The Legend of Zelda: Twillight Princess

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2006.12
Systeme
Wii, Wii U, GameCube
System im Test
Wii
Kurzbewertung
phantasievolles und motivierendes Abenteuer
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Der Handlungsverlauf im neuesten Teil des Fantasy-Abenteuers dürfte eingeschworenen Zelda-Anhängern bekannt vorkommen: Der Held Link muss die Stadt Hyrule und seine Bewohner aus den Fängen des Schattenkönigs Zanto befreien. Dieser hat die Stadt mit seiner Streitmacht überfallen und Prinzessin Zelda zur Kapitulation und Übergabe des Reiches gezwungen, da andernfalls den Bewohnern die völlige Vernichtung gedroht hätte. Zanto verwandelt die blühende Stadt in ein Schattenreich, in dem Menschen nur als Geister existieren. Gequält von Schuldgefühlen und in der Hoffnung auf Rettung sendet Zelda den kleinen Midna, ein koboldartiges Wesen, aus. Midna findet den eingekerkerten Link und verhilft ihm zur Flucht aus der Stadt. Beide nehmen dann gemeinsam den Kampf gegen Zanto und seine Schergen auf.
Die Zelda-Reihe ist eine der erfolgreisten Videospielereihen überhaupt. Seit 1986 sind bislang dreizehn Titel exklusiv für Nintendo-Konsolen erschienen.
Der lineare Spielablauf ist auch in diesem Teil wieder Zelda-typisch: Es müssen Dungeons durch-kämpft, knifflige Rätsel gelöst und Horden von Monstern mit Schild und Schwert erschlagen werden. Bei der Suche nach Kristallen ist kein Strauch vor Link und seinem Schwert sicher.
Bevor der Held in die mitreißende Story eintauchen kann, verbringt er zu Spielbeginn seine Tage als Ziegenhirte in dem beschaulichen Ort Ordon. Dort lernt der Spieler durch das Bewältigen mehrerer Aufgaben den Umgang mit der Steuerung, die zunächst recht gewöhnungsbedürftig ist, bedingt durch die beiden neuartigen Remotecontroller, die auf Bewegung und Beschleunigung reagieren. Auch im späteren Verlauf des Spiels stellt die Steuerung den User immer wieder vor knifflige Probleme, die besonders bei Jump-and-Run-Einlagen auftreten können. Der Held lernt allmählich noch eine Vielzahl weiterer Spezialattacken und –fertigkeiten (Steuerung eines Kanus, Kampf vom Pferderücken aus, Bogenschießen, Springen von Seil zu Seil, Falken auf die Jagt schicken, Hochziehen an Kanten u. a.). Ein Angriff mit dem Schwert wird mit der rechten Hand ausgeführt. Die Attacke wird durch einen einfachen Schlag mit dem Controller ausgelöst. Eine kreisende Bewegung mit dem ‚Nunchuck’ (so nennt man den kleinen Controller, der als Erweiterung an der Wii-Fernbedienung angschlossen wird) in der linken Hand lässt Link eine Wirbelattacke ausführen.
Auf einen Mehrspielerpart wurde komplett verzichtet. Die durchschnittliche Spielzeit fällt mit 30 Stunden umfangreich aus.

Pädagogische Beurteilung:

Von Sebastian Micklin

Der Handlungsverlauf ist strikt und lässt keinen Freiraum für eigene Entscheidungen, die das Spielgeschehen merklich beeinflussen könnten. Der Schwerpunkt liegt vielmehr in der Lösung der verschiedenen Rätsel, den akrobatischen Anforderungen, die an den Spieler in den Höhlen und Außenarealen gestellt werden, und natürlich in den herausfordernden Kämpfen gegen mächtige Endgegner. Die Kampfeinlagen stellen den Nutzer leider viel zu oft vor keine wirklichen Herausforderungen und stehen damit in keinem Verhältnis zu den teilweise recht anspruchsvollen Rätseln. Schon im ersten Spielabschnitt mussten unsere Tester das ein oder andere Mal auf eine Lösungshilfe im Internet zurückgreifen um die anstehende Aufgabe zu lösen. Zudem nimmt der Schwierigkeitsgrad im Verlauf des Spiels kontinuierlich zu und es bedarf in späteren Spielabschnitten einigen Kombinierens um die Rätsel zu lösen. Jugendliche mit wenig Geduld und Ausdauer werden daher schnell den Spaß an Zelda verlieren.
In der Mischung aus Rätseln, Action, Haupt- und Nebenaufgaben, gepaart mit interessanter Handlung und guter Spielbarkeit liegt die außergewöhnliche Faszination der Zelda-Spiele.
Neben der durchgängig linearen Handlung warten viele versteckte Gebiete auf ihre Entdeckung und erfahrene Spieler erleben viele nostalgische Momente mit alten Bekannten und Orten aus den Vorgängerversionen. Zelda bietet nur in Maßen eine freie Spielwelt. Der Spieler kann zwar an früher schon bereiste Orte zurückkehren, jedoch leitet ihn das Spiel von Aufgabe zu Aufgabe und lässt ihn erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in den nächsten Spielabschnitt reisen.
Leider führt das Abspeichern oft zu unnötigen Verwirrungen: Man kann zwar frei abspeichern, besonders wichtige Aufgaben müssen jedoch oft erst komplett durchspielt werden, damit sie vollständig gesichert werden können. Dies führt in vielen Fällen zu unnötigen Frustrationen beim Spieler und in Zeiten von integrierten Festplatten in Konsolen, sollte diese Begrenzung der Speichermöglichkeiten eigentlich der Vergangenheit angehören. Die Spielbalance ist, wenn man mit der Bewegungssteuerung erst einmal zurecht kommt, sehr ausgeglichen. Hier wäre jedoch feinere Steuerung wünschenswert, denn es macht keinen Unterschied, ob der Spieler einen lässigen Schlag aus dem Handgelenk vom Sofa aus oder eine schwungvolle Attacke mit dem gesamten Arm macht. Zudem führt Link leider immer dieselbe Standardattacke aus, egal, ob der Controller von links oder rechts geschwungen wird. Auf dem Gamecube hingegen ist die Steuerung mit dem klassischen Controller einfach und exakt, es gibt keinerlei Nachteile im Vergleich zur bewegungsintensiven Steuerung der Wii-Controller.
Andere Spiele haben mittlerweile vorgemacht, wie sich die Bewegungssteuerung für ein noch innovativeres Spielerlebnis nutzen lässt. Mit der unkonsequenten Nutzung dieser Möglichkeit verschenkt dieser Zelda Teil leider viel Potential, bleibt jedoch aufgrund seiner sonstigen Qualitäten auch auf der Wii ein herausragender Titel.
Die anfängliche Idylle des Spiels wird durch die düstere Atmosphäre der Schattenwelt abgelöst. In der Schattenwelt verwandelt sich Link in einen Wolf und besitzt dadurch andere Fähigkeiten als in Menschengestalt. In der Schattenwelt wird der Held durch verschiedene Monster bedroht, die sehr bedrohliche wirken. Die Kommentare der geisterhaften Bewohner tragen oft einen ironischen Unterton, der von den jüngeren Testern der Gruppe so jedoch oft nicht wahrgenommen wurde. Die Gewaltdarstellung im Spiel ist comicartig, auf die Darstellung von Blut und Leichen etc. wurde verzichtet. Durch die comichafte Gestaltung des Spiels kommen Spieler ab 12 Jahren jedoch auch mit der bedrohlichen Atmosphäre in der Regel gut zurecht.
Bedauerlicherweise wird auch grafisch das volle Potential der Konsole nicht ausgenutzt, da sich die Wii-Version aus Kompatibilitätsgründen grafisch nicht von der des Gamecubes unterscheidet. Dadurch erscheint das Spiel teilweise recht detailarm und einige Texturen wirken unscharf. Dennoch ist die Spielumgebung insgesamt stets abwechslungsreich: Der Held zieht durch düstere Höhlen, reitet über saftig-grüne, endlos weite Steppen, durchforstet tiefe Wälder, erkundet die riesige Stadt Hyrule oder kämpft sich durch verlassene und trostlose Gegenden. Die Figuren wurden mit Liebe zum Detail gestaltet und animiert. Auf Sprachausgabe wurde leider weitgehend verzichtet, der sonstige Sound aber ist stimmungsvoll umgesetzt worden. Das Spiel besticht durch eine Vielzahl von eingängigen Liedern und Melodien.
Beim neuen Zelda handelt es sich um ein reines "Singleplayer"-Spiel, das sich bedingt durch Inhalt und Aufmachung scheinbar hauptsächlich an männliche Spieler richtet. Grundsätzlich fehlt die Möglichkeit eine weibliche Protagonistin auszuwählen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass weibliche Spieler über diese Tatsche hinwegsehen können, wenn ihnen eine spannende und phantasievolle Geschichte geboten wird.
Die dargestellte Gewalt ist dezent und passt sich dem comichaften Stil des Spiels an.
Besonders männliche Jugendliche fühlen sich von der "Tellerwäscher-Karriere" des Helden Link angesprochen. Vom Hirten zum strahlenden Helden, wahrscheinlich hat davon jeder schon einmal geträumt. Die vielen Probleme und Unwegsamkeiten auf diesem Weg kennen Jugendliche nur zu gut aus ihrem Alltag. Sich deshalb in einem Rollenspiel ohne reale Risiken zu beweisen, übt deswegen einen besonderen Reiz auf sie aus.

Fazit
Rein technisch gesehen kann das Spiel nicht überzeugen, es handelt sich vielmehr um einen "Spätzünder", der seine Magie erst nach ein paar Stunden entfaltet. Dann ist das Abenteuer jedoch ein wahres Epos! Der Spieler wird durch ein liebevoll arrangiertes Videospielmärchen geführt, wobei die Handlung immer wieder neue Kapitel aufschlägt und den Spieler auf diese Weise in ihren Bann zieht. Die technischen Mängel geraten dann schnell in Vergessenheit oder stören nicht weiter. Hier zeigt sich ein weiteres Mal, was ein wirklich gutes Rollenspiel ausmacht: eine packende Geschichte und eine liebevolle Ausarbeitung der Charaktere.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass