SSX on tour

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2005.10
Systeme
Playstation 2, Xbox, GameCube, Playstation Portable
System im Test
Playstation 2
Kurzbewertung
unterhaltsames und rasantes Snowboard-Spiel
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Beschreibung des Spiels:

Mit „SSX on Tour“ wird die Wintersportsaison für Joypad- Snowboarder und solche, die es werden wollen, eingeläutet. Der wesentlichste Unterschied zum Vorgängerspiel „SSX 3“ besteht in der Möglichkeit, neben den Snowboardern auch Skifahrer über die Piste zu lenken, die sogar in der Lage sind, auch rückwärts fahren zu können.
Der Spieler kann mit seiner Spielfigur unterschiedlichste Pisten abfahren und in verschiedenen Herausforderungen sein Können und seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen. So muss er z.B. zahlreiche und komplizierte Tricks ausführen, um die höchste Punktzahl zu erreichen, darf in anderen Abfahrten nur 10 Sekunden lang den Boden berühren oder anders herum nur 10 Sekunden in der Luft sein. Die dadurch gewonnen Punkte dienen nicht nur zur Verbesserung der Platzierung auf der Rangliste, sondern können auch als Kapital beim Kauf neuer Klamotten oder Snowboards verwendet werden. Letztere ermöglichen dem Spieler neue Tricks und bessere Fertigkeiten, wie z.B. Wendigkeit und Tempo. Hin und wieder gilt es auch Skifahrer von der Piste zu drängen und den anschließenden Verfolgern in Gestalt der Pistenwacht zu entkommen.


Als besonderes Feature ist eine Zeitlupenfunktion hinzugekommen, die der Spieler aktivieren kann, wenn während einer Abfahrt seine so genannter „Hype“- Anzeige voll aufgeladen ist. Er erreicht dies durch möglichst viele Tricks und wenig Stürze. Während der Zeitlupe kann der Spieler dann durch Bewegungen am Joypadstick so genannte Monstertricks durchführen.
Begleitet wird die in bekannten Wintersportmarken szenetypisch gekleidete Spielfigur von rockiger Musik, die aus Boxen neben der Piste zu kommen scheint. Die grafisch und spieldynamisch in Szene gesetzten Abfahrten, die vielfältigen Trickmöglichkeiten und eine gelungene Musikauswahl, vermitteln dem Spieler eine aktiongeladene, unterhaltsame und spannende Wintersportatmosphäre.

Pädagogische Beurteilung:

Wie bei den meisten Trend-Sportspielen üblich, stehen die kognitiven Anforderungen an den Spieler hier eher im Hintergrund. Der Spieler muss vor allem reaktionsschnell und zeitnah handeln und seine Geschicklichkeit beim Umgang mit dem Joypad unter Beweis stellen. Vom Spielthema angesprochen fühlen sich Mädchen und Jungen ab 6 Jahren gleichermaßen. Sich längerfristig auf das Spiel einlassen, um z. B. alle Abfahrttricks mit dem Joypad beherrschen zu können, interessierte dagegen ausschließlich die Jungen. Wie in anderen Artistik-Sportspielen gefiel es ihnen auch hier, ihr Können und ihre Geschicklichkeit kontinuierlich zu steigern und zu erweitern. Belohnung für ihre Leistung erfuhren sie in Form von besseren Platzierungen in der Computerrangliste und anerkennenden Zurufen durch Mitspieler und Zuschauer.


Die Tatsache, dass das Umfahren von Skifahrern Teil einer Aufgabenstellung im Spiel ist, sollte aus pädagogischer Sicht nicht allzu Ernst genommen werden. Die Spieler selbst haben dieser Spieleinheit wenig Beachtung geschenkt. Sie fanden es wesentlich interessanter, sich über das Ansehen von Ski- und Snowboardfahrern zu unterhalten. Wer cooler ist, wer besser fahren kann und wer schneller fährt. Solche Gespräche könnte man aufgreifen und gemeinsam mit interessanten Informationen vertiefen. Warum nennt man Snowboarder auch „Pistensitzer“? Wieso werden sie oft als Pistenrowdies tituliert? Was unterscheidet nach Meinung der Jugendlichen Skifahrer von Snowboardfahrern? Sollte man einen Helm tragen? Gibt es im Wintersport auch Verkehrsregeln? Oder wann gilt man als cool?-Wenn man bestimmte Tricks beherrscht oder wenn man bestimmte Markenklamotten trägt? Letzterer Aspekt ist besonders interessant, da immer mehr Computerspieleunternehmen in ihren Produkten für Markenhersteller und -artikel werben. Ein Phänomen, dass im Film- und Fernsehbereich zur Zeit hohe Wellen schlägt und als Schleichwerbung geahndet wird, in der Computerspielebranche aber rechtlich bisher kein Problem darstellt.

Auch in diesem Spiel ist die offensichtliche Nähe zu szenetypischen Markenherstellern von Wintersportbekleidung nicht zu übersehen. Im Spielangebot wird ein überflüssiger Markenfetischismus betrieben, dem in erster Linie Kinder unbewusst und somit unkritisch ausgesetzt sind. Kreativer wäre es sicherlich, wenn sie im Spiel die Möglichkeit hätten, ihre eigene Kleidung zu designen.
Ansonsten ist „SSX on Tour“ ein sehr schnelles, detailliertes und aktiongeladenes Wintersportspiel, welches sicherlich vielen Genreinteressierten jede Menge Spielspaß bietet. Mit anspruchsvollen pädagogischen Herausforderungen wartet das Spiel nicht auf, bietet aber eine gute Möglichkeit den Alltag hinter sich zu lassen, um im atemberaubenden Tempo die virtuelle Schneepiste runter zu jagen.