Das Ilios Experiment
Narratives Adventure, das einen “Tolerance-Score” erlebbar und hinterfragbar macht.
Allgemeines
Jugendschutz & Altersempfehlung
Kosten:
Spielmodi:
- nur alleine spielbar
Pädagogische Altersempfehlung
Spielbeschreibung
Das Ilios Experiment spielt im Jahr 2037 und beginnt mit einer Zugfahrt in eine Stadt mit einem futuristischen Modell. bei dem alle Menschen möglichst tolerant und gleichberechtigt miteinander umgehen sollen. Das vierwöchige Pilotprojekt ist ein “Tolerance-Score”, der anzeigen soll, wie “tolerant” sich Personen im Alltag verhalten. Es können Punkte gesammelt oder vergeben werden.
Während sich Spieler*innen durch die Stadt bewegen, werden Gespräche geführt und kleine Aufgaben gelöst. Schnell wird klar, dass das eingeführte Bewertungssystem nicht nur die Toleranz und den Respekt fördert, sondern auch Fragen und Herausforderungen hervorbringt. Das Spiel lädt dazu ein, die Logik hinter dem Score zu hinterfragen und mögliche Ungerechtigkeiten zu erkennen und zu lernen, wie Bewertung, Teilhabe und Miteinander funktionieren und welche Konsequenzen daraus entstehen können. Es kann jedoch nur zwischen vorgegebenen Handlungs- oder Antwortmöglichkeiten ausgewählt werden.
Das Ilios Experiment verfügt über zwei Modi. Der Abenteuermodus verfügt über kleine Reaktionsspiele und der Storymodus fokussiert sich auf den Ablauf der Geschichte.
Pädagogische Beurteilung
Grafik und Gestaltung
Die Steuerung ist recht simpel gehalten. Über ein visuelles Werkzeug wird die Spielfigur durch die Stadt gelenkt. Mit einer Interaktionstaste können Gespräche gestartet oder Objekte ausgewählt werden. In Dialogen können verschiedenen Antwortmöglichkeiten direkt per Fingertipp gewählt werden. Die Spielenden bestimmen außerdem selbst das Lesetempo, indem sie durch Antippen entscheiden, wann es weitergeht. Eine Schwachstelle ist, dass der Spielstand nicht immer automatisch gespeichert wird. Somit ist es evtl. ratsam, Das Ilios Experiment in einem durchzuspielen.
Das visuelle Design ist detailreich, modern und ansprechend. Die eigene Spielfigur ist von Beginn an festgelegt, während die anderen Figuren sehr divers und liebevoll gestaltet sind und dem Spiel einen eigenen und lebendigen Charakter geben.
Sprache und Inhalte
Im Spielverlauf muss viel gelesen werden. Der Text ist jedoch immer in kürzere Abschnitte gegliedert und alle Figuren sind vertont. Zudem können Hintergrundmusik, Sounds und Stimmen in der Lautstärke unter den Einstellungen angepasst werden. Die Sprache ist sehr inklusiv, so wird beispielsweise gegendert und es kommen Begriffe wie FLINTA* vor, deren Bedeutung erfragt und erklärt werden können. Auch Beleidigungen tauchen im Spiel auf, diese werden jedoch durch Reaktionen und den Spielverlauf kritisch eingeordnet.
Lernpotential
Das Spiel ist in Klassen bzw. im Unterricht als Denkanstoß zum Thema Toleranz und gesellschaftliches Miteinander einsetzbar. Es werden relevante Themen wie Mobbing aufgegriffen und Begrifflichkeiten eingebaut, wie zum Beispiel BiPoC, halal oder queer, die inhaltlich vertieft und von außen näher beleuchtet werden könnten. Daher richtet sich das Spiel eher an ältere Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren.
Auf der Webseite des Spiels ist ein Begleitheft mit Vorschlägen für Übungen und Reflexionsaufgaben für Kinder und Jugendliche. Das Ilios Experiment kann ein kreativer Einstieg sein, um an die Themen Toleranz, Teilhabe und gesellschaftliche Strukturen heranzuführen. Es regt zum Dialog an und dazu, sich eine eigene Meinung zu bilden. Jedoch wird die fiktive Welt aus einer sehr geführten Perspektive erlebt, ohne unbedingt zu verstehen, warum bestimmte Entscheidungen oder Positionierungen wichtig sind und welche realen politischen Konzepte dahinterstehen. Für ein tieferes Demokratieverständnis braucht es deshalb eine pädagogische Begleitung, die das digitale Erleben einordnet und damit aus der Spielerfahrung tatsächlich politisches Lernen wird.
Fazit
Das Ilios Experiment ist sehr detailreich gestaltet und bietet viele verschiedenen Anknüpfungsmöglichkeiten für einen Dialog über Toleranz und ein inklusives Miteinander. Dadurch können Kindern und Jugendlichen die Themen Toleranz, Bewertung und gesellschaftliche Werte nähergebracht werden. Eine pädagogische Reflexion bzw. Einordnung ist jedoch für die vertiefte Auseinandersetzung sinnvoll. Aufgrund der komplexeren Themen und Begrifflichkeiten richtet sich das narrative Adventure an Spieler*innen ab 12 Jahren.