Kriterien exzessiven Spielens

Um das Spielverhalten Ihres Kindes einzuschätzen, gibt es einige Kriterien, die als Hilfe hinzugezogen werden können, sodass ein mögliches Exzessives Spielen früh genug erkannt werden kann.

Wenn Sie Schwierigkeiten mit der Einschätzung Ihres Kindes haben: begleiten Sie Ihr Kind beim Spielen, beobachten Sie, versuchen Sie Ihre eigenen Erfahrungen mit dem Spiel zu machen, führen Sie ein einfühlsames, akzeptierendes Gespräch.

 

  • Unwiderstehliches Verlangen am Computer zu spielen
  • Toleranzentwicklung: die gewünschte Wirkung wird nur durch zunehmend häufigere oder längere Spiel- und Nutzungszeiten erzielt
  • Entzugserscheinungen: bei verhindertem Computerspielen oder bei reduzierter Internetnutzung treten Nervosität, Unruhe, Gereiztheit oder Aggressivität, sowie Zittern und Schweißausbrüche auf
  • Kontrollverlust: Spielzeiten am Bildschirm können in ihrem Umfang nicht mehr kontrolliert werden. Versuche, das Nutzungsausmaß zu reduzieren oder das Spielen zu unterbrechen, bleiben erfolglos oder werden gar nicht erst unternommen.
  • Regulation/Verdrängung negativer Gefühle: die durch das Computerspielen verspürte Erregung oder Entspannung dient dazu, negative Gefühle zu verdrängen
  • Negative soziale Konsequenzen: wegen des exzessiven Spielens am Bildschirm kommt es zu Konflikten mit dem Partner oder der Partnerin, mit Freunden und Arbeitskollegen. Schulische und berufliche Verpflichtungen, aber auch Hobbies und soziale Beziehungen werden vernachlässigt, die erforderliche Leistung kann nicht mehr erbracht werden, die Arbeitsfähigkeit nimmt ab. Trotz der eindeutig schädlichen Folgen wird weiter exzessiv am Computer gespielt.

In Bezug auf die Computerspielsucht gelten Kinder unter 12 Jahren, insbesondere die Jungen, laut verschiedener Studien als Risikogruppe. Bei den Jugendlichen sind vor allem diejenigen gefährdet, welche sehr viel Zeit am Bildschirm spielend verbringen und dabei die Online-Spiele bevorzugen.

Bei den Kindern und Jugendlichen können folgende Merkmale Hinweis auf eine problematische Bildschirmmediennutzung geben:

  • massive Veränderung der Schlafgewohnheiten (später als gewohnt ins Bett und morgens Schwierigkeiten beim Aufstehen),

  • abfallende Leistungen in der Schule (halten sie Rücksprache mit den Lehrern),

  • sozialer Rückzug (weniger Freunde zu Besuch) und abbrechende Kontakte zu Peers,

  • sowie keinerlei Interesse an anderen Freizeitaktivitäten (Vernachlässigung von Sport, Weniger Gegenbesuche bei Freunden).

Folgende psychische Faktoren fallen dabei besonders ins Gewicht: mangelnde Anerkennung im realen Leben, Depressivität, geringes Selbstwertgefühl, soziale Ängstlichkeit, ungenügende Bewältigungsstile sowie hohe, unrealistische Erwartungen an das Computerspiel. Wenn Ihr Kind schlechtgelaunt nach Hause kommt oder eine negative Erfahrung gemacht hat, sollte es dies mit Freunden oder Ihnen in einem geschützten vertrauten Rahmen verarbeiten können. Bleiben Sie gelassen, ergreifen Sie nicht sofort Partei, hören Sie zu.

Die Zeitschrift Game Star hat einen Fagebogen veröffentlicht, anhand dessen Sie selbst beurteilen können, welche Merkmale ein aktiv spielender Jugendlicher positiv beantworten würde:

  • "Ich denke ständig an mein aktuelles Spiel und wann ich es wieder spielen kann.
  • Ich verbringe mehr Zeit mit dem Spielen als früher. Die Zeit die ich täglich spiele wird immer länger.
  • Ich lasse mir meine Spielzeit nicht einschränken. Ich finde Wege wieder spielen zu können.
  • Ich werde ruhelos, launenhaft, reizbar oder depressiv, wenn ich längere Zeit nicht spielen kann.
  • Ich spiele in der Regel länger als ich vorhatte zu spielen.
  • Es ist mir egal, ob die Schule, meine Arbeit, meine Beziehung oder meine Freundschaften darunter leiden, dass ich so viel spiele.
  • Ich verheimliche, wie viel Zeit ich mit Spielen verbringe. Wenn es sein muss, lüge ich auch.
  • Ich spiele lieber, als mich mit Problemen in meinem Leben auseinander zu setzen.
  • Das Spielen hat körperliche Auswirkungen auf mich (im nehme deutlich zu oder ab/mein Rücken, meine Handgelenke schmerzt(en)/ich bekomme Kopfweh)"

(Game Star. Spielezeitschrift. IDG Entertainment Media GmbH,06, 2006)

Wenn die Spieler vier Aussagen angekreuzt hatten, lag laut Angabe der Game eine Gefährdung vor. Treffen sechs zu, so besteht laut Game Star hohe Wahrscheinlichkeit unkontrollierten Spielverhaltens, in diesem Fall empfehlen wir Ihnen eine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Diese Kriterien können als Anhaltspunkte zur Einschätzung Ihres Kindes dienen, die Entscheidung treffen stets Sie als Eltern. Bleiben Sie gelassen und treffen Sie keine vorschnellen Entscheidungen. Bei weiteren oder schwierigen Fragen nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wir werden schnellstmöglich und kompetent reagieren.