RV There Yet?
Kniffliges Kooperationsspiel über eine schier endlose Umleitung
Allgemeines
Jugendschutz & Altersempfehlung
Spielmodi:
- max. 4 Spieler*innen
- Miteinander
- Online
Zusatzinfos:
Pädagogische Altersempfehlung
- Problemlösefähigkeit
Spielbeschreibung
Nach dem Campingurlaub mit dem Wohnmobil (RV) möchte der namenlose Protagonist die Heimreise antreten. Doch eine plötzliche Straßensperrung auf der Strecke zur Route 65 zwingt ihn zu einem gewaltigen Umweg durchs Hinterland – und der hat es in sich! Der Beschilderung folgend gilt es nun, das Wohnmobil mit allerlei Hilfsmitteln sicher über eine Reihe absurder Hindernisse zu navigieren, um wieder auf die reguläre Straße zurückzufinden.
Pädagogische Beurteilung
Akrobatische Manöver
Das unwegsame Gelände verlangt nach unkonventionellen Ideen. Durch kreatives Experimentieren mit den vorhandenen Werkzeugen müssen innovative Transportstrategien für scheinbar unüberwindbare Passagen entwickelt werden. So kann das Wohnmobil per Seilzug tiefe Schluchten überwinden, an lauernden Alligatoren vorbei durch Sümpfe tauchen oder mit spektakulären Luftmanövern entfernte Vorsprünge erreichen. Oftmals stehen mehrere Routen und Methoden zum Weiterkommen zur Auswahl und die benötigten Ressourcen lassen sich in unmittelbarer Nähe finden. Das Spiel verzichtet zudem vollständig auf ein Zeitlimit, sodass verschiedene Lösungsansätze in Ruhe durchdacht und erprobt werden können.
Die Schwierigkeit sollte dennoch nicht unterschätzt werden. Kollisionen mit der Umgebung oder das Einbrechen von Konstruktionen können das Wohnmobil beschädigen, und auch die Spielfiguren sind regelmäßig tödlichen Gefahren ausgesetzt. Ist der Schadensbalken des Fahrzeugs vollständig gefüllt oder verunglücken sämtliche Spielfiguren, wird zum letzten Speicherpunkt zurückgesetzt. Um die Herausforderungen zu meistern, sind somit vorausschauendes Denken, Geschick und ein solides Gespür für die Physik und Dynamik der Spielwelt gefragt. Eine gewisse Frustrationstoleranz wird ebenfalls empfohlen, da die festgelegten Speicherpunkte in Form einsamer Tankstellen nur spärlich entlang der Strecke gesät sind. Bei einem vorsichtigen Spielstil kann ein Fehlschlag den Verlust von ein bis zwei Stunden Fortschritt bedeuten.
Chaotischer Teamspaß mit technischen Schwächen
Die Steuerung ist intuitiv gestaltet und leicht zugänglich. Permanent eingeblendete Tastenkürzel machen das Auswendiglernen von Steuerelementen überflüssig und ermöglichen einen schnellen Einstieg, auch für weniger computeraffine Personen.
RV There Yet? kann mit bis zu vier Personen gespielt werden. Eine Person erstellt die Lobby, der bis zu drei weitere Spieler*innen über eine Einladung beitreten können. Das Spiel verfügt über einen optionalen Proximity-Voice-Chat, der reale Kommunikation simuliert: Mit zunehmender Entfernung nimmt die Sprachverständlichkeit zwischen den Spieler*innen ab. Zusätzlich kann über Funkgeräte oder verschiedene Gesten aus der Distanz kommuniziert werden, etwa zum Lotzen des Fahrzeugs. Obwohl grundsätzlich auch allein gespielt werden kann, sind viele Mechaniken wie die Kommunikation und einige Rätsel auf mehrere Personen zugeschnitten. Einzelspieler*innen müssen daher teilweise auf umständliche Lösungen ausweichen.
Leider ist der Multiplayer-Modus nicht frei von technischen Problemen. Häufige Desynchronisationen der Spielstände trüben den Spielspaß. Hierbei werden Objekte, darunter auch das Wohnmobil, bei beigetretenen Spieler*innen teils nicht an der korrekten Position angezeigt. Darüber hinaus verschwinden abgelegte Gegenstände nicht selten im Boden, hinter Felsen oder sogar im Fahrzeug und sind anschließend nur schwer wiederzufinden. Sollte ein Gegenstand endgültig verlorengehen, kann dies den Fortschritt blockieren und eine Rückkehr zum letzten Speicherstand unumgänglich machen.
Ein Roadtrip im amerikanischen Stil
Derzeit lassen sich zwei fiktive Gebiete erkunden: das an amerikanische Nationalparks erinnernde Mabutt’s Valley und das winterliche Mt. Yurbuttsk. Insgesamt vermittelt das Setting ein amerikanisch anmutendes Flair. Die Route 65 ist eine Anlehnung an die weltbekannte amerikanische Fernstraße Route 66 von Chicago nach Kalifornien, und auch das Design des Wohnmobils sowie vieler Spielobjekte verstärkt das Gefühl eines klassischen amerikanischen Roadtrips – nur diesmal abseits der Straße. Zwar ist die zweite Karte in einem ausdrücklich nicht-englischsprachigen Gebiet angesiedelt, doch der mutmaßlich amerikanische Protagonist und sein Wohnmobil bleiben unverändert. Daneben werden auf humorvolle Weise Stereotype der amerikanischen Lebens- und Campingkultur in die Spielmechaniken integriert: Alkohol, Nikotin und Koffein verleihen temporäre Bonuseffekte, und auch der klassische Burger vom Einweggrill als Mittel zur Lebensregeneration darf nicht fehlen. Für noch mehr Roadtrip-Feeling sorgen sammelbare Kassetten, die die fortlaufende Geschichte einer Person erzählen, welche vor dem Protagonisten all diese Orte bereist hat. Diese ist ebenso skurril wie der Rest des Spiels und sorgt stets für Vorfreude auf den nächsten Spielabschnitt.
Fazit
RV There Yet? bietet ein kurzweiliges, zugleich aber durchaus anspruchsvolles Spielerlebnis, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Das offen gestaltete Gelände lädt zum kreativen Ausprobieren ein, während der Fokus auf Kooperation für reichlich Unterhaltung und chaotische Situationen sorgt. Mit seinen bisweilen kniffligen Passagen, fehlender Schnellspeicher-Option und technischen Mängeln werden Spieler*innen jedoch viel Ausdauer und gute Problemlösefähigkeiten abverlangt. Aus diesem Grund ist es für ein zu junges Publikum ungeeignet. Hinzu kommt die bewusst überzeichnete Darstellung von Alkohol- und Tabakkonsum, die als solche erkannt und eingeordnet werden muss.
