Tipps für Eltern

Folgende Tipps sollen Ihnen helfen Exzessive Mediennutzung frühzeitig zu erkennen und zu benennen, um mögliche Probleme vorzubeugen. Sie erhaltenebenfalls Anhaltspunkte für Auseinandersetzungen mit Ihren Kindern.

Änderungswünsche sollen einfühlsam und konsequent an Ihr Kind herangetragen und diese ohne viel Diskussion umgesetzt werden. Sie erhalten Anhaltspunkte um nicht in endlosen Diskussionen und Vorwürfen steckenzubleiben.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind zu lange am Computer sitzt?
Dann sollten Sie sich zunächst folgende Fragen beantworten:

  • Zeigt Ihr Kind objektiv  ein problematisches Computerspielverhalten?
  • Welche Stärken bringt Ihr Kind mit?
  • Warum spielt Ihr Kind exzessiv, welche Gründe des Computerspielens vermuten Sie?
  • Welche Einflussmöglichkeiten könnten bei Ihrem Kind Erfolg versprechen?


Die Antwort auf diese Fragen sind wichtig, um eine Entscheidung treffen zu können, ob das Problem innerhalb der Familie und mit oder ohne professionelle Hilfe gelöst werden kann.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Wenn Ihr Kind sich selber keine Grenzen setzen kann, sollten Sie das tun! Wenn schädliche Einflussnahme auf das Kind vermutet wird, sind Eltern verpflichtet ihren Kindern Grenzen zu setzen. Gerade Kinder sind oft nicht selbst in der Lage, Gefahren und besonders Suchtgefahren wahrzunehmen einzuschätzen, helfen Sie Ihrem Kind dabei.

Doch bevor Sie das tun, sollten Sie sich mit Ihrem Kind beschäftigen, mit ihm reden und mitspielen statt zuzuschauen. Springen Sie über Ihren Schatten, erleben Sie die Gefühle, die beim Spiel entstehen. Falls Sie Schwierigkeiten mit dem Spiel oder der Bedienung haben, lassen Sie sich helfen, werden Sie nicht ungeduldig. Thematisieren Sie die Faszination des Spiels und die Gefahren der Faszination, bleiben Sie sachlich.

Als Eltern sollten Sie sich auf gemeinsame Ziele einigen und diese konsequent in der Auseinandersetzung mit den Kindern verfolgen:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Spiele und seinem Spielverhalten.
  • Bleiben Sie zugewandt und freundlich.
  • Verabreden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln zur Spielenutzung (Häufigkeit, Spieldauer).
  • Besprechen Sie vorher gemeinsam mit Ihrem Kind die Konsequenzen bei Nichteinhalten der Regel.
  • Keine Spielkonsole oder PC im Kinderzimmer.
  • Begeistern Sie Ihr Kind für andere Freizeitbeschäftigungen, suchen Sie gemeinsame Alternativen zum Computerspiel.
  • Wenn das Kind aufgrund übermäßigen Spielens Pflichten und Aufgaben vernachlässigt, soll es Konsequenzen hierfür geben - stellen Sie sich nicht vor Ihr Kind und bleiben Sie konsequent.
  • Nehmen Sie gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch.
  • Nehmen Sie sich und Ihre Bedürfnisse ernst - kreisen Sie nicht nur um das Problem des Kindes.

Alle Änderungswünsche bezüglich der Computernutzung seitens der Eltern wirken auf das Kind erst einmal bedrohlich! Eltern sollten sich für ihre Kinder und die Inhalte im Computer, die ihre Kinder nutzen, interessieren. Wichtig ist dabei auch, dass Sie dem Kind Grenzen in Bezug auf die Computernutzung setzen und diese konsequent umsetzen. Generell gilt, dem Kind nicht nur etwas entziehen(!), sondern auch etwas geben, d.h. alternative Verhaltensweisen anzubieten, zu verstärken und zu belohnen. Attraktive Alternativen zur sinnvollen Zeitnutzung, zur Verhinderung von Verlusterleben und Rückfällen sollten gemeinsam mit dem Kind im näheren Umfeld (Jugendzentrum, Sportverein, VHS, Kirche, freie Träger) gesucht und entwickelt werden und für eine zufriedenstellende Zeiteinteilung sorgen. Dabei ist es hilfreich, je einen Zeitplan für die Schulwoche und einen für das Wochenende zu erstellen.

"Gründe für Fehlschläge:

  • elterliche Kontrolle ist nicht permanent zu leisten,
  • Versiertheit mit dem PC erlaubt Kindern, Verbote zu umgehen,
  • auch außerhalb der Wohnung gibt es Gelegenheiten zu spielen,
  • keine klaren Regeln bzgl. Umfang des Spielens sowie bzgl. der Konsequenzen bei Überschreitung,
  • Reiz des Spielens durch Verbot oft erhöht,
  • halbherzige Reaktionen der Eltern auf Regelverstöße."

(Grüsser-Sinopoli, S.M. Exzessives Computernutzung - Ergebnisse verschiedener Studien
Bayerisches Forum Suchtprävention der LZG, 2007)

Erst wenn Jugendliche realisieren, dass sie das eigene Spielverhalten nicht mehr kontrollieren können, ergibt sich die Bereitschaft, konkrete Schritte zu unternehmen. Die Angehörigen sollen dem Jugendlichen bestimmt, aber interessiert begegnen. Es gilt herauszufinden, was die Jugendlichen im Computerspiel finden, was sie in der Realität nicht umsetzen können. Die Angehörigen sollen mit Ich-Botschaften mitteilen, wie es ihnen mit der Abhängigkeit geht und welche Gefahren sie für die Beziehung oder Familie sehen.
Sehr schlechte Lösungen wären beispielsweise den Computer zu sabotieren oder den Abhängigen zu kontrollieren, oder sie mit Moral oder Vorwürfen zu überhäufen.
Eine empfehlenswerte Herangehensweise ist, Fragen zu stellen. "Was fasziniert dich? Was genau machst du am Computer? Was findest du im Spiel, was wir dir nicht geben können?" Teilen Sie Ihrem Kind mit, wie es Ihnen damit geht, konfrontieren Sie mit den Zeiten, die Sie am Computer verbringen und treffen sie Abmachungen über die Zeitdauer.

Im Kindes- und Jugendalter ist der Leidensdruck noch nicht sehr groß, da die negativen Konsequenzen einer Sucht bzw. des exzessiven Spielverhaltens noch nicht so deutlich gespürt werden (der Strom ist noch nicht abgeschaltet und es gibt immer etwas zu Essen und ein warmes Bett). Somit sehen betroffene Kinder und Jugendliche oft auch nicht die Notwendigkeit ihr Verhalten zu ändern und empfinden das Computerspielverbot bzw. die geforderte Einschränkung des Computernutzungsverhaltens durch die Eltern eher als ein typisches "Elternverbot" als eine notwendige sie selbst schützende Maßnahme. Häufig führen die Gespräche - mit denen dann auch meist durch dieses Störungsbild überforderten Eltern - in endlose Diskussionen, ohne eine bemerkenswerte Verhaltensveränderung hervor zu rufen.

Spricht ein Kind von der Absicht, sich zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, sofort eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik aufsuchen und diese Absicht angeben!