Pro Evolution Soccer 4

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Konami
Erscheinungsjahr
2004.10
Systeme
PC, Playstation 2, Xbox
System im Test
Playstation 2
Kurzbewertung
Fingerfertigkeit und Managertalente sind gefragt
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Deutschland ist Fußballweltmeister 2006! In dieser Fußballsimulation kann der Traum zumindest virtuell Wirklichkeit werden.
Der Spieler steuert mit Tastatur oder Gamepad seine Wunschelf in verschiedenen Meisterschaften, Ligen, Turnieren und Freundschaftsspielen. Er kann entscheiden, ob er eine deutsche, eine internationale oder vielleicht sogar eine Nationalelf managen will. Zur Auswahl stehen ihm vielzählige Ligen sowie 57 Nationalmannschaften. Wohl aus Lizenzgründen fehlen bei manchen Vereinen und Spielern die Originalnamen, so wird aus dem FC Bayern München hier z. B. der Verein „Rekordmeister“. Wen das stört, der kann zwar nachträglich im Editor die Namen korrigieren, was sich aber in der Umsetzung auf Grund der verschachtelten Menüstruktur als recht unkomfortabel und zeitintensiv erwies.

Die vielen und unterschiedlichen Mannschaften bieten zahlreiche und interessante Kombinationsmöglichkeiten und sorgen in den jeweiligen Matches für Spannung und Abwechslung. Diese wird noch gesteigert, indem sich Spieler und Mannschaften unterschiedlich verhalten. Jedem Spieler sind individuelle Charakterwerte zugeordnet, so kann z. B. der eine zwar besser spurten, dafür besitzt der andere aber einen härteren und genaueren Schuss. Im Karrieremodus können diese Eigenschaften mit speziellen Trainings verbessert werden. Und wie im richtigen Leben, spielt auch das Lebensalter der virtuellen Fußballer eine entscheidende Rolle. Ältere Spieler werden im Spielverlauf schwächer, jüngere dagegen mit entsprechender Spielpraxis besser. Für zusätzliche Abwechslung und anregenden Spielspaß tragen ebenso bei, dass sich die Spielfiguren optisch gut von einander unterscheiden und jede ein virtuelles Abbild eines leibhaftigen Fußballspielers darstellt.

Im Karrieremodus startet der Spieler mit seinem Team in der untersten Liga mit dem Ziel, seine Mannschaft an die Weltspitze zu bringen. Dabei begrenzt sich sein Handeln nicht nur auf das Geschehen im Stadion, sondern er muss auch hinter den Kulissen aktiv werden. So gilt es u. a. neue Spieler zu kaufen, die Mannschaftsgehälter zu verhandeln und Sponsoren zu werben. Wie in einer Fußballmanagementsimulation üblich, muss der jugendliche Fußballfan hier vor allem vorausschauendes Denken und taktisches Geschick unter Beweis stellen. Er muss komplexe Zusammenhänge erkennen, indem er z. B. die Finanzsituation des Vereins richtig einschätzt, seine Schlüsse daraus zieht, günstige und gute Spielereinkäufe tätigt und die beste Mannschaftsaufstellung ermöglicht. Hier sind Geduld, Konzentration und echte Managerqualitäten gefragt, zumal viele der Informationen nur in verschachtelten Menüs und in Tabellenform mit Zahlen oder Diagrammen zu finden sind.

Natürlich gibt es noch andere Spielmöglichkeiten. So kann man zwischen sechs verschiedenen Schwierigkeitsgeraden auswählen und klassisch gegen den Computer oder einen Mitspieler antreten. Letzteres entweder am selben PC oder über Netzwerk bzw. Internet.
Besonders die Variante sich mit zwei Spielern an einem PC zu messen, wurde von den Kindern und Jugendlichen am häufigsten genutzt. Konnten sie doch hier ihren Emotionen freien Lauf lassen und sich gegenseitig lautstark anfeuern oder kritisieren. Dieser Spielspaß übertrug sich auch auf die anwesenden Zuschauer, die das Spielgeschehen mit zusätzlichen Kommentaren und Ratschlägen begleiteten.

Das Spiel sowie die ballführende Spielfigur lassen sich aus verschieden einstellbaren Ansichten heraus steuern. Ist die gegnerische Mannschaft am Zug, kann man per Tastendruck in der eigenen Elf jeweils den Spieler bestimmen, mit dem die Aktionen des Gegners gestoppt werden sollen. Die Bewegungsabläufe, -möglichkeiten und Animationen der virtuellen Fußballer sind enorm vielfältig und können den Vergleich mit realen Fußballern durchaus standhalten. Mit den Ballartisten kann man Grätschen, Köpfen, Flanken, Dribbeln, Spurten, Fallrückzieher durchführen und vieles mehr.
Um all die Aktionen erfolgreich umsetzen zu können, bedarf es einer sicheren Auge-Hand-Koordination sowie eines guten Reaktionsvermögens. Des Weiteren gilt es zahlreiche Tasten und Tastenkombinationen zu beherrschen. All dies lässt sich in einem speziellen und sehr umfangreichen Tutorial erlernen.
Da sich die Steuerung des Spiels mittels Tastatur als recht schwierig und unkomfortabel erwies, wurde in den Erprobungen mit einem 10-Tasten-Gamepad gespielt, was die Handhabung der Handlungsforderungen wesentlich erleichterte.

Die Fußballspiele selbst zeichnen sich durch eine dichte und realitätsnahe Atmosphäre aus. Von den Tribünen erschallen Schlachtgesänge und Anfeuerungsrufe. Besonders gute Szenen werden mit Applaus untermalt und ein Sportmoderator kommentiert euphorisch das Geschehen auf dem Rasen. Und wie im Fernsehen, werden auch hier bedeutsame Spielszenen, wie z. B. Torschuss, Foul oder Eckball, aus verschiedenen Kameraperspektiven wiederholt. Abgerundet wird das lebendig und unterhaltsam wirkende Spielgeschehen durch entsprechende Gestik und Mimik der Protagonisten bei Tor, Foul oder Schiedsrichterentscheidungen.

In den Tests wurde „Pro Evolution Soccer 4“ ausschließlich von sport- bzw. fußballbegeisterten Jungen ab 8 Jahren gespielt. Doch während sich die jüngeren Kinder mehr in den actionhaltigen Spielanteilen ausprobierten und ein schnelles Spiel gegen den PC oder Freunde bevorzugten, empfanden die echten Cracks ab 10 Jahren diese Spielvariante als zu einseitig: „Das Spiel kann viel mehr, aber dafür musst du Zeit haben und dich auskennen“ (Lars, 13 Jahre). Für sie lag die Herausforderung des Spiels in der Kombination aus Action und Management. Um mit den eigentlichen Spielforderungen klarzukommen und ihre Mannschaft an die Spitze führen zu können, mussten sie die Steuerung der Spielfiguren nicht nur optimal beherrschen, sondern auch mit Zeit, Geduld und dem notwendigen Fachwissen eine erfolgreiche Managerarbeit leisten.