Top Spin 4

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
2K Sports
Erscheinungsjahr
2011.03
Systeme
Playstation 3, Xbox 360, Wii
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
Leicht abgespeckte Wii-Version
Kurzbewertung
Für Einsteiger empfehlenswerte grundsolide Tennissimulation
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Was im Bereich der Fußballsimulationen die „FIFA“-Reihe darstellt, ist im Tennis „Top Spin“. Ähnlich wie sich die auf Sportsimulationen spezialisierten Spieleentwickler aus dem Hause EA-Sports ständig mit der vermaledeiten Konkurrenz aus dem Hause Konami (Test von Pro Evolution Soccer) rumschlagen müssen, messen sich im Tennisresort die, ebenfalls auf Sportspiele spezialisierten, Entwickler von 2KSports mit den Kontrahenten aus dem Hause SEGA („Virtua Tennis“). Die „Top Spin“-Reihe steht seit jeher für ein eher realistisches Gameplay mit hohem Simulationscharakter, wohingegen der „Virtua Tennis“-Reihe (vgl. „Pro Evolution Soccer“) ihre Vergangenheit als Automaten- bzw. Arcadegame meist anzumerken ist. 
„Top Spin 4“ ist im Gegensatz zu den genannten Fußballspielen erst der vierte Ableger der durchaus erfolgreichen Tennissimulation. Ganze drei Jahre mussten Anhänger der Serie auf dessen Fortsetzung warten. Ein Grund dafür dürfte wohl die Beliebtheit der jeweiligen Sportarten darstellen und somit ihre Marktresonanz - während Fußball (mit Ausnahme der USA) der flächendeckendste Massensport schlechthin ist, bleibt Tennis nicht nur in Deutschland lediglich ein Nischensport.
Angefangen beim ersten Heim-Videospiel „Pong“ (1972) oder gar dessen mechanischem Vorläufer (1958) bis eben zu „Top Spin 4“, Tennis wurde nichtsdestotrotz in zahlreichen Variationen für den PC- und Konsolenspielemarkt umgesetzt. Wenn aber der reale Sport eher eine Nische darstellt, drängt sich die Frage auf, warum Tennis seit Jahrzehnten aus dem Videospieleuniversum nicht wegzudenken ist. Das Hauptkriterium dafür liegt wohl zweifelsfrei im Spielprinzip, schlagen doch, vereinfacht formuliert, zwei Spieler jeweils abwechselnd einen Ball über ein gespanntes Netz. Gewinner ist derjenige, dem dieses ‚Kunststück‘ öfter gelingt. Natürlich ist das entsprechende Regelwerk zwar durchaus etwas komplizierter, aber die Idee hinter Tennis ist unglaublich simpel und dadurch nahezu perfekt als Videospiel geeignet. So war auch bei der Entwicklung von „Pong“ in den Siebzigern das programmtechnisch aufwändigste Element des Spiels die Punkteanzeige (vgl. Wikipedia: Pong).

Die Entwickler von „Top Spin 4“ dürften mit der Programmierung der Punkteanzeige eher weniger Probleme gehabt haben. Mit dem umfangreichen Karrieremodus hingegen unter Umständen etwas mehr. Einzelspieler werden mit Sicherheit die Hauptspielzeit in eben diesem verbringen. Den Karrieremodus kann man entweder mit einem der bereits auswählbaren 25 lizensierten Tennisprofis oder mit einem eigens kreierten ‚Rookie‘ angehen. Vor allem Nostalgiker, aber auch Tennisfreunde werden sich darüber freuen, dass nicht nur aktuelle, sondern auch in ihrer Zeit legendäre Profis, wie etwa Boris Becker, Andre Agassi, Björn Borg oder Ivan Lendl auswählbar sind. Vor dem Start der eigenen Karriere, welche natürlich auch bei den eigentlichen Profis von der Pike an beginnt, hat man in einem umfangreichen Editor die Möglichkeit seinen Spieler nach Gutdünken zu gestalten. Passt einem das jugendliche Alter von Herrn Becker nicht, lässt man ihn einfach altern, verpasst ihm beispielsweise graueres Haar, Falten und einen Dreitagebart. Neben diesen üblichen Editierwerkzeugen samt passender Wahl des Outfits hat man zudem die Möglichkeit sogar das Stöhngeräusch des gewählten Spielers zu individualisieren.
Selbst Tennisaffine bzw. Spieler, die einen Editiermodus als Zeitverschwendung ansehen, werden in diesem auf ihre Kosten kommen. Zwar werden Zocker mit wenig bis kaum Tenniskenntnissen hier zwecks fehlender Erklärungen einige Schwierigkeiten haben, doch für den Rest ist es natürlich erfreulich die verschiedensten Attribute des eigens kreierten Tennisasses wie etwa Aufschlagsbewegung bzw. -genauigkeit, Grundschnelligkeit oder etwa Rückhandstärke einzustellen. Auch den bereits existierenden Profis lassen sich ihre wahren Eigenschaften zuweisen. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass die Spieleentwickler an dieser Stelle nicht ganz so genau gearbeitet haben.
Nach der Wahl des zu den eigenen Attributen passenden Trainers, muss man im Karrieremodus zum einen seine persönlichen Fähigkeiten verbessern, z.B. durch diverse Trainingseinheiten, zum anderen Turniere und somit Pokale gewinnen um in der Weltrangliste irgendwann auf dem ersten Platz zu stehen.
Ärgerlich an der Wii-Version von „Top Spin 4“ ist es dennoch, dass der Karrieremodus etwas abgespeckter, sprich mit weniger Details und Auswahlmöglichkeiten daherkommt. Das Ziel auf Platz 1 zu stehen, muss hier als Motivation ausreichen. Auch die anderen Spielmodi der Wii-Version unterscheiden sich von den Ablegern für die Konkurrenzkonsolen. So hat man zwar im Gegensatz zu diesen sechs kurzweilige und durchaus spaßige Minispiele geboten, auf einen Onlinemodus wurde jedoch gänzlich verzichtet. Offline kann man jedoch im Einzel oder Doppel mit bis zu vier Spielern gegeneinander antreten und erfreulicherweise einstellen wie viele Spiele und Sätze ein Match haben soll.

Pädagogische Beurteilung:
Eingängige, jedoch zeitweise etwas ungenaue Steuerung
„Top Spin 4“ wird mit der Wii-Fernbedienung und dem Nunchuk-Controller gespielt. Der Stick des Controllers dient dabei zur Bewegung des Spielers und durch Schwingen der Fernbedienung wird der Ball retourniert. Zwar sind hier durchaus gewisse grundmotorische Fähigkeiten gefordert, vor größere Probleme stellt einen die Art der Steuerung jedoch nicht. Zumal man sich die Steuerung via Tutorial aneignen kann. Die Tester waren sich einig, dass man etwa ab sechs Jahren das Spielprinzip und vor allem die Motorik beherrschen kann, denn vorher „macht es doch gar keinen Sinn, wenn man nicht blickt, dass man den Ball, wie mit einem echten Schläger zurückschlagen muss“. Insbesondere Einsteiger und Gelegenheitsspieler kommen hier auf ihre Kosten. Etwas erfahrenere Spieler werden sich wahrscheinlich spätestens nachdem ersten Satz das eine oder andere Mal aufregen über die dann doch etwas ungenaue Steuerung. Klar lässt sich der Ball durch Bewegung des Wii-Remote retournieren, nur das „Wie“ lässt sich schwer bestimmen. Eigentlich soll man laut Entwicklerangaben die Möglichkeit haben, verschiedene Schlagvariationen durch unterschiedliche Bewegungen auszuführen, dies gelingt jedoch recht selten. Mit zunehmender Spieldauer war es für die Tester einfach ärgerlich, wenn man eigentlich einen harten Ball an die Grundlinie schlagen will und dabei den Gegner einen hohen Ball für einen Volley serviert. „Hey, warum spielst du den Ball denn so?“, „Mann, was soll denn das?“ sind nur zwei Beispiele der geäußerten Reaktionen auf diese fehlerhafte Steuerung. Scheinbar haben sich die Tücken der althergebrachten Steuerung der Wii bei den Entwicklern von 2KSports noch nicht herumgesprochen, denn anders ist es kaum zu erklären, dass auf den Einsatz der deutlich präziseren Steuerung via Motion Plus (zu sehen z.B. bei Wii Sports Resort) verzichtet wurde.

„Was? Das soll der Boris Becker sein?“
Sieht man davon ab, dass der Wii-Ableger von „Top Spin 4“ zu keinem Zeitpunkt den Konkurrenzkonsolen aus dem Hause Microsoft oder Sony das Wasser reichen kann, präsentiert sich das Spiel in einem durchaus ansehnlichen audiovisuellen Gewand. Selbst auf der Wii stellt das keineswegs die erste Liga dar, doch die ohnehin etwas sterilen Arenen kommen der Grafik in diesem Fall zugute. Wie leider mittlerweile üblich, ist die Spielstätte zwar mit Werbung übersät, aber die Animationen des Centercourts und der jeweils dazugehörigen Abnutzung kann sich dennoch sehen lassen. Auf Sand beispielsweise kann man nicht nur vage erahnen, wo der Ball als letztes aufkam, sondern auch rote Stellen auf der meist weißen Kleidung der Profis erkennen. Von grafischem Detailreichtum, betrachtet man die wabernde Masse der Zuschauer oder die kaum erkennbaren Tennisprofis, kann man jedoch wahrlich nicht sprechen.
Gemeinhin hat man eine gewisse Erwartungshaltung, was man bei einem Tennismatch zu hören bekommt - ab und an mitfieberndes Publikum, ein paar Stöhner, Ansagen des Schiedsrichters, schnelle Schrittgeräusche und hier und da einen auftitschenden oder geschlagenen Ball. „Top Spin 4“ entspricht in diesem Fall den Erwartungen und bietet einen zwar atmosphärisch etwas ausbaubaren, aber grundsoliden Ton. Einzig die abwechslungsreiche Menümusik sticht etwas heraus.

Ideal für Gelegenheitsspieler
Es ist schwer einschätzbar, wie lange man sich mit letztendlich mit dem Spiel beschäftigen wird. Stören einen weder teils gravierende Mängel in der Steuerung oder die dann doch begrenzte Abwechslung im Managermodus nicht, dann wird man mit Sicherheit etliche Tage oder gar Wochen damit verbringen den Platz an der Weltranglistensonne zu ergattern. Kommt man jedoch mit den genannten Schwächen nicht zurecht, wird man das Spiel wahrscheinlich lediglich ab und an aus dem Regal holen. Vor allem die Tatsache, dass man sich letztlich aufgrund des fehlenden Online-Modus ‚nur‘ mit der Wii duelliert, sorgt für eine eher schwächere Langzeitmotivation. Insbesondere Einsteiger und gelegentliche Zocker werden sich daran natürlich kaum stören lassen und können sich auf den einen oder anderen kurzweiligen Spieleabend freuen. „Also, ich würde es mir kaufen, schon alleine, weil ich besser als Du werden will!“ – zu zweit oder in einer etwas größeren Runde kann das Spiel ebenfalls für größeren Spielspaß sorgen. Die teils fehlerhafte Steuerung fällt dann auch etwas weniger ins Gewicht, da beide bzw. alle Spieler mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.

Fazit:
Wenn man „Top Spin 4“ mit einem Wort beschreiben müsste, würde man wohl die Bezeichnung grundsolide wählen. In jeder Hinsicht präsentiert sich das Spiel in einem nie besonders guten, aber stets befriedigenden Gewand. Jüngere Spieler, sowie Gelegenheitszocker, die wahrscheinlich eher über die Tücken der Steuerung hinwegsehen werden, können sich auf ein durchaus kurzweiliges und vor allem leicht zugängliches Spiel freuen.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass