Zielgruppe

Während des Heranwachsens können digitale Spiele ein wichtiger Rückzugsort sein. Dabei benötigen Kinder und Jugendliche die Hilfe ihrer Eltern, um sich selbst Grenzen zu setzen, Selbstkontrolle zu entwickeln und ihr Spielverhalten mit erwachsener Hilfe zu reflektieren. Durch exzessives Nutzen wird möglichweise nur noch eine befriedigende emotionale Rückmeldung gezogen, sobald gespielt wird, positive Motivation nur noch aus dem Spiel bezogen und soziale Kontakte vernachlässigt. Daraus können schwerwiegende Probleme gefolgert werden, wenn die Eltern dies zu spät bemerken.

Oft verhalten sich Jugendliche, die etwas Neues ausprobieren wollen, exzessiv. Diese Phase kann unter Umständen auch lange andauern. Hier können Eltern durch die sinnvolle Anpassung der Medienregeln intervenieren. Wenn sie in dieser Phase keine anderen privaten Kontakte haben, alternative Freizeitaktivitäten wahrnehmen oder in eine persönliche Krise geraten, zum Beispiel durch Ortsveränderung, Scheidung der Eltern oder den Tod eines Angehörigen, kann das Spielen als Kompensationsmittel verwendet werden. Jugendliche berichten in vielen Internet-Foren von ihren erfolgreichen Versuchen, sich von ihrer Abhängigkeit zu befreien, meist durch andere Offline-Aktivitäten wie Hobbys, Sport, Freunde oder zeitweise Abgabe des PC an eine Vertrauensperson. Bei Jugendlichen stellt exzessives Spielen aber auch nur eine Entwicklungsphase darstellen, die intensiv durchlebt und irgendwann auch abgeschlossen wird, wenn etwas Neues die Aufmerksamkeit erregt.

Die folgende Tabelle veranschaulicht schützende Persönlichkeitsmerkmale und ihre Entsprechungen in der realen und der virtuellen Welt, die für eine gesunde Verarbeitung ausschlaggebend sind.

Schützende Persönlichkeitsmerkmale

Virtuell

Real

positives Selbstwertgefühl

Belohnungssysteme, direkte Rückmeldung

Positive Rückmeldung von Eltern und Peergroup

 

die Fähigkeit, positive Aufmerksamkeit hervorrufen zu können

Per Chat oder Gesten schnelle Hilfe anbieten, Erarbeiten eines positiven Charakters

Modulation der Stimme, Gestik, Sachverhalte schildern können, Hilfsbereitschaft

 

interne Kontrollüberzeugung

Ich kann immer wieder von Vorne anfangen!

Ich schaffe das, ich gebe nicht so schnell auf!

 

Glaube an Selbsthilfemöglichkeiten

Ich kann mich bei anderen oder im Netz informieren.

Ich schaffe das, wenn nicht kann ich mir Hilfe holen!

 

adäquate Kommunikationsfähigkeit

Chat-Regeln befolgen, Abkürzungen beherrschen

Reaktion auf Gesten und Sprachmodulation des Gegenübers

 

die Fähigkeit zum kompetenten Umgang mit Stresssituationen und Konflikten

Ausprobieren der verschiedenen Möglichkeiten, Transfervermögen

Sich beherrschen können, den Standpunkt des andren einnehmen können, Überzeugungskraft

 

realistische Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten

Rückmeldung systemimmanent und durch Chat

Rückmeldung aus Sport, Schule, Elternhaus und Peergroup.

 

gute soziokulturelle Bedingungen

Virtuelle Freunde, Clan

Stadtteileinbindung, Stellung der Eltern

 

gute Einbindung in soziale Netze.

Social Networking (z.B.: myspace)

Eltern, Peergroup, Vereine

 

"Die Funktion exzessiver Computernutzung spiegelt sich u.a. in den Aussagen der Jugendlichen wider:

... da bin ich wer!
... da kann ich Befehle geben!
... da bekomme ich Aufmerksamkeit!
... da ist wenigstens jemand!
... da kann ich alles kontrollieren / bestimmen!
... da passiert wenigstens etwas, das ist nicht so langweilig!
... da vergesse ich den Ärger!
... da kann ich abtauchen / abschalten!
... da kann ich meine Wut / meinen Frust abbauen!"


(Grüsser-Sinopoli, S.M. Exzessives Computernutzung - Ergebnisse verschiedener Studien
Bayerisches Forum Suchtprävention der LZG, 2007)


Hier einige Erfahrungsberichte von Betroffenen:


Interview mit einem WoW-Süchtigen
,
Online-Sucht: Interview mit einer Betroffenen,
Beitrag im Psychologie-Forum zum Thema WoW Sucht.