Grand Theft Auto (GTA) - Liberty City Stories

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Eidos GmbH
Erscheinungsjahr
2006.07
Systeme
Playstation 2, Playstation 3, Playstation Portable
System im Test
Playstation 2
Kurzbewertung
Weiterer Teil der erfolgreichen GTA Reihe
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung des Spiels:
Bei dem Action-Adventure GTA Liberty City Stories handelt es sich um einen neuen Teil der erfolgreichen "Grand Theft Auto" Reihe, kurz GTA, in der es im Wesentlichen darum geht, einen bestimmten Charakter in einer virtuellen Stadt zu spielen. Fans erleben in "Liberty City Stories" ein Déjà-Vu. Den Handlungsrahmen stellt, wie bereits beim Vorgänger "GTA III", die Region "Liberty City". Das stimmt allerdings nur auf einen ersten Blick, denn zum einen spielt die Geschichte in "Liberty City Stories" zeitlich drei Jahre vor "GTA III", zum anderen erhielt "Liberty City" grafisch ein neues Makeup. Einige der Gebäude, die in "GTA III" bereits fester Bestandteil der Stadt sind, werden in "Liberty City Stories" gerade noch gebaut, und manche Geschäfte befinden sich an anderen Orten. Auch sonst finden alte Hasen schnell den einen oder anderen Unterschied im Detail. Trotz der frappierenden Ähnlichkeit ist Liberty City heute, bzw. im Spiel gestern, eine andere Stadt. Grafisch auf dem neusten Stand der Technik, ist es die Menge an Kleinigkeiten, die das erneute Bespielen der bekannten Kulisse nicht langweilig macht.
Auch in der Story gibt es Übereinstimmungen. Das Spiel erzählt die Geschichte von Toni Capriani, einem Mitglied der Mafiosi Familie Leone. In GTA III konnte man bereits Bekanntschaft mit Toni und seiner Familie machen. Ihm kam eine kleine Nebenrolle als Barbesitzer zu. Nun im Fokus der narrativen Erzählstruktur, gilt es nach einer kurzen Einführungsmission, sich in der von Mafiakriegen, Korruption und Drogenhandel geprägten Liberty City zurechtzufinden. Eine kurze Videosequenz führt den Spieler gut in das oben genannte Spielgeschehen ein.
Toni kann im Verlauf des Spiels verschiedene Missionen annehmen, die ihm in unterschiedlicher Weise weiterhelfen, sei es in Form von Geld, Waffen, Gegenständen oder Anerkennung bei bestimmten Parteien. Immer wieder für unterschiedliche Auftraggeber im Einsatz, arbeitet sich der Protagonist auf diese Weise Stück für Stück höher auf der Karriereleiter der Mafia-Hierarchie. Für wen man dabei arbeitet, reicht von der eigenen Mutter bis hin zum skurrilen Zuhälter. Eines haben jedoch alle Jobs gemeinsam: Streng nach alter Mafiosi Manier geht es immer um krumme Dinger und Gaunereien.
Das Besondere an GTA war, und ist auch in diesem Fall, der immense Aktionsfreiraum, den das Spiel dem Spieler bietet. Die drei bespielbaren virtuellen Inselstädte von "Liberty City" suggerieren dem Spieler ein packendes Gefühl der Handlungsfreiheit. Großflächig angelegt, kann jeder Winkel der Karten befahren oder begangen werden. Auswahl an fahrbaren Untersätzen gibt es ebenfalls ausreichend, denn wer ein echter Mafiosi ist, der kauft sein Auto nicht mit einem Bausparvertrag. Einfach an der Ampel den Besitzer vom Sitz gezogen und schon ist Toni wieder mobil. Gesetzeshüter kommen Ihm dabei selten in die Quere, und falls doch, dann reicht es meistens einmal um den Block zu fahren, um den ihn verfolgenden Streifenwagen abzuhängen.

Im Verlauf des Spiels werden die Missionen immer schwerer, was den Spieler dazu anregt, taktisch klug und überlegt vorzugehen. Nach einigen Stunden stellt sich jedoch, wie bei allen Spielen aus der GTA- Reihe, ein Effekt der Routine ein, da die meisten Aufgaben sich in den Grundzügen stark ähneln. Häufig geht es darum, sich zuerst irgendwo ein passendes Auto zu besorgen, und mit diesem dann zu einem bestimmten Ort in Liberty City zu fahren. Am Ziel angekommen gilt es, entweder befeindeten Gangstern eine Lektion zu erteilen, oder einen bestimmten Gegenstand zu besorgen oder eine Person von A nach B zu fahren. Zur Belohnung gibt es im Anschluss Geld und/oder weitere Aufträge und Anerkennung. In seltenen Fällen beinhalten die Missionen eine abwechslungsreiche Komponente, da das narrative Netzwerk im Spiel überschaubar und auf ein konkretes Ziel hin ausgerichtet ist.
Die Steuerung des Spiels gestaltet sich ergonomisch und intuitiv. Der Spieler findet sich schnell in der Spielwelt zurecht und lernt, die ihm hier zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen und strategisch sinnvoll einzusetzen. Ein Tag-Nacht- und Wetterwechsel suggeriert das Voranschreiten von Zeit, auch wenn es, missionsbedinge Ausnahmen mal abgesehen, kein echtes Zeitlimit gibt. Die Umgebung gestaltet sich gemäß dieser Faktoren unterschiedlich. So können nicht nur bestimmte Missionen nur nachts und andere nur tagsüber ausgeführt werden, sondern auch sonst verändert sich die Umgebung gemäß der jeweiligen Tageszeit und des Wetters. Auf diese Weise gewinnt die Spielwelt ein abwechslungsreiches Gesicht und vermittelt ein Gefühl von Realitätsnähe.

Trotz des immensen Handlungsfreiraums und der mannigfaltigen Auswahlmöglichkeiten, bestimmte Aufgaben auf die unterschiedlichste Weise zu bewältigen, bleibt die inhaltliche Einkleidung des Spiels problematisch. Ungeachtet eines erkennbar ironischen Anstrichs lebt die Handlung im Wesentlichen von einer stereotypischen Ausrichtung. GTA bietet nur oberflächlich einen breiten Entscheidungsspielraum. Bestehen kann nur, wer bestimmten Handlungsmustern folgt, die leider allzu oft auf Gewalt und andere kriminelle Handlungen hinauslaufen. Eine echte Wahlmöglichkeit zwischen moralisch richtigen oder falschen Alternativen stellt das Spiel nicht bereit. Des Weiteren ist es als außerordentlich problematisch zu beurteilen, dass das Spiel auf keiner Ebene, weder einer gesetzlichen, noch moralischen Ebene, gewalttätige oder unsoziale Verhaltensweisen ahndet. Zwar gibt es im Spiel eine "Polizei", die auch in bestimmten Situationen einschreitet. Einen echten Hinderungsgrund stellt diese aber nicht dar, da bei erfolgreicher Festnahme, z.B. nach einem Autodiebstahl auf offener Strasse, im Spiel nichts weiter passiert, als das der Spieler sich auf einen neuen Anfangspunkt vor der Polizeiwache wieder findet, und er zur Strafe einen kleinen Geldbetrag zu zahlen hat. Das Spiel verleitet geradewegs dazu, ganz bewusst illegale Handlungen auszuführen. Zuletzt ist noch anzumerken, dass "Liberty City Stories" sicher mit einer guten Portion Ironie versehen wurde. Die gesamte Aufmachung des Spiels spiegelt auf satirisch- klischeehafte Weise eine durch Medien und Konsum geprägte amerikanische Kultur wider. Hier ist allerdings individuell zu beurteilen, inwieweit Jugendliche ab 16 Jahren in der Lage sind, diesen Aspekt zu erkennen und zu bewerten.

Pädagogische Beurteilung:
Aufgrund der Tatsache, dass im Fall von "GTA Liberty City Stories" ein bereits bekanntes Konzept eine neue Einkleidung erhalten hat, verweisen wir an dieser Stelle auf die pädagogische Beurteilung des Vorgängers "GTA San Andreas". Hier finden sich weitere Informationen zur Wirkungsweise des Spiels.