Tomb Raider: Underworld

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Eidos
Erscheinungsjahr
2008.11
Systeme
PC, Playstation 2, Playstation 3, Xbox 360, Wii, Nintendo DS
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Spannendes Rätsel-Abenteuer, mit technischen Macken
Autor
Kadir Yilanci
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Über Lara Croft noch etwas Neues zu erzählen ist kaum noch möglich. Sie ist neben dem Klempner Mario die Ikone der Videospielkultur und genießt seit ihrem erscheinen 1996 Kultstatus. Nach den grandiosen ersten beiden Teilen schwächelte die Serie und konnte erst wieder mit dem letzten Teil "Legends" die Fangemeinde überzeugen. Auch in ihrem nunmehr achten Abenteuer "Tomb Raider: Underworld" jettet die schöne Archäologin Lara Croft durch die halbe Welt um Artefakte zu finden. Diesmal geht sie auch wieder Hinweisen auf den Verbleib ihrer verschollenen Mutter nach. 

Zu Beginn des Spiels muss Miss Croft mit ansehen, wie das Anwesen ihrer Aristokratenfamilie durch eine große Explosion zerstört wird. Nun übernimmt der Spieler die Figur und versucht die Dame aus dem brennenden Schloss zu führen. Die Einleitung dient als Tutorial, in der die grundlegenden Funktionen des Spiels wie springen, ducken und insbesondere klettern erklärt werden. Der Einsatz des Wurfhakens wurde verbessert, so dass sich nun damit Türen öffnen, Gegenstände bewegen und sich Lara auch wie Tarzan über Abgründe schwingen kann.

Nur mit Mühe und Not schafft sie es aus dem brennenden Schloss zu entkommen, nur um sich in einer neuen Gefahr wiederzufinden. Ihr Mitarbeiter und Freund Zip beginnt plötzlich auf sie zu schießen! An dieser Stelle wechselt das Spiel wie in einem Film plötzlich die Zeitebene und setzt eine Woche vorher wieder ein. Lara Croft ist auf einem Boot im Mittelmeer unterwegs und bereitet einen Tauchgang vor. Gerade kommuniziert sie über Videochat mit Zip. Keine Sorge, die Feindseligkeit des Mitarbeiters wird im späteren Verlauf der Geschichte aufgeklärt. Diesmal bewegt sich Lara Croft in der nordischen Götterwelt und sucht nach Thors Hammer im Nordmeer, aber auch in umpassenden Gebieten wie Mexico und Thailand.

Pädagogische Beurteilung:
"Tomb Raider: Underworld" ist ein Action-Adventure, wobei die Betonung auf Adventure, also das Erkunden von Gebieten und das Lösen von Rätseln liegt. Trotz umfangreichem Waffenarsenal sind die Action-Anteile von Tomb Raider serientypisch (angenehm) gering gehalten. Das merkt der Spieler schon in der ersten Spielstunde, wo höchstens die Harpune gegen Haie eingesetzt werden muss. Auch die späteren Scharmützel gegen Schurken, sowie gegen Raubtiere sind nur Beiwerk, was der Spieler leider an der Dynamik der Schießereien erkennt. Sie sind durch die automatische Zielerfassung und die mäßige Intelligenz der Gegner selten spannend und herausfordernd wie beispielsweise in dem Playstation 3 Spiel "Uncharted: Drakes Schicksal" (USK16). So gehen in diesem Titel Gegner und auch der Protagonist in Deckung. Das hätte aber wahrscheinlich eine höhere USK zur Folge. Wer also auf Action aus ist, wird bei dem Titel "Tomb Raider: Underworld" enttäuscht werden. Alles in allem ist durch die Rätselorientierung der Gewaltfaktor des Spiels gering gehalten und somit für die anvisierte Zielgruppe ab 12 Jahren unproblematisch.

Das Spiel bezieht seine Spannung also weniger von den Action-Sequenzen, sondern aus dem Erforschen der Umgebung, den Klettereinlagen und aus den zum Teil sehr kniffligen Rätseln, die allerdings selten auf Anhieb gelöst werden können. Für ungeduldige oder unerfahrene Naturen kann das Spiel die Geduld auf die Probe stellen. Das haben wir in der Bücherei gemerkt, als einige Jugendliche, die vorher keine Erfahrung mit Rätselspielen hatten, auf Anhieb nicht wussten, welche Aufgabenstellung von ihnen erwartet wurde und schon im Anfangslevel nach langem Tauchen wieder erfolglos an die Wasseroberfläche geschwommen sind. Hier setzt das Spiel eine gewisse Erfahrung voraus. Zumindest beim ersten Rätsel wäre eine bessere Erklärung für Anfänger hilfreich gewesen. Tomb-Raider-erfahrene Spieler gehen allerdings in den Rätseln richtig auf und es macht ihnen Spaß zu knobeln. Ebenfalls bei der Geschichte haben es sich die Entwickler zu einfach gemacht und setzen Wissen aus dem siebten Teil Legend voraus. Schön gewesen wäre es, die Ereignisse aus dem Vorgänger in einem kommentierten Intro zu präsentieren. Das im Menü vorhanden Video des Vorgängers ist leider nur ein kommentarloser Zusammenschnitt und damit wenig hilfreich die Zusammenhänge zu verstehen.

Der nächste Schwerpunkt des Spiels liegt auf das Klettern. In den letzten Monaten und Wochen sind einige gute Kletterspiele wie bspw. "Assasin's Creed", "Mirror's Edge", "Uncharted" (Alle USK 16) sowie das neue "Prince of Persia" (USK12) herausgekommen. Während jedoch die Figur bei "Assasin's Creed" sich so ziemlich frei bewegen und klettern kann, ist in "Tomb Raider: Underworld" die Kletterroute vorgegeben, die allerdings nicht immer ersichtlich ist. Das liegt daran, dass der Spieler manchmal nicht erkennt, wo der nächste Haltepunkt liegt. Besonders in dunklen Räumen ist das der Fall, so dass Lara öfters ins Leere springt. Auch hier ist bei den Spielern Stressresistenz gefragt. Die Entwickler hätten die Haltepunkte besser von der Umgebung hervorheben sollen. Als Positivbeispiel ist wieder "Uncharted" zu nennen. Allerdings lag schon immer bei der Tomb Raider-Serie der Reiz darin, die Kletterroute selber zu finden.

Was leider die spannenden Kletter- und Sprungeinlagen mehr trübt, ist die schlechte Kameraführung des Spiels besonders in geschlossenen Räumen. Zunächst einmal hängt die Kamera zu nahe an Lara Croft. Sie klebt förmlich an der schön gestalteten Figur, jedoch mit dem Nachteil, dass die Spielumgebung schlechter wahrgenommen wird. Auch das Nachjustieren mit dem rechten Analog-Stick bringt recht wenig. Mit einer weiter entfernteren Kameraeinstellung wäre es dem Spieler möglich gewesen, vorausschauender zu agieren. Das die Kamera zu nah an der Figur stand, bemängelten übrigens die durchweg männlichen Tester gar nicht. Jedoch fiel der Testgruppe unangenehm die Kameraführung bei Sprungeinlagen in engen Räumen auf. Die Kamera dreht sich manchmal nach einem Sprung so wirr um die Figur, dass für einen kurzen Moment Orientierungslosigkeit beim Spieler herrscht. Eine Nachjustierung mit dem Kamerastick ist selten möglich.

Die grafische Gestaltung des Spiels ist sehr Beeindruckend. Verlassene Tempelanlagen inmitten einer üppigen Flora und Fauna ziehen den Spieler förmlich an, die schöne Umgebung näher unter die Lupe zu nehmen. Auch die musikalische Untermalung ist gelungen und erzeugt an den richtigen Stellen Spannung, wie in einem Film. Lobenswert ist außerdem die gute Synchronisation des Spiels, was leider bei der Lokalisierung von Videospielen nicht immer der Fall ist.

Fazit:
Wie so oft bei Serienfortsetzungen, besonders von Kultspielen, lagen die Erwartungen der Fangemeinde recht hoch. Und wie so oft ist das neueste und heiß ersehnte Lara-Croft-Abenteuer "Underworld" im Endergebnis, besonders wegen technischen Mängeln, nicht der erhoffte Knaller geworden, ist aber für Fans der Serie und des Genres ein Muss, zumal ähnlich gelagerte Titel rar sind. Diese werden an dem rätsellastigen Spiel ihre helle Freude haben. Anfänger brauchen etwas Geduld, um sich an Spielmechanik zu gewöhnen, sollte aber für Jugendliche ab 12 Jahren kein Problem darstellen.

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daddelBIB Stadtbücherei Neukirchen-Vluyn ü12
Bewertung Spielspass