The Movies

Genre
Simulation
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Activision
Erscheinungsjahr
2005.11
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
kreative Wirtschaftssimulation aus der Filmwelt
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung des Spiels:
Sei ein Filmmogul, gründe dein eigenes Filmstudio - so wirbt ‚The Movies’ auf der Spielehülle. Genau um das geht es in ‚The Movies’. Ausgestattet mit einem Gelände und einem Startbudget von 120.000 Dollar beginnt der Spieler im Jahr 1920 ein Filmstudio aufzubauen. Eine sympathische Frauenstimme weist den Spieler in das Spiel, das sich nur im Single-Player-Modus spielen lässt, ein und erklärt die Grundzüge und die ersten Schritte auf dem Weg zum Studioboss. Im Hintergrund perlt angenehme Jazzmusik durch die Lautsprecher und verleiht der Spielatmosphäre 20er-Jahre-Gründerflair.

Zunächst gilt es, grundlegende Studioelemente aus- und aufzubauen. Ein Castingbüro wird ebenso wie ein Drehbuchautorenbüro eingerichtet. Der Spieler hat die Möglichkeit, zusätzliche Elemente, die zu einem Studiokomplex gehören, wie weitere Bauten, Wege, Plätze u.v.m. einzurichten. Dafür sind verschiedene Tools und Möglichkeiten in einer Art Baukastensystem vorgesehen. Parallel entstehen die ersten Filmsets, Schauspieler, Handwerker, Drehbuchautoren und Regisseure werden eingestellt. Die Schauspieler lassen sich individuell, z.B. mit eigener Kleidung, Haarfarbe und vielem mehr gestalten. Ist das Studio eingerichtet und die Crew drehfertig, entstehen die ersten Filme. Der Spieler hat die Wahl, sowohl Actionfilme als auch Komödien, Horror- oder Science-Fiction-Filme zu realisieren. Im Abspielmodus werden die Produktionen dann betrachtet. Auch für das Wohl seiner Schauspieler ist der Studioboss zuständig. So kann er durch Investitionen auf seinem Studiogelände das Befinden der Darsteller, beispielsweise durch den Bau einer Bar, erheblich verbessern und sie so zu besseren Leistungen motivieren. Nach der Präsentation werden die Filme in einem Pressespiegel bewertet und als oscarverdächtig dargestellt oder, wie im richtigen Leben, von der Kritik in Grund und Boden zerrissen.

Pädagogische Beurteilung:
Die grafische Umsetzung des Spiels ist insgesamt als gelungen und ansprechend zu beurteilen. Insbesondere die Möglichkeit, an das Spielgeschehen heranzuzoomen und alles aus der Nähe zu betrachten wurde als gut bewertet. Auch die Vogelperspektive, um sich immer wieder Orientierung auf dem gesamten Studiogelände zu verschaffen, wurde von unseren Testern als hilfreich erlebt. Nervend dagegen sind die Geräusche beim Ausbauen des Studiogeländes. Wird ein Gebäude oder Gegenstände aus dem reichhaltigen Fundus installiert, ertönt im gleichen Moment immer wieder ein schussartiges ‚Drop down’-Geräusch. Dieses wurde von den Jugendlichen als zunehmend nervend empfunden. „Der Soundeffekt ist lästig“ (Holger, 13 Jahre), die stetige Hintergrundmusik des Spiels wurde demgegenüber als „sehr angenehm“, (Jasper, 12 Jahre) eingestuft.

Der Guide in Form einer Stimme, der die ersten Schritte des Spiels erklärt, wurde ebenfalls als sehr hilfreich erlebt. „Ohne die Stimme kann man manchmal nicht so richtig wissen, was man tun soll“ (Jasper, 12 Jahre). Durch die guten Erklärungen gelingt es recht schnell erste Erfolge in Form des stetig wachsenden Studioausbaus und der Produktion eigener Filme zu erreichen. Durch die entsprechende Musik und Darstellung der eigenen Filme in schwarz/weiß kommt eine authentische Filmgründerzeitatmosphäre auf.

Das vom bekannten Spieleerfinder Peter Molyneux liebevoll und farbenfroh gestaltete „The Movies“ eröffnet dem Spieler mehrere Handlungsspielräume. Er erlebt sich als gestaltend und mächtig, sind ihm im Spiel doch mannigfache Entscheidungen auferlegt. Er kann Schauspieler anheuern oder feuern, sein Studiogelände individuell gestalten oder sich mehr auf die kreative Seite des Filmproduzierens konzentrieren. Jede Handlung findet direkten Niederschlag auf die ökonomische Situation des Studios, diese wird ihm konkret in Zahlen als Kontostand auf dem Monitor angezeigt. Der Reiz des Spiels liegt denn auch in der Verbindung von Wirtschaftsimulation und kreativer Filmgestaltung. Von den Spielern werden so gleich zwei Handlungskompetenzen gefordert: Zum einen müssen sie ihr Studio unter wirtschaftlichen Gesichtpunkten gestalten, erweitern und ausbauen, zum anderen im weiteren Verlauf des Spiels immer intensiver um die kreative Gestaltung ihrer Filmproduktionen kümmern. Durch diese parallel verlaufenden Handlungsstränge lernt der Spieler, dass seine Handlungen immer Auswirkungen zeigen und entsprechender Rückkopplungen und Reflexionen bedürfen. Kümmert er sich beispielsweise nicht genug um den Ausbau des Studios, hat er keine Chance bessere Filme zu drehen, was zur Folge hat, dass die Einkünfte aus den Produktionen nicht ausreichen, um das Studio erfolgreich und wirtschaftlich gesund zu betreiben.

Fazit:
Die ungewöhnliche Mischung aus Wirtschaftssimulation und „Tooltainment“ (s.a. Lexikon) wurde in erster Linie von Jungen ab 12 Jahren interessiert aufgenommen. Während die Jüngeren mehr die Möglichkeit nutzten, das Studiogelände auszubauen, konzentrierten sich die Älteren schon bald mehr auf die kreative Filmgestaltung. Für sie wurde es richtig spannend, wenn es darum ging, immer aufwändigere und kompliziertere Produktionen umsetzen zu können. Akribisch und mit viel Liebe zum Detail wurden Szenen zusammengeklickt, angesehen, wieder verworfen und neu versucht. Um dorthin zu gelangen und alle Möglichkeiten des Spiels kennen lernen zu können, mussten sie nicht nur ausreichend Geduld und Ausdauer, sondern auch intensives und konzentriertes Handeln unter Beweis stellen. Um z. B. ein 5-minütiges Filmwerk zu erstellen, mussten die jungen Filmemacher mehrere Stunden Arbeit am Computer investieren. Das fertige Produkt allerdings sorgte dann auch für jede Menge Zuschauer im Computerraum und lautstarke Beifallsbekundungen bei Vorführung des Films. „Dafür hat sich die Mühe doch gelohnt“ (Bastian, 13 Jahre).