Anstoss 2007

Genre
Simulation
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Trend Verlag
Erscheinungsjahr
2006.08
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
komplexer Fußballmanager mit einer Prise Humor
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung des Spiels:
Im Jahr 1993 veröffentliche die Firma Ascaron mit dem Titel "Anstoss" den ersten Teil der bekannten Fußballmanager-Reihe. Vergleicht man das aktuelle "Anstoss 2007" mit seinem Vorgänger, so stellt man zunächst fest, dass sich am grundlegenden Spielprinzip nicht viel geändert hat. Aufgabe des Spielers ist es, als Cheftrainer und Manager in einer Person, einem Fußballclub zu sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg zu verhelfen.
Am Spielbeginn steht die Auswahl eines Fußballclubs, oder die Verhandlung mit einen trainerlosen Vereinen. Ist der Arbeitsvertrag unterschrieben, findet der Spieler sich in seinem virtuellen Büro wieder, von wo aus er den gewählten Verein führt und managet. Die zu bewältigen Aufgaben sind vielfältig. Neben seiner Funktion als Trainer muss sich der Spieler auch um die Gehälter, die Transfers, das Saisonbudget, die Angestellten, den Stadionausbau, die Jugendabteilung und viele andere Bereiche kümmern. In Verhandlungen mit dem Präsidenten und Sponsoren geht es darum, eine möglichst gute Finanzbasis für die Saison zu schaffen, um eine erfolgreiche Mannschaft aufbauen zu können. Sportliche und wirtschaftliche Erfolge und Misserfolge wirken sich unmittelbar auf das Renommee des Trainers und das des Vereins aus. Diese Bewertung des Erfolgs des Spielers durch ‚Renommee’ ist eine Neuerung in der 2007er Version von "Anstoss". Ein hoher Renommeewert erhöht z.B. die Chancen bei Spielerverpflichtungen auf dem Transfermarkt oder bei Verhandlungen mit dem Präsidenten. Zudem hat es Einfluss auf den Ruf des Trainers, der mit steigendem Renommee attraktiver für andere Vereine wird, die dann gegebenenfalls versuchen, den Spieler zu einem Übertritt in ihren Verein zu bewegen.
Der Schwerpunkt von "Anstoss 2007" liegt jedoch nach wie vor in der sportlichen Betreuung einer Fußballmannschaft. Jeder Spieler hat sowohl sportliche wie auch charakterliche Eigenschaften, die es bei der Aufstellung der Mannschaft zu berücksichtigen gilt. Stellt man z.B. zu viele "Nervenbündel" auf, darf man sich nicht darüber wundern, wenn die Mannschaft in den letzten Minuten eines Spiels keine Tore mehr erzielt. Durch spezielles Training und virtuelle Einzelgespräche kann der Spieler Einfluss auf diese Eigenschaften nehmen. Als Bonus wird das Spiel als Jubiläumsversion auf zwei DVDs, zusammen mit seinen drei Vorgängern ausgeliefert.


Pädagogische Beurteilung:
Schnell fiel unseren Testern auf, dass die Verkaufsversion zahlreiche logische und technische Fehler enthielt, die dass Spiel fast unspielbar machten. Erst nach der Installation des zweiten Patches, der auf der Herstellerseite kostenlos herunter geladen werden kann, lief das Spiel endlich stabil, enthielt aber immer noch viele "Bugs" (Fehler in der Software), die den Spielspaß deutlich sinken ließen. Die zweite Enttäuschung erlebten die Tester gleich zu Beginn des Spiels bei der Vereinswahl. Anstelle der echten Bundesligavereine stehen in "Anstoss 2007" aufgrund fehlender Lizenzen nur fiktive Vereine und Spieler zur Auswahl. Dieser Punkt senkte bei den Jugendlichen gleich zu Beginn des Spiels die Motivation. "Ohne die richtigen Namen kommt keine richtige Stimmung auf!" (Spieler, 15) Das Regelwerk und das Ligasystem der DFL wurden dagegen ohne Veränderungen übernommen.
Zu Beginn eines Spiels lässt sich der Schwierigkeitsgrad in drei Stufen regeln und die Möglichkeit der Vereinswahl in drei Stufen festlegen. Sowohl Anfänger als auch absolute Experten des Genres hatten somit die Möglichkeit, einen für sie passenden Schwierigkeitsgrad zu bestimmen. Einige Aufgaben lassen sich an den Computer übergeben, was die Komplexität des Spiels deutliche reduziert, ohne jedoch das Gefühl von vollständiger Handlungsfreiheit zu vermitteln. Unsere jugendlichen Tester machten gerne von dieser Option Gebrauch. "Ich habe einfach keine Lust, mich sogar um die Eintrittspreise zu kümmern!" (Spieler, 13)
Die Steuerung erfolgt genretypisch fast ausschließlich mit der Maus und wurde von den Testern durchweg gelobt. Auch Einsteiger fanden sich durch die windowsähnlich aufgebauten Menüs im virtuellen Büro schnell zurecht.
Aufgrund der vielen Informationen, die in jedem Bereich zur Verfügung stehen, war ein wirklich strategisches Vorgehen von Begin an nur für Kenner des Genres möglich. Die Wechselwirkung der einzelnen Spielbereiche ist sehr vielfältig. Gerade jüngeren Spielern fiel es schwer, hier den Überblick zu behalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen. So bedurfte es doch einiger Einarbeitungszeit und etlichen Blicken ins umfangreiche Handbuch, bis sich der Erfolg mit dem eigenen Verein einstellen wollte. Für Jugendliche mit wenig Geduld und Ausdauer ist "Anstoss 2007" durch seine Komplexität, Textlastigkeit und Spiellänge deswegen nur wenig empfehlenswert.
Grafisch gestaltet sich "Anstoss 2007" abwechslungsreich. Die comicartigen Fußballgesichter, das Markenzeichen der Anstoss-Serie, lockern die Grafik an vielen Stellen auf und vermeiden somit, dass durch die vielen Tabellen die Atmosphäre einer Buchhaltungssoftware entsteht. Mit einem Engagement bei einem größeren Verein verändert sich z.B. auch das optische Erscheinungsbild des Arbeitsplatzes. Der Stadionausbau erfolgt in einer 3D Umgebung, die jedoch von den jugendlichen Testern als aufgesetzt und überflüssig bewertet wurde, da die Platzierung der Gebäude keinen Einfluss auf ihre Funktionalität hat.
Der Verzicht auf die 3D-Spielszenen in Echtzeit, die beim Vorgänger noch integriert waren, wurde von den Jugendlichen besonders bedauert. "Es war ja gerade witzig, sich das Spiel auch anschauen zu können und wirklich zu sehen, was man gerade verändert hat!" (Spieler, 15)
Sehr positiv wurde von den Testern der Anstoss-typische Humor, der seit der ersten Version ein Markenzeichen der Reihe ist, bewertet. So gibt es z.B. humorvolle Radiosendungen, Anrufe von berühmten Persönlichkeiten, stimmungsvolle Halbzeitansprachen und die Möglichkeit einen "John Smith" zu kontaktieren, um sich mit illegalen Mitteln Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. An dieser Stelle muss allerdings auch die Frage erlaubt sein, ob in einem Spiel, das sich auch an Kinder und Jugendliche wendet, ein comicartiger Pin-Up Kalender an der Wand hängen muss, den man per Mausklick auch noch vergrößern kann.
Der Mehrspielermodus wurde von unseren Testern sehr positiv bewertet. Es machte ihnen einfach mehr Spaß, im Konkurrenzkampf mit menschlichen Mitspielern zu stehen. Negativ äußerten sie sich über den Verzicht des Hot-Seat-Modus, indem man mit mehreren Spielern an einem PC spielen kann. So müssen für eine Mehrspielerrunde immer mehrere PCs und Anstoss-Versionen vorhanden sein. "Gemeinsam an einem PC zu spielen macht doch viel mehr Spaß, als wenn jeder an seinem Rechner sitzt!" (Spieler, 14)
Vom Fußballmanager "Anstoss 2007" fühlten sich ausnahmslos männliche Jugendliche angesprochen, die alle ein Interesse an Fußball bekundeten. Durch seine Komplexität und enorme Spieldauer eignet sich das Spiel insbesondere für ältere Spieler ab 14 Jahren.