Uncharted 3: Drakes Deception

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2011.10
Systeme
Playstation 3
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Einladendes Abenteuer, um eine spannende und abenteuerliche Schatzjagd
Autor
Kadir Yilanci
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Nathan Drake und Sully, sein Freund und Mentor sind in einer Londoner Kneipengegend unterwegs, aber natürlich nicht, um gemütlich ein Ale zu trinken. Sie wollen mit zwielichtigen Gestalten ein Geschäft abschließen und einen Ring von Nathans Vorfahren, den Seeräuber und Weltumsegler Sir Francis Drake verkaufen. Da wir uns in einem Action-Adventure befinden, geht die Transaktion erfahrungsgemäß schief und unsere Helden liefern sich anschließend eine wüste Kneipenschlägerei in bester Wild-West-Manier. Nach vielen blauen Bohnen können sich die Beiden durch die Hintertür des Pubs in eine Seitengasse retten, werden aber hier von weiteren Handlangern festgenommen. Die Szenerie betritt der Kopf der Bande, eine äusserst unsympathische Person. Nach einem kurzen Wortwechsel werden Nate und Sully eiskalt erschossen und im Straßengraben liegen gelassen.

Das Spiel unternimmt nach dieser Einleitung eine kleine Reise in die Vergangenheit der beiden Helden nach Cartagena, Kolumbien und beleuchtet ihre Beziehung etwas genauer. Nathan Drake hatte schon als Jugendlicher eine sehr ausgeprägte Affinität für archäologische Artefakte, insbesondere die, die etwas mit Sir Francis Drake zu tun haben. In einem Marinemuseum sucht der junge Nate nach Hinweisen und bemerkt, dass er nicht der Einzige ist. Ein (noch) unbekannter Schnauzbartträger hat offensichtlich ebenfalls großes Interesse an einem Ring in einer Vitrine des Museums. Nathan folgt dem sichtlich verjüngten Sully, der mit einer skrupellosen Sekte und dem noch skrupelloseren Kopf aus der Einleitung zusammenarbeitet. Es kommt wie es kommen muss. Das Treiben der mysteriösen Schlipsträger wird Sully zu viel, der dem Jungen zur Flucht verhilft, nachdem dieser den Ring aus dem Museum stibitzt hat.

Mit dem Ring schließt sich der Kreis zur Einleitung des neuen Abenteuers "Uncharted 3: Drake's Deception". Die beiden Schatzsucher sind natürlich nicht wirklich tot. Was es aber mit diesem Ring auf sich hat und was Lawrence von Arabien mit Sir Francis Drake zu tun hat, erfahren Spieler und Zuschauer noch in dem filmreifen Titel, der wie schon die beiden Vorgänger "Uncharted: Drakes Schicksal" (Test von Uncharted) und "Uncharted 2: Among Thieves" (Test von Uncharted 2) Fans von Abenteuer-Spielen auf eine Schatzsuche um die halbe Welt in exotische und spektakuläre Schauplätze wie den Londoner Untergrund, eine Burgruine in Frankreich, einer Zitadelle in Damaskus oder besonders gut gelungen in die Wüste schickt, wie damals Lawrence von Arabien.

Pädagogische Beurteilung:
Abwechslungsreiches Spielprinzip
Das Abenteuer um den Schatzsucher und Hobby-Archäologen Nathan Drake kombiniert viele unterschiedliche Spielelemente und macht die Jagd nach dem Geheimnis von Sir Francis Drake besonders spannend und abwechslungsreich. Spieler müssen die Umgebung nach neuen Durchgängen, Wegen und Klettermöglichkeiten erkunden. Die Level, malerisch und schön gestaltet, sind allerdings zu Gunsten der filmreifen Inszenierung recht linear ausgefallen. Dazu später mehr. Alternative Wege finden sich daher eher nicht. Die Figur wird mit dem linken Analog Stick gesteuert, der rechte Stick übernimmt die Kamerasteuerung. Mit der X-Taste werden Hindernisse übersprungen oder die Figur erklimmt so Mauern und Felsvorsprünge. Die Steuerung ist sehr komplex, einige Tasten sind kontextsensitiv mindestens doppelt belegt. Beim Klettern wird die Figur mit der Kreis-Taste fallen gelassen. Beim Laufen hingegen dient die Taste dazu, in Deckung zu gehen. Während eines Faustkampfes muss zudem die Kreistaste mehrmals gedrückt werden, um sich aus der Umklammerung eines Gegners zu lösen. Bei den Scharmützeln mit automatischen Feuerwaffen wird mit der linken Schultertaste L1 angelegt und geschossen mit der rechten oberen Schultertaste R1. Einige dieser Aktionen müssen sogar kombiniert werden, wenn bspw. während einer Kletteraktion Gegner mit einem nervösen Zeigefinger erscheinen. Alles in allem gestaltet sich die Steuerung für Anfänger schwierig, ist aber mit einiger Übung dennoch zu meistern. Der Gewaltgrad hält sich im Rahmen, bei Treffern erscheint weniger Blut, als bei den Vorgängern. Jugendliche ab 16 Jahren können die hier gezeigten Action-Sequenzen in der Regel als Fiktion einordnen.

Neben den Kampfeinlagen ist das Klettern ein wichtiges Spielelement. Oft brechen Vorsprünge oder Balken weg und sorgen für einen Adrenalinschub. Noch spannender wäre es allerdings gewesen, wenn die Entwickler von Naughty Dog zeitkritische Kletteraktionen oder zumindest eine Ausdaueranzeige eingebaut hätten. Zwar kann Drake auch mal einen Sims nicht erwischen und herunter fallen, aber prinzipiell kann er ewig hängen. Im Vergleich zu den Vorgängern glänzen Klettervorsprünge nicht mehr auf und machen die Aktionen etwas fordernder, besonders in Action-Sequenzen, da die Kletterroute erst einmal gefunden werden muss, während bspw. ein Gebäude an die Grenzen seiner Statik kommt und zusammenbricht.

Fordernder sind auch die Rätsel in dem 3. Teil ausgefallen, was vielen Fans der "Tomb Raider" Reihe entgegen kommen dürfte. Zwar erreichen die Rätsel nie ein Kombinieren um mehrere Ecken wie bspw. in "Tomb Raider: Underworld" (Test von Tomb-Raider: Underworld), machen aber Spaß und bringen, wie auch die vielen Schleicheinlagen, eine willkommene Abwechslung zu den Action-Passagen. Ansonsten hat sich im Vergleich zu dem hervorragenden Vorgänger wenig getan, den zu toppen aber im Prinzip auch schwer gewesen wäre. Die Faustkämpfe sind etwas dynamischer geworden, Handgranaten können nun zurück geworfen werden und Gegner klettern schon mal hinter einem her. Im Vergleich zu anderen Spielern ist die Intelligenz der Gegner gut gelungen, oft trüben aber ziellos umherlaufende Schurken diesen Eindruck.

Ein Abenteuer-Spiel-Film
Die Spiele Serien "Tomb Raider" und "Uncharted" führen die Tradition von Abenteuer-Filmen fort, die wiederum von Abenteuer-Romanen, wie die von Daniel Dafoe (Robinson Crusoe) oder Alexandre Dumas (Der Graf von Monte Christo) inspiriert wurden. Sujets in diesen Filmen oder Werken sind der Kampf Gut gegen Böse, Rache, Liebe, Überlebenskampf und insbesondere die Suche nach Ruhm und Ehre (und nach unermesslichen Reichtühmern). Besonders in den Anfängen des Kinos in den 1920er und 1930er Jahren zeugen viele Zorro-, Tarzan-, oder Piratenfilme von der Lust des Zuschauers an exotischen Abenteuern. Anfang der 1980er Jahre wurde dieses Sub-Genre mit den Indiana Jones Filmen wiederentdeckt. Ein sympathischer und unerschrockener, aber verletzlicher Held liefert sich ein Kopf an Kopf Rennen um einen geheimnisvollen Schatz, der oft mystische Kräfte besitzt.

Typisch bei Abenteuerfilmen ist, das der Held bei seinen Kämpfen gegen die Schergen des Bösen in haarsträubende und spektakuläre Situationen gerät, denen er nur mit allergrößter Mühe und manchmal auch mit viel Glück entkommt. So müssen in "Uncharted 3" Nathan Drake und Sully einer brennenden Burgruine entkommen, Nate kämpft sich einen Weg durch einen wankenden Schiffsfriedhof oder muss später einem sinkenden Seelenverkäufer in Seitenlage entkommen. Besonders spektakulär ist der Kampf im Schlepptau eines fliegenden Transportflugzeuges, aufgrund nicht ordnungsgemäß verzurrter Ladung, gelungen. An vielen Stellen merkt man dem Spiel allerdings an, dass die Entwickler die spektakuläre Action zu Lasten einer stringenten Dramaturgie geopfert haben. Warum sonst trachten Schurken in dem brennenden Schloss oder dem sinkenden Schiff Nathan Drake immer noch nach dem Leben, statt sich instinktiv in Sicherheit zu bringen?

Zum filmreifen Ambiente trägt aber nicht nur die Action bei. "Uncharted 3" ist ein gelungener Mix aus Kameraführung, Soundtrack, Zwischensequenzen, witzigen Dialogen und den sehr menschlich gestalteten Charakteren, allen voran Nathan Drake. Alleine die Körperbewegungen strotzen nur von zahlreichen Details. Mal wischt sich Nate Schweiß, mal Fliegen aus dem Gesicht, legt beim Durchgehen seinen Arm an Türen an oder sieht sich interessiert die Umgebung an. Die Gesichtszüge der Figuren sind im Vergleich zum Vorgänger jedoch etwas härter und strenger ausgefallen. Ob die Entwickler damit vielleicht beabsichtigt haben, die Charaktere älter zu gestalten, ließ sich nicht herausfinden. Die deutsche Synchronisation ist gut gelungen, reicht aber nicht an die stimmigeren englischen Stimmen heran. Wer möchte kann die USK Version des Spiels neben Deutsch und Englisch in acht weitere Sprachen wie Französisch, Spanisch oder Türkisch umstellen.

Das kooperative Spiel
Wie schon beim Vorgänger wurde wieder ein Mehrspielermodus eingebaut, der sich in die Bereiche kompetitiv und kooperativ gliedert. Über ein Heimnetzwerk oder über das Internet können die bekannten kompetitiven Varianten Deathmatch (Jeder gegen Jeden), Team Deathmatch oder Plündern, einer Art Capture the Flag mit einem Schatz, gespielt werden. Durch Siege im Online-Multiplayer bekommen Spieler eine virtuelle Währung, die in neue Waffen oder in Spielvorteilen, Booster genannt, investiert werden können. Bspw. kann die Figur schneller laufen, sich unsichtbar machen oder mehr Waffen mit sich tragen. Um allerdings über das Playstation Netzwerk Online zu spielen, muss ein dem Spiel beigelegter Code eingegeben werden, der bei Gebraucht- oder Verleihspielen vermutlich schon verwendet wurde. In diesem Fall müssen Spieler einen neuen Online Pass für 10 Euro im Playstation Shop erwerben. Hintergrund: den Herstellern ist der private und besonders der professionelle Gebrauchtmarkt ein Dorn im Auge. Da der Verkauf von gebrauchten Spielen (noch) nicht unterbunden werden kann, wollen die Herausgeber daher zumindest mitverdienen.

Neu und vorbildlich ist die Möglichkeit über den geteilten Bildschirm einen weiteren Spieler mit seiner eigenen Playstation Network ID anzumelden. Dadurch werden Erfolge im Spiel auf beide Konten gutgeschrieben. Es gibt zudem noch einen separaten Koop-Modus. Zwei Spieler am geteilten Bildschirm oder Online mit Freunden zu dritt absolvieren gemeinsam fünf kurze, aber spaßige Level, die an die Geschichte von Teil 2 und 3 angelehnt sind.

Fazit:
Mit der Kampagne und den Mehrspielermodi bekommen Jugendliche ab 16 Jahren eine gelungene Fortsetzung, die fesselt und viel Spaß bereitet. Nebenbei zeigt "Uncharted 3", das gute Videospiele mit einer spannenden Geschichte, filmreif inszenierter Action und sympathischen Charakteren ebenso faszinieren können, wie vergleichbare Kinofilme. Das Spiel lädt praktisch dazu ein, jemanden beim Spielen nur zuzuschauen, als würde gemeinsam ein Film angesehen.