Gothic Remake
Grafisch aufwendiges Remake eines 25 Jahre alten deutschen Spieleklassikers.
Allgemeines
Jugendschutz & Altersempfehlung
Zeit:
Spielmodi:
- nur alleine spielbar
Pädagogische Altersempfehlung
Spielbeschreibung
Wir werden als namenloser Gefangener in ein magisch verschlossenes Minental gesteckt und müssen einen Weg aus diesem Freiluftgefängnis finden. Wir können uns einem der drei Fraktionen in diesem Tal anschließen und erledigen Aufgaben, um unsere Gunst bei diesen Gruppen zu verbessern und lernen mehr und mehr die einzelnen Zusammenhänge des Tales und deren Geheimnisse kennen. Wie in einem Rollenspiel üblich, verbessern wir unsere Charakterwerte, indem wir durch Erfahrungspunkte Level aufsteigen. Wir steuern aus einer 3D-Verfolgerperspektive, interagieren in Gesprächen mit vielen NPCs und können vieles ausprobieren (Waffen und Essen herstellen, Nahrung sammeln oder erjagen, Arenakämpfe absolvieren, Magie erlernen), müssen aber mit den Auswirkungen unserer Handlungen leben und schaffen dies auf die eine oder andere Art mal leichter oder schwerer. Der Wiederspielwert wird durch die verschiedenen Optionen erhöht, welcher der drei Fraktionen wir uns beispielsweise anschließen und ob wir als Kämpfer, Dieb oder Kampfmagier agieren wollen. Die Spielinhalte dieses Remakes wurden im Kern eins zu eins übernommen, aber auch mit neueren Elementen und Seitengeschichten erweitert, sodass Fans des Klassikers auch Neues entdecken können. Dabei gilt die grafische Darstellung als wichtigste Erneuerung nach genau 25 Jahren, im Vergleich zum Klassiker.
Pädagogische Beurteilung
Aus Alt macht Neu
Die Gothic-Reihe gilt seit 2001 als einer der Rollenspiel-Klassiker schlechthin und hat auch andere Studios beeinflusst, wie beispielsweise CD Projekt für ihre Witcher-Reihe. Nach mittlerweile 25 Jahren wurde nun der erste Teil nach mehreren Jahren Entwicklungszeit als vollständiges Remake mit aktueller Grafik neu aufgelegt. Hierbei wurde einerseits versucht, den Charme des Klassikers zu bewahren, um alte Fans der Reihe glücklich zu stimmen. Andererseits wurde das Spielprinzip modernisiert, um auch neue Zielgruppen anzusprechen, die den Klassiker nie gespielt haben.
Im Vergleich zum Original kann man deutlich erkennen, was 25 Jahre in der Spielebranche ausmachen können. Das Remake ist grafisch nicht mehr wiederzuerkennen, sieht wunderschön aus und zeigt die Stärke heutiger Technik. Bereits die ersten Spielminuten führen in die fantastische Welt mit eigener Flora und Fauna ein, die uns auch sehr gefährlich werden kann, wenn wir uns nicht gut ausrüsten können. Zu Beginn ist unser namenloser Held (das Geschlecht kann nicht ausgesucht werden) unbewaffnet und schutzlos, im Laufe der Zeit sammeln wir aber unsere Ausrüstung zusammen, kombinieren Zutaten für bessere Nahrung mit mehr Heilwirkung oder kaufen und verkaufen Waren bei den jeweiligen Händlern. Zusätzlich entscheiden wir uns für eine der Fraktionen, damit wir weiter vorankommen und uns besser für die Gefahren der Spielwelt wappnen können. Nach und nach macht sich der Fortschritt deutlich bemerkbar, bis wir zum Ende des Abenteuers sehr mächtig werden, wilden Monstern Feuermagie entgegenschleudern und uns unbesiegbar fühlen.
Das Spiel lädt zur Erkundung dieses Mikrokosmos ein, da es uns nicht an die Hand nimmt, wir stattdessen selbst alles freischalten und entdecken müssen. Dazu befragen wir Personen oder erkaufen uns Informationen, um z.B. Vorteile bei der Jagd nach den gefährlichen Scavengern zu bekommen. Selbst eine Karte des Minentals muss gekauft werden. Das Remake gibt uns wie im Klassiker freie Hand beim Ausprobieren und fühlt sich dank der neuesten Grafik und der vielen Verbesserungen frisch und modern an.
Ein funktionierender Mikrokosmos aus Gewalt und Drogen
Informationen und Macht müssen wir uns erkaufen oder erstreiten, denn die Gesellschaft des Minentals lebt von Ausbeutung und der Gewalt untereinander und funktioniert unabhängig von unserer Spielweise. Es gilt für uns, diese Abläufe herauszufinden und diese zu unserem Vorteil auszunutzen. Hierfür können wir uns einer der drei Fraktionen anschließen und ihre Vorteile sowie Nachteile erleben. Unabhängig von unserer Entscheidung können wir in der Geschichte vorankommen und landen in keiner Sackgasse.
Jede Fraktion zeigt deutlich ihre Abgründe auf, aber auch, dass dies für diese Welt funktioniert. Die Gardisten des alten Lagers kontrollieren den Erzabbau und den Warentransport in die Außenwelt, nehmen aber von den Minenarbeitern regelmäßig Schutzgeld ein. Sie agieren auch nicht zimperlich mit dem Helden und bestehlen ihn, sobald sie ihn überwältigt haben. Im neuen Lager agieren die Charaktere unabhängiger und freier, aber Sicherheit bedeutet nicht viel, da man sich Recht und Macht erkämpft. Beide Fraktionen schauen verächtlich und belustigt auf das Sumpflager hinab, lassen sich aber von eben jener Gruppe mit Sumpfkraut beliefern, welches als die zentrale Droge (neben Alkohol) fungiert und allgegenwärtig ist. Weibliche Charaktere treten in dieser Männergesellschaft kaum auf. Es wird aber klar angedeutet, dass sie keine freien Personen in diesem Freiluftgefängnis sind.
Je nachdem wie wir uns verhalten und agieren, kommen wir schneller und besser in der Geschichte voran. Gewalt kann eine Lösung sein, wir müssen aber mit den Konsequenzen leben. Das Spiel ist aber nie unfair und unverständlich, sondern handelt klar nach unseren Entscheidungen. Ist eine Entscheidung gefallen, bedeutet dies aber auch nicht das sofortige Ende. Wie in einem Rollenspiel üblich, können und sollten wir viel speichern und eventuell neu laden, wenn uns eine Situation nicht gefallen oder unser Held das Zeitliche gesegnet hat. Der Wiederspielwert erhöht sich dadurch, dass wir mehrere Strategien ausprobieren und andere Handlungsstränge verfolgen können.
Fazit
Fans des Originals können den 25 Jahre alten Rollenspielklassiker als komplett überarbeitete Version neu erleben und in das grafische Remake eintauchen. Für Neulinge werden zudem einige Komfortfunktionen geboten, die es im Klassiker nicht gab. Die Spieltiefe wurde im Remake jedoch nicht unbedingt erhöht und es wurden keine drastischen Änderungen vorgenommen, um Fans nicht zu verärgern. Das spanische Studio Alkimia Interactive hat im Auftrag vom Publisher TQH Nordic darauf geachtet, das Flair des Originals einzufangen und viele Elemente übernommen.
Die Sprache und die Miniwelt der drei Fraktionen ist rau und die Figuren interagieren deutlich auf unser Spielverhalten. Das Kampfsystem bleibt klassisch und gewöhnungsbedürftig und kann mit neueren Titeln nicht unbedingt mithalten. Es überfordert Spielende aber auch nicht mit unzähligen Kombinationen oder der hektischen Spielweise moderner Titel. Das Spiel richtet sich trotz der eher ruhigen Spielweise an Erwachsene und ältere Jugendliche. Themen wie Drogen, Alkohol und Gewalt sind in dieser Gesellschaft des Minentals allgegenwärtig und Teil des Spiels. Der Humor mit Ruhrgebiet-Charme blieb erhalten, ist aber Geschmackssache. Fans der Reihe werden sich freuen, da der Kern und Stil des Spieleklassikers erhalten blieb.

