschnelles Handeln, Geduld, Koordination
Zusatzkosten
Kostenpflichtige Zusatzinhalte
Problematische Aspekte
Bedrückende, distopische Atmosphäre
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Dieses Science-Fiction-Rollenspiel behandelt das Thema „mechanische Apartheid“ und hat damit einen gesellschaftskritischen Aufhänger. In der Welt von "Deus Ex: Mankind Divided" sind biomechanische Implantate, sogenannte Augmentierungen, weit verbreitet. Demgegenüber stehen Menschen, die der fortschreitenden Optimierung des menschlichen Körpers durch Technik kritisch gegenüberstehen. Diese gesellschaftliche Spaltung wurde durch eine Katastrophe angeheizt. Eine Manipulationssoftware ließ die „verbesserten“ Menschen zu willenlosen Amoktätern werden, was zu Angst, Chaos und Vorbehalten in der Gesellschaft führte. Infolgedessen kam es zu einer gesellschaftlichen Teilung. Kurzum: die Sicherheitsmaßnahmen wurden erhöht, Polizeikontrollen sind allgegenwärtig, Menschen mit Augmentierungen haben weniger Rechte und werden sogar in Ghettos gepfercht.
Held des Spiels ist der augmentierte Adam Jensen, der im Jahr 2029 bei Interpol arbeitet. Er erfährt die Ausgrenzung am eigenen Leib. Als er bei einem Terroranschlag in einem Bahnhof Prags beinahe ums Leben kommt, beginnt die Jagd auf die Hintermänner. Dabei ist er eigentlich als Doppelagent tätig und kommt im Handlungsverlauf einer Verschwörung auf die Spur, die aus den eigenen Reihen zu entstammen scheint.

Pädagogische Beurteilung:
Einstieg und Spielmechanik
Dank einer ausführlichen Video-Zusammenfassung des Vorgängerteils und zahlreicher Zusatzinformationen, verstanden auch Neulinge die Handlung sofort. Die Steuerung durch die dreidimensionale Spielumgebung funktioniert genretypisch und konnte von erfahrenen Spieletestern problemlos gemeistert werden. Auf Wunsch können Hilfstexte aktiviert, jederzeit im Menü nachgelesen und die Schwierigkeit verringert werden. Auch der grundlegende Ablauf bereitete kaum Probleme. Wie üblich gilt es durch erfolgreiche Missionen Erfahrungspunkte zu bekommen, um damit neue Fähigkeiten freizuschalten: hier sind es die fähigkeitsverbessernden Augmentierungen.
Durch Gespräche entwickelt sich die Handlung. Während wichtiger Dialoge wird eingeblendet, wie sich das Gegenüber gerade fühlt – entsprechende Augmentierung vorausgesetzt. Es gilt darauf zu achten, ob er oder sie aufgeregt und wie die grundsätzliche Einstellung ist? Auf dieser Grundlage und anhand der Berechnung des Persönlichkeitstyps können die Konversationen gelenkt werden. So sind manche Ansprechpartner mit Schmeicheleien zu überzeugen, andere stehen eher auf klare Ansagen. Dieses System fanden die Tester sehr interessant.

Atmosphäre
Die Grafik der dystopischen Welt wurde als passend und detailreich beurteilt. Die Handlung spielt primär im futuristischen Prag – und das ist optisch auch ansprechend umgesetzt. In den Straßen und auf Plätzen trifft man auf allerlei Zivilisten, die sich über die aktuelle Situation austauschen. Die Sicherheitskräfte drangsalieren die Augmentierten, auf riesigen Flatscreens läuft die Nachrichtensendung und nimmt Bezug auf aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehnisse – darunter auch Dinge, die Adam Jensen selbst in Bewegung gesetzt hat. In gehackten Computern finden sich Schriftwechsel, die kleinere Geschichten erzählen. Die detailreiche Umsetzung trägt zu einer dichten und authentischen Atmosphäre bei. Die Kenner des Vorgängers fanden es etwas schade, dass neben Prag nur wenige Schauplätze erkundet werden können.
Auf minderjährige Spieler kann das Geschehen durchaus bedrückend wirken. Die gesellschaftliche Spaltung ist omnipräsent und spaßige und ironische Seitenhiebe, die das Geschehen auflockern würden, sind kaum zu finden. Ein Spieletester beschrieb die Identifikationsfigur Adam Jensen sogar als „bierernst“. Er wirkt ständig angespannt und deprimiert. Die Kämpfe werden zwar nicht brutal inszeniert, doch aufgrund der Sicht aus der Ego-Perspektive und der lang anhaltenden Bedrohungssituationen, können Jüngere kaum Distanz zum Geschehen aufbauen. Ältere, medienerfahrene Jugendliche ordneten die futuristische Handlung als Fiktion ein und verstanden die gesellschaftskritischen Themen.

Freiheit
Im Gegensatz zur dystopischen Spielwelt selbst, die von Überwachung, Kontrollen und Ausgrenzung geprägt ist, herrscht bei der Herangehensweise an die einzelnen Missionen eine große Freiheit.
Wer gerne im Verborgenen agiert, der bedient sich seiner Fähigkeit zur Tarnung, nutzt die Hacking-Skills und setzt damit Überwachungskameras außer Kraft oder öffnet Türen. Mit leisen Stiefeln wird man beim Schleichen weniger entdeckt und eine Tarnung macht Adam Jensen für einen gewissen Zeitraum unsichtbar. Wer hingegen die actionreiche Auseinandersetzung nicht scheut, der kann aus einer Auswahl an verschiedenen Waffen wählen, sich in Deckung begeben, seine Schadensimmunität erhöhen und losballern sowie mit Wurfklingen oder einer augmentierten Faust zuschlagen.
Beide Herangehensweisen fanden im Test durchaus ihre Fans. Somit wurden ganz unterschiedliche Spielertypen angesprochen. Dazu kommt noch, dass zahlreiche Erkundungsreize geboten werden und so auch die Entdecker-Typen voll auf ihre Kosten kamen. Es gibt so viele Computer zu hacken, Schlösser zu knacken und Areale zu erkunden, dass die Spieletester ständig das Gefühl hatten, etwas zu verpassen. Beispielsweise wird für Sprünge zu besonders hoch gelegenen Balkonen eine bestimmte Bein-Augmentierung benötigt. Und für das Heben von schweren Gegenständen eine Verbesserung des Arms. Dass sich durch eine entsprechende Investition vormals unerreichbare Areale erkunden lassen, fanden alle motivierend. Der Spieler muss sich also gemäß seines Spielstils entscheiden, welche Fähigkeiten er entwickeln möchte und auf was er bewusst verzichtet. 

Politik und Widersprüche
Der Aufhänger „mechanische Apartheid“ ist gesellschaftskritisch und zeigt Parallelen zur derzeitigen Situation in Europa. Heute, wie auch im fiktiven Handlungsrahmen im Jahr 2029, bestehen Vorurteile gegenüber bestimmten Menschengruppen. Die fiktive Welt zeigt auf, wie extrem sich eine Gesellschaft aus Angst und durch Manipulationen von Mächtigen verändern kann. Spiele können durch ihren interaktiven Charakter durchaus mehr für kritische Themen sensibilisieren, wie es bei Filmen der Fall ist, wo man die Rolle des Betrachters einnimmt.
Ein aufwändiges Spiel mit ernster Thematik für den Massenmarkt zu entwickeln, ist allerdings schwierig. Schließlich ist Spaß haben und Ablenkung von realweltlichen Problemen eine Hauptmotivation für das Spielen. Kommt ein Spiel zu sehr mit dem mahnenden Zeigfinger um die Ecke, kann der Reiz bei manchen verlorengehen. Bei einem Spagat zwischen Unterhaltung und Ernst können merkwürdige Logiklücken entstehen, wie es hier der Fall ist.
Ein Beispiel: Adam Jensen tritt als „Good Guy“ in Erscheinung. Dass er allerdings in jede x-beliebige Wohnung einbricht, die Computer hackt und Safes leerräumt, widerspricht seiner eigentlich noblen Gesinnung. Auch das Verhalten der Figuren in seinem Umfeld ist nicht immer passend. So bleiben Reaktionen auf Diebstahl oftmals aus, was die Spieletester wenig authentisch fanden. Allerdings obliegt es dem Spieler selbst, wie er seine Rolle im Spiel definiert. Er kann als Dieb alles einstecken, was nicht niet- und nagelfest ist, oder bestreitet als ehrlicher Jensen das Abenteuer, dies allerdings mit einschlägigen Nachteilen wie begrenzten finanziellen Möglichkeiten und weniger Informationen durch das Hacken von Mails. Ebenfalls schade: Das Thema des Transhumanismus in einem Cyberpunk-Szenario fanden alle zunächst spannend und interessant, doch die Handlung gerät viel zu oft zur Nebensache und löst sich auch nicht richtig auf. Dafür fanden die Tester die Story in zahlreichen Nebenmissionen sehr interessant.

Inklusion mitgedacht
Das Thema der Augmentierungen wurde von den Spieleherstellern nicht nur im Spiel aufgegriffen. Momentan wird eine mechanische Armprothese entwickelt, mit welcher es möglich sein soll, eine Faust machen zu können und alle Finger oder lediglich einzelne zu bewegen. Hier gibt es weitere Informationen zum Thema.
Für ein dreidimensionales Action-Rollenspiel hat "Deus Ex: Mankind Divided" recht wenige Barrieren. So werden Untertitel angeboten, das Spiel kann jederzeit gespeichert werden, die Schwierigkeit kann angepasst werden und es wird eine Eye-Tracking-Funktion für das Zielen angeboten. Zu den interessanten Features gehören beispielsweise das Zielen, eine Interaktion durch Hinschauen und vereinfachte Bildschirmanzeigen u.v.m.

Optionale Zusatzinhalte
Ergänzend wird eine App für mobile Geräte angeboten. Mit der Kamera des Smartphones/Tablets können im Spiel gefundene Codes eingescannt werden. Auf diese Weise werden ergänzende Informationen freigeschaltet. Der zusätzliche Spielmodus Breach, bei dem der Spieler in Konkurrenz mit anderen Daten hacken muss, wurde nicht getestet. Außerdem werden in Zukunft kostenpflichtige Zusatzinhalte zum Download erscheinen, sogenannte DLCs.

Fazit:
Das actiongeladene Science-Fiction-Rollenspiel spricht durch verschiedene Herangehensweisen verschiedene Spielertypen an. Die Erkundung der weit verzweigten Schauplätze und die zahlreichen Handlungsmöglichkeiten sind spannend, fordern allerdings viel Zeit und durchaus längere Spielphasen. Die ernste Thematik rund um Transhumanismus, mechanische Apartheid und globale Verschwörungen wird anfangs interessant in Szene gesetzt, verliert allerdings im Verlauf an Fahrt. Erwachsene Spieler ab 18 Jahren können die gesellschaftskritischen Themen verstehen und ausreichend Distanz zum langanhaltenden Bedrohungsszenario aufbauen.

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Spieletester
Ü16 Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass