Project Zero II – Crimson Butterfly

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2004.01
Systeme
Playstation 2, Xbox
System im Test
Xbox
Kurzbewertung
Horror-Abenteuer mit ungewöhnlicher Spielidee
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Ein programmiertes Filmintro führt in die Spielgeschichte ein. Die Zwillingsschwestern Mio und Mayu erkunden einen Wald, der schon bald einem Staudamm weichen soll. Während sie an einem Bach verweilen, verliert sich Mio in Erinnerungen - tragische Erinnerungen, die ihr ins Gedächtnis rufen, wie ihre Schwester Mayu sich damals durch Mios Schuld schwer verletzt hat. Als sie sich von ihren schwermütigen Gedanken wieder löst, ist die Schwester verschwunden.

Nach längerem Suchen sieht sie, dass Mayu einem purpurroten Schmetterling folgt und auf eine Lichtung zuläuft, die von zahlreichen Lichtern erhellt wird. Sie folgt der Schwester zur Lichtung und beide finden sich am Eingang eines Dorfes wieder, das in einer plötzlich auftretenden Finsternis unheimlich und ausgestorben erscheint. Dieses Gefühl bestätigt sich, sobald die Mädchen das Dorf betreten. Unheimliche Ereignisse sowie Geister kreuzen ihren Weg. Anfänglich nur aus dem Augenwinkel erkennbar, dann jedoch auch vermehrt bösartig und angriffslustig, und während Mio bemüht ist, sich und ihre Schwester unbeschadet aus dem Dorf zu führen, bestätigt sich ihr Verdacht, dass es sich bei diesem Ort um „Das verlorene Dorf“ handelt, welches, Erzählungen zufolge, am Vorabend eines rituellen Festes plötzlich mit allen seinen Bewohnern in der Finsternis verschwand. Und all jene, die später in die Nähe dieses Ortes kamen, wurden ebenfalls nie mehr gesehen.


Da das Horror-Abenteuer einige Jahre vor dem ersten Teil von „Projekt Zero“ spielt, Spielgeschichte und Spielhandlung komplett eigenständig sind und zwei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Auswahl stehen, können auch Neueinsteiger sich in dem Spiel zu Recht finden. Aufgabe des Spielers ist es, mit den beiden Spielfiguren das Geheimnis um das verlorene Dorf zu lüften und schließlich wieder in die Welt der Lebenden zurückzukehren.
Wie bei Konsolenspielen zumeist üblich, erfolgt die Steuerung der Spielfigur über mehrere Tastenkombinationen auf dem Controller, was Neulingen anfänglich nicht so leicht gelingt.

Als interessante Spielvariante bezeichneten Mädchen sowie Jungen die Tatsache, dass man das Handlungsgeschehen nur mit der Figur Mio beeinflussen kann und die Schwester entsprechend mitläuft. „Ich kämpfe und gleichzeitig beschütze ich die Schwester oder ich passe vielmehr auf sie auf, dass die Zombies sie nicht töten, dann bin ich auch erledigt.“ (Rico, 17 Jahre). Den Jungen gefiel die doppelte Herausforderung, einerseits der Macher zu sein und andererseits als Beschützer aufzutreten, besonders gut. Die kontinuierliche Sorge um Mayu und ein damit verbundenes abruptes Spielende, verschaffte ihnen zusätzliche Spannung und Motivation.


Leider erfolgt das Spielgeschehen für beide Konsolensysteme ausschließlich in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Spiel- und Optionsbildschirm sind übersichtlich gestaltet, so dass man stets einen guten Überblick über den Zustand der Spielfigur, drohende Gefahren und das zur Verfügung stehende Inventar hat. Des Weiteren kann man während des Spiels auf eine Karte zurückgreifen, die jedoch lediglich die Bereiche anzeigt, die man schon betreten hat. Innerhalb des Handlungsszenarios gibt es Laternen, die als Speicherstationen fungieren. Nur an diesen Stellen ist Speichern möglich, was teilweise ein wenig umständlich gerät, da man gegebenenfalls eine relativ weite Strecke zum nächstliegenden Speicherpunkt zurücklegen muss. Das fehlende Übungslevel wird durch ausführliche Beschreibungen und Gebrauchsanweisungen der Gegenstände bzw. der Spielsteuerung wettgemacht. Zu jedem gefundenen Gegenstand gibt es eine Anleitung. Auch bietet das Handbuch hinlängliche Erklärungen. Genre unerfahrene Jugendliche bedurften dennoch einer gewissen Übungs- und Gewöhnungsphase, bis sie wirklich alle Griffe und Tricks nutzen und sich einigermaßen sicher im Spiel bewegen konnten.

Als erschwerend bis nachteilig beurteilten die Jugendlichen, dass man im Handlungsverlauf keinen Einfluss auf die Kameraperspektive hat. So sieht man beispielsweise in einer Szene zunächst Mio von hinten einen Waldweg entlang laufen, dann ändert sich der Blickwinkel und man schaut ihr frontal entgegen, was zur Folge hat, dass der Spieler nun auch in seiner Steuerung gegensätzlich agieren muss.
Die zahlreichen Aufgaben, die mit Betreten des Dorfes zu bewältigen sind, erstrecken sich auf das Finden von Gegenständen, das Erkunden von Häusern und anderen Orten, das Lösen von Rätseln und – nicht zuletzt – das Kämpfen gegen Geister. Es tauchen auch harmlose Geister auf, die Informationen oder Tipps geben, meist jedoch sind die Geister böse und beabsichtigen, Mio und Mayu zu töten.


Im Verlauf des Spieles werden immer wieder kurze Filme eingespielt, die die Handlung weiterbringen. Sind Ereignisse aus der Vergangenheit zum Verständnis der Spielgeschichte notwendig, werden sie geschickt anhand von Gegenständen, die Mio findet, in das Spiel eingeflochten. So geben Zeitungsausschnitte, Notizbücher, Fotos, Filme oder Kristalle wichtige Informationen und Gedanken über die ehemaligen Besitzer dieser Utensilien preis und tragen gemeinsam zur Lösung des Rätsels bei.


Mio und Mayu sind zu Beginn des Spiels zunächst mit keinerlei Gegenständen, Fähigkeiten etc. ausgestattet. Alles, was ihnen helfen kann, dem Dorf zu entkommen, wird im Verlauf des Spieles gefunden. So auch die einzige Waffe, die Mio zur Verfügung hat, um sich gegen die Geister zur Wehr zu setzen: die so genannte „Camera Obscura“, eine Kamera, die in der Lage ist, anhand der Fotos, die sie macht, Geister sichtbar zu machen und, was noch wichtiger ist, sie dadurch zu erledigen. Diese Kamera ist – ebenfalls durch im Laufe des Spiels gefundene Gegenstände wie Filme, Linsen u.ä. – aufrüstbar, so dass ihre Effektivität gesteigert wird.


Das Spiel richtet sich in seiner Aufmachung und Umsetzung eindeutig an die Zielgruppe der älteren Jugendlichen, wobei das japanische Spieldesign mit einer düsteren und bedrohlich wirkenden Spielatmosphäre arbeitet. Es gibt kaum Soundeffekte, keine untermalende Musik, kaum Begegnungen oder Interaktionen mit anderen Figuren im Spiel. Die Handlungsmöglichkeiten mit der Figur sind begrenzt. Auf vorgegebenen Wegen kann man sich mit Mio gehend oder laufend fortbewegen, andere Bewegungsmöglichkeiten (z.B. ducken) gibt es nicht. Das extrem gruselige Szenario und die wirkungsvollen Schockeffekte, in Kombination mit einer gelungenen Grafik, sind das, was den Reiz des Spieles ausmacht und was jugendliche Fans dieses Genres auch fordern. Sie wollen eine abwechslungsreiche und spannungsgeladene Handlung, die kontinuierlich schaurige Überraschungen bereit hält. Wem das zu stressig ist, der sollte sich lieber einem anderen Spiel zuwenden.


Positiv anzumerken ist, dass im Spielablauf auf blutrünstige und gewaltbeladene Szenen gänzlich verzichtet wird. Anstelle von Schuss- und anderen Tötungswaffen, werden hier die Gegner mit einem Fotoapparat erledigt. Diese ungewöhnliche Handlungsvariante machte das Spiel auch für einige Mädchen interessant. So manche Jungen dagegen, die besonders Action im Spiel bevorzugen, empfanden diese Handlungsmöglichkeit auf Dauer als zu eintönig und langweilig. Interessant war, dass sie trotzdem im Spiel verblieben.
Für Spieler unter 16 Jahren könnte der unterschwellige „Horror“ dieses Spiels, der sich gerade nicht in action-geladenen Kämpfen und konkreten Bedrohungen, sondern vielmehr in der durchgehend bedrückenden und düsteren Atmosphäre ausdrückt, sich als nachteilig auswirken, da eine abstrakt bedrohliche Stimmung erzeugt wird, die gegebenenfalls schwer zu verarbeiten ist.