Der Pate

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2006.03
Systeme
PC, Playstation 2, Xbox, Xbox 360, Playstation Portable
System im Test
PC
Kurzbewertung
Filmisch inszenierte Mafiageschichte für Erwachsene
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Beschreibung:
In diesem Genre-Mix aus Action-, Abenteuer-, Strategie-, Jump&Run- und Rennspiel spielt man nicht einfach nur den Filmklassiker "Der Pate" von Francis Ford Coppola aus dem Jahre 1972 nach, sondern taucht vielmehr mit einer eigens hierfür kreierten Spielfigur (Charakter) in die Mafiageschichte ein. Die Story versetzt den Spieler in das New York kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Fünf Mafiafamilien kontrollieren die Stadt und konkurrieren miteinander. Im Vorfilm wird gezeigt, wie die Spielerfigur als Kind erleben muss, wie der Vater von einer dieser Familien im Maschinengewehrhagel zu Tode kommt. Der Junge findet Trost beim Paten Vito Corleone und wird von ihm in Die Familie aufgenommen.
Aus der 3D-Perspektive der dritten Person bewegt man sich dann mit der Spielfigur durch ein atmosphärisch sehr gut getroffenes New York, spricht Passanten an, um Informationen zu erhalten, kann in Autos einsteigen, Gegenstände aufnehmen und bei Bedarf einsetzen. Wesentliche Spielaufgabe ist es, Aufträge der Familie Corleone entgegen zu nehmen und diese erfolgreich auszuführen. Hierzu zählen Schutzgelderpressung, Bedrohung, Körperverletzung, aber auch Mord und Totschlag. Als Lohn erhält man nicht nur Geld, sondern auch sogenannte "Respekt-Punkte", die deutlich machen, wie man von den Mafiaclans und den Stadtbewohnern gesehen wird. Je größer der Respekt (Angst, Furcht), desto besser sind die Aufstiegschancen in der Hierarchie der Clans. Punkte erhält man nicht nur durch die erfolgreiche Ausführung von Aufträgen, sondern auch durch gezielte Gewaltattacken gegen feindliche Mafiabanden. Das im Laufe des Spielgeschehens erlangte Geld wird zum Kauf neuer effektiverer Waffen und für die Beschaffung statusadäquater Kleidung verwendet.
Quasi als Bonusziele können neben den eigentlichen Aufträgen noch kleine Nebenjobs erledigt werden, in dem man z. B. Filmrollen aufspürt, Safes mit Dynamit sprengt und jede Menge Banken ausplündert.


Pädagogische Beurteilung:
Die filmähnlich gestaltete Mafiageschichte präsentiert sich als abwechslungsreicher und spannender Genre-Mix mit vielfältigen Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten, der besonders männliche Spieler fasziniert. Vom Spielaufbau erinnert "Der Pate" sehr stark an das Spiel "GTA" (Grand Theft Auto). Hier wie dort bewegt sich die Spielfigur frei durch ein Stadtszenario, kann alle vorhandenen Fahrzeuge bewegen und die Stadt mit kriminellen Machenschaften überziehen. Und hier liegt auch das eigentliche Problem des Spiels. Obwohl das Spielgeschehen vielfältige Relativierungsmomente aufweist und vom Spieler auch strategisches Vorgehen und Kombinationsvermögen fordert, bestimmen die Art der Inszenierungen und die Häufigkeit der Gewalthandlungen und deren Darstellungen eindeutig das Spielgeschehen und werden im Spielverlauf zusätzlich positiv bewertet. Immer wieder kommt es zu kämpferischen Auseinandersetzungen mit Fäusten, Baseballschlägern, Pistolen und Maschinengewehren. Gegner können mit leichten und schweren Faustschlägen, Kopfstößen oder Fußtritten auch dann noch attackiert werden, wenn sie geschwächt am Boden liegen. Weiter können unbeteiligte Passanten geschlagen, eliminiert oder mit dem Wagen überfahren werden. Auch wenn dies nicht explizit gefordert wird, sind dies Normen- und Werteangebote, die in ein Computerspiel für Kinder und Jugendliche einfach nicht gehören. Besondere Beachtung findet in dieser Einschätzung die Tötungsoption von feindlichen und unbeteiligten Spielcharakteren mittels eines sogenannten "Execute-Modus". Dieser Modus präsentiert eine Fülle von Tötungsszenarien (Überfahren, Erschlagen mit anschließendem Genickbruch, Anschießen mit anschließendem Exekutionstreffer, Herunterwerfen des Gegners von einem Hausdach, Erwürgen mit anschließendem Genickbruch), die keinerlei spielerische Relevanz enthalten und dadurch auch keine Vor- oder Nachteile mit sich bringen. Ebenso abzulehnen ist, dass die eigene Spielfigur in der Geschichte umso mehr an positiver Bedeutung gewinnt, je brutaler man mit ihr agiert.

Im Gegensatz zur Filmvorlage, wo die Gewalt als kritische Charakter- und Gesellschaftsstudie präsentiert und zugleich in Frage gestellt wird, bietet das Computerspiel solche Ansätze einer kritischen Auseinandersetzung und Differenzierung nicht an.