Tron - Evolution

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Disney
Erscheinungsjahr
2011.01
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Playstation Portable, Nintendo DS
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Vernünftige Grafik & guter Sound, aber schwache Geschichte & einfallslose Missionen
Gruppenleiter
Hendrik Schmitz
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Schon wieder ein Actionspiel....
Wo bei den meisten modernen Filmen und Büchern die Bedrohung einer einzelnen Person ausreicht, um eine interessante, spannende und universelle Geschichte zu erzählen, steht in modernen Games das Schicksal ganzer Länder, Kontinente, ja sogar Planeten und Universen auf dem Spiel – Deren Entwickler schöpfen beim Entstehungsprozess ihrer Plots eben gerne aus den Vollen. „Tron - Evolution", das Spiel zum bekannten Film, entwirft ebenfalls eine Welt mit eigenen Naturgesetzen und Wesen, nur um sie zu Beginn der Geschichte an den Rand des Zusammenbruchs zu führen. Aber im Gegensatz zu den klassischen Fantasy-Welten, wie wir sie aus „Diablo", „Tales of Vesperia" oder der „Final Fantasy"-Reihe kennen, spielt sich die Geschichte von „Tron - Evolution" nicht nur auf dem Bildschirm des Computers, sondern gleich in dessen Inneren ab. In einer Welt aus Bits und Bytes, die von Programmen in Menschenform bewohnt wird, droht das Böse in Form von Schadsoftware die Herrschaft an sich zu reißen. Unser Held, eine Art humanoides und extrem wehrhaftes „Anti-Virus"-Programm, wird damit beauftragt, die dunklen Schergen und ihren Chef „Abraxas" zurück zu schlagen. Ausgerüstet ist er dabei mit einer Laserdisc, die er je nach Bedarf als Schlag- oder Wurfwaffe nutzen kann, beeindruckenden körperlichen Fähigkeiten und dem Wissen, dass bei seinem Versagen eine komplette Welt von den bösen Programmen assimiliert wird.

Pädagogische Beurteilung
Wenn Sie darüber nachdenken sollten, ihrem Kind (in diesem Fall wahrscheinlich Ihrem Sohn) ein Action-Spiel wie „Tron - Evolution" zu kaufen, gibt es zwei Fragen, über die Sie sich Gedanken machen können.

1. Gibt es in dem Spiel Szenen, seien es Gewalt-, Sex- oder Horrorszenarien, die auf Ihr Kind verstörend wirken können? Und wenn ja, sind diese für ein Kind von 12 Jahren ( „Tron - Evolution" hat eine USK 12 - Einstufung erhalten) tragbar?

2. Beschränkt sich das Spiel darauf, den Spieler mit einer nicht enden wollenden Reihe von Feinden zu konfrontieren, die es zu erledigen gilt, oder gibt es über diese „Standard-Action" hinaus noch Elemente, die dem Spiel einen besonderen Charakter verleihen? Anders: Verlangt das Spiel dem Spielenden mehr ab als stupides Tasten-Drücken?
Diese zwei Fragen bildeten für unsere Spiele-Tester die Grundlage der folgenden Kritik.

Zu 1: Die Macher von Konsolenspielen beginnen ihre Arbeit mit einer Vision vom Endprodukt, die alles, von der Steuerung bis zur Grafik, von der Geschichte bis hin zur angestrebten Altersfreigabe beinhaltet. Action-Spiele mit USK 18 locken die Spieler meist mit spektakulärer, expliziter und mehr oder weniger realistischer Gewalt vor die Bildschirme. Der Ansatz ist hier so simpel wie effektiv. Der Spieler kämpft sich durch Horden von Feinden und der Kick des Spiels (das, was den Spielenden vor dem Bildschirm hält) kommt dabei vom Schaden ihrer beeindruckenden Waffen, dem Blut, dem Machtgefühl und der detailreichen Grafik. Action-Spiele ab 12 Jahren können diesen Ansatz nicht verfolgen. Explizite Gewalt und Realitätsnähe ergeben fast automatisch eine Hochstufung bei der USK - die logische Konsequenz ist, dass andere Schwerpunkte gefunden werden müssen. „Tron - Evolution" ist ab 12 Jahren freigegeben und unsere Spiele-Tester waren gespannt, mit was für "schlagkräftigen" Argumenten die Macher ihr Spiel zu etwas "Besonderem" machen wollen.
Wir steuern unseren Helden durch die fantastische Welt des „Tron"-Universums, eine Art Hardware-Universum mit blinkenden Leuchtdioden und Laserstrahlen, die von Programmen und „Isos", frei denkenden Bewohnern, besiedelt ist. Kämpfe sind auf unserem Weg zahlreich, und so soll es bei einem Action-Spiel ja auch sein. Man tritt, schlägt und schießt wild um sich. Geschickt haben sich die Macher von „Tron - Evolution" um die Frage der „realen Gewalt" gedrückt, indem sie einfach erklären: Es gibt im ganzen Spiel keinen einzigen Menschen. Alle Lebensformen, gut oder böse, sind, trotz ihres sehr menschlichen Erscheinungsbildes, Bewohner einer digitalen Welt, also Programme, Einsen und Nullen und nicht Fleisch, Blut und Gefühle. Was in der Theorie logisch und interessant klingt, erinnert in der Praxis allerdings an ein durchweg gewöhnliches Action-Spiel mit Menschen in futuristischen Gewändern. Der einzige sichtbare Unterschied zwischen den bösen Programmen und den bösen Menschen aus anderen Spielen dieser Art ist, dass die besiegten Gegner nicht zu Boden zu gehen sondern in tausend Teile zerspringen. Wäre „Tron - Evolution" ein Ego-Shooter, also aus der Ich-Perspektive erzählt, wären die Macher nach Meinung unserer Tester nicht um eine USK 16 - Freigabe herum gekommen. Zu fokussiert ist das Spiel auf die Zerstörung, viel zu wenig Abwechslung in Form von Denkaufgaben oder ähnlichem wird geboten. Da die Kamera allerdings über dem Geschehen schwebt und man dadurch die Einschläge und die Zerstörung der Attacken nicht unmittelbar miterlebt, bleibt auch der Spielende dem Geschehen fern. Die USK 12 - Freigabe ist also nach Meinung unserer Tester-Gruppe gerechtfertigt.

Zu 2: Wie man bereits der Punktevergabe und auch ein wenig dem oben Stehenden entnehmen kann, stand unsere Tester-Gruppe „Tron - Evolution" nach Abschluss der Testphase kritisch gegenüber. Denn trotz geschickter „Gewalt-Verminderung" (s.o.) haben sich die Macher wenig einfallen lassen, um den Action-Fan über eine längere Spielzeit bei Laune zu halten. Die Steuerung ist, wie befürchtet, simples Tasten-Drücken. Missions-Gestaltung, Grafik und Erweiterungsmöglichkeiten der Hauptfigur sind einfallslos und tausendfach in anderen Spielen gesehen. Zwar kann man mit gewonnenen „Credits" die Waffen und die Stamina des namenlosen Helden verbessern, upgraden und so seine Effektivität erhöhen, allerdings verließ dank einer mittelmäßigen Intelligenz von Gegner und Storyline unsere Spiele-Tester trotzdem schnell die Lust auf „Tron - Evolution". Kurz zusammengefasst: Nach einem gelungenen Tutorial wird der Spieler auf eine Reise geschickt, bekämpft gelb-blinkende Gegner, hüpft über Abgründe und darf ein paar Mal in einem futuristischen Motorrad bzw. Panzer Platz nehmen. Alles in allem ist das Spiel allerdings ein relativ gewöhnliches Erlebnis, welches an vielen Stellen stark an andere Action-Spiele aus dem gleichen Hause erinnert. Es scheint so, als hätten die Macher von „Tron - Evolution" die Blaupause eines anderen Spieles aus dem Regal genommen, ein paar blinkende Lichter und Gesichtsmasken für die Figuren eingefügt (um damit zu verdeutlichen, dass es sich bei ihnen natürlich nicht um Menschen handelt) und das Spiel dann so auf den Weg in die Läden geschickt. Reicht das aus das Geld zu rechtfertigen, das Sie beim Kaufen auf den Tisch legen sollen? NEIN!, entscheiden unsere Spiele-Tester: „Eine Firma, die potentielle Käufer eines Spiels nur mit dem Namen eines erfolgreichen Filmes locken will, ohne viel Arbeit in die Einzigartigkeit desselben zu stecken, sollte nicht belohnt werden!"

Fazit:
Ein besonderes, einzigartiges und fantasievolles Spiel sieht anders aus. Relativ spektakulär, grafisch vernünftig umgesetzt doch weitgehend sinnfrei kämpft, hangelt und hüpft sich der Spieler durch die Welt, drückt wild auf Tasten herum und erledigt so Unmengen von gelb-blinkenden Gegnern. Ein Spiel ab zwölf Jahren? Ja, wahrscheinlich - Ein Spiel, dass jeder im Regal haben sollte? Nein, eher nicht!

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass